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Nachrichten Viel Beifall für Kammertheaterstück am Hannah-Arendt-Gymnasium
Region Barsinghausen Nachrichten Viel Beifall für Kammertheaterstück am Hannah-Arendt-Gymnasium
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15:57 25.05.2019
Die Schüler spielen eine Angriffsszene aus dem Krieg nach und berühren mit ihrer Erzählweise die Zuschauer. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig
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Barsinghausen

Nach den letzten Tönen des Orchesters klatschen die Zuschauer in die Hände, einige hatten auch Tränen in den Augen. „Es ist so bewegend, dass sich die Schüler das trauen“, sagte Zuschauerin Katrin Jäck.

Im Innenhof des Hannah-Arendt-Gymnasiums (HAG) präsentierte die Theater-Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit dem Kammerensemble das Kammertheaterstück „Dieselben Kartoffeln. Dieselben Kapitalisten. Aber andere Röcke. Das ist der Krieg.“ Die Szenische Lesung wurde an zwei Abenden aufgeführt. Fünf Schauspieler zeigten ein breit gefächertes Mosaik aus Textausschnitten und zitierten dabei Homer, Kurt Tucholsky, Erich Fried und Erich Kästner.

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Persönliches Gedicht auf Kurdisch

Die Schüler Fuad Al-Dakhi, Ayad Al-Dakhi, Nazar Genjo und Sabar Haji sind vor drei Jahren aus dem Irak geflüchtet. Ihre Erlebnisse verarbeiteten die Jugendlichen in dem Gedicht „Flucht“. Vor rund 20 Zuschauern erzählte Ayad Al-Dakhi auf Kurdisch von überfüllten Booten und zahlreichen Verstorbenen. Mitschülerin Hannah Bönker übersetzte die Worte ins Deutsche. Anschließend spielten die Musiker „Eine Seefahrt, die ist lustig“. Diese Szene sei für einige Schüler schon schwierig gewesen, sagte Flötenspielerin Johanna Schröder. „Es ist gemein, eine fröhliche Melodie nach einer traurigen Geschichte anzustimmen“, erklärte die HAG-Schülerin.

Thema ist nahe liegend

Das Kammerensemble wird von Musiklehrer Alban Peters geleitet, die Theater-AG von Deutschlehrer Söhnke Post. Die Idee, ein Stück über Krieg und deren Folgen zu entwickeln, lag für die beiden Pädagogen schon lange auf der Hand. „Wir dürfen uns den Problemen nicht entziehen, besonders, wenn wir Schüler mit solchen Erfahrungen haben“, betonte Post.

Während der Aufführung marschierten die Schüler, die grüne Tarnkleidung trugen, im Gleichschritt auf der Stelle und zählten dabei die Orte auf, an denen Krieg herrschte und sich auch heute noch Kriegsszenen abspielen. Kurz danach fiel eine Granate auf den Boden, und die Schauspieler warfen sich auf den Innenhof und schützten ihre Köpfe mit den Händen. Anschließend sang der 19-jährige Schüler Genjo das Lied „Soldat, Soldat“ von Wolf Biermann.

Spende statt Eintrittsgeld

Im weiteren Verlauf las die Schülerin Hannah einen „Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter“ aus dem Jahr 2018 vor. Die 15-Jährige zählte alle Ausrüstungsgegenstände und Exportländer auf. Den Monolog beendete die Schauspielerin mit einem eindringlichen Satz. „Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch eine deutsche Waffen“, sagte Hannah.

Die Schüler und Lehrer haben keinen Eintritt für das Stück verlangt. Dafür baten sie um eine Spende für SOS Méditerranée, eine europäische Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer.

Von Ann Kathrin Wucherpfennig