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Region Barsinghausen Nachrichten Schon bald werden auch am Deister Hausärzte knapp
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19:25 25.04.2019
Das Publikum hat die Möglichkeit, in der Waschkaue mitzudiskutieren.
Das Publikum hat die Möglichkeit, in der Waschkaue mitzudiskutieren. Quelle: Elena Everding
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Barsinghausen

Wie sieht die Zukunft der hausärztlichen Versorgung in Barsinghausen und Umgebung aus? Darüber diskutierten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in der Waschkaue der Alten Zeche, in die der CDU-Stadtverband Barsinghausen und die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) eingeladen hatten. Etwa 60 Gäste hörten sich die Diskussion an, damit war fast jeder Platz in der Waschkaue besetzt.

Die Bevölkerung wird älter, daher braucht es auch in Zukunft ausreichend Hausärzte vor Ort. „Was hat das mit Barsinghausen zu tun?“, fragte Max Matthiesen, Ratsherr und CDA-Vorsitzender in Niedersachsen, die Experten auf dem Podium. Die aktuelle Bedarfsplanung für Barsinghausen ergebe knapp 58 Hausarztpraxen mit Kassenzulassung für Barsinghausen, Wennigsen, Gehrden und Ronnenberg, erklärte Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Das entspreche derzeit einem Versorgungsgrad von fast 109 Prozent. Hausärzte können sich im Deistervorland zurzeit noch niederlassen, weil die Höchstgrenze damit noch nicht erreicht ist.

Mark Barjenbruch von der KVN hält einen Vortrag über die hausärztliche Versorgung, auch in Barsinghausen. Quelle: Elena Everding

Im Jahr 2030 sieht die Situation laut KVN-Berechnungen in Barsinghausen und Umgebung weniger gut aus, wenngleich immer noch besser als in einigen anderen Regionen Niedersachsens. Dann werde es hier voraussichtlich eine Hausarztversorgung von 75 bis 100 Prozent geben, sagte Barjenbruch. „Von einer Unterversorgung spricht man aber erst unter 50 Prozent“, betonte er.

Der Grund für den bevorstehenden Wandel: Viele Hausärzte gehen demnächst in Rente, auch in Barsinghausen. Auch wollten die jüngeren Ärzte nicht mehr rund um die Uhr arbeiten und auch Zeit für die Familie haben, sagte der Barsinghäuser Hausarzt und Internist Folker Siebert. Inken Holldorf, die die niedersächsische Landesvertretung der Techniker Krankenkasse leitet, sieht auch die Kommunen in der Pflicht, die Region für Hausärzte attraktiv zu machen. „Geld allein als Lösung funktioniert nicht.“

Das Podium war sich einig, dass die Kommunen mehr für die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung tun müssen. Quelle: Elena Everding

Dem schloss sich der Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper an: Bildungs- und kulturelle Angebote sowie eine gute Kinderbetreuung seien Faktoren, die Ärzte in die Region zögen, sagte er. Zudem müssten die Kliniken, wie das Gehrdener Robert-Koch-Klinikum, mehr Hausärzte ausbilden, sagte Matthias Berndt, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbands des Deutschen Hausärzteverbands. Sein Vorschlag: Es sollte Beauftragte der Kommunen für Hausärzte geben. „Es wird wohl nur ein Bündel an Maßnahmen helfen“, stellte Jasper fest und bekam dafür Zustimmung vom Rest des Podiums.

Von Elena Everding