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Nachrichten Barsinghäuser Parteien richten den Blick in die Zukunft
Region Barsinghausen Nachrichten Barsinghäuser Parteien richten den Blick in die Zukunft
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13:24 27.05.2019
Mehr Interesse an Europa? Als der Wahlvorstand des Wahllokals 1 in der Wilhelm-Stedler-Schule am Sonntagabend die Urnen mit den Stimmzetteln ausleert, freuen sich die Helfer über die sprunghaft gestiegene Wahlbeteiligung. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Der Blick bei Siegern wie Verlierern der Europawahl in Barsinghausen ist schon weit nach vorne gerichtet: „Das Ergebnis für Barsinghausen ist mit Blick auf die Kommunalwahl 2021 sehr ermutigend, gleichzeitig aber auch eine große Aufgabe“, sagt der Vorsitzende des Barsinghäuser Grünen-Ortsverbandes, Helmut Freitag. Die Grünen sind auch am Deister der eindeutige Wahlsieger der Europawahl. In den kommenden Monaten werde es für den grünen Ortsverband nun auch darum gehen, neue Mitglieder zu gewinnen und Konzepte für eine lebenswerte, umweltfreundliche Stadt zu entwickeln, um im Herbst 2021 den Bürgern „ein überzeugendes Angebot für die kommende Wahlperiode zu machen“, wie Freitag erläutert. Fast ein wenig trotzig klingt die Reaktion des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Reinhard Dobelmann: „Wir sind betroffen, aber wir werden standhaft weiterarbeiten“, bekräftigt der SPD-Chef. „Vor Ort sind wir die einzigen, die etwas tun.“ Auch die Barsinghäuser Christdemokraten sprechen nach ihrem Wahlergebnis von einem „schweren Schlag“, Die CDU ist nach den Worten des Ratsfraktionsvorsitzenden Gerald Schroth insgesamt aber optimistisch: „Wir werden uns mit den Veränderungen in der Gesellschaft auseinandersetzen, um zu sehen, wie wir Politik mit den Bürgern in Zukunft gestalten können.“

SPD liegt nur noch auf dem dritten Platz

Die Ergebnisse der Europawahl signalisieren auch in Barsinghausen eine aktuell deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse. Drastische Verluste der beiden sogenannten Volksparteien CDU und SPD gehen einher mit einer Verdoppelung des Stimmanteils der Grünen. Die SPD, bei der Europawahl vor fünf Jahren mit 35,9 Prozent der Stimmen noch stärkste politische Kraft am Deister, stürzte um 13,7 Prozentpunkte ab. Mit 22,2 Prozent der Stimmen reicht es nun nur noch zum dritten Platz in Barsinghausen. Die CDU (35,8 Prozent vor fünf Jahren) kommt diesmal auf 27,7 Prozent. Damit haben die Christdemokraten 8,1 Prozentpunkte verloren, sind aber immerhin stärkste Partei im Stadtgebiet. Die Grünen dagegen haben ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt: Sie kletterten von 11,4 Prozent vor fünf Jahren auf das neue Rekordergebnis von 23,8 Prozent der Stimmen.

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Besonders auffällig ist, dass die Grünen in mehreren größeren Ortsteilen die stärkste politische Kraft geworden sind. Im zweitgrößten Ortsteil Egestorf etwa – einer langjährigen SPD-Hochburg – kommen die Grünen auf 26,5 Prozent und lassen damit CDU (24,3 Prozent) und SPD (22,7 Prozent) deutlich hinter sich. Auch in Hohenbostel/Winninghausen (29,8 Prozent) und in Großgoltern (29,7 Prozent) haben die Grünen recht deutlich die Nase vorne. Die SPD ist nur noch in zwei Barsinghäuser Ortsteilen die stärkste Kraft: in Wichtringhausen (32,2 Prozent) und in Landringhausen, wo die Sozialdemokraten auf 29,3 Prozent der Stimmen kommen. Die CDU hat ihre Hochburgen in einigen kleineren Ortsteilen wie Holtensen (39,5 Prozent), Nordgoltern (35,8 Prozent) und Stemmen (37,1 Prozent), hat aber auch in Alt-Barsinghausen mit 25,8 Prozent Stimmenanteil und bei der großen Gruppe der Briefwähler mit 32,5 Prozent die Nase vorne.

Gewinne für kleine Parteien

Die kleinen Parteien haben sich bei der Europawahl in Barsinghausen durchweg leicht verbessert: Der Stimmanteil der AfD wuchs von 6,2 auf 8,9 Prozent, die FDP steigerte ihr Ergebnis von 2,3 auf 4,1 Prozent und die Linke von 3,6 auf 3,7 Prozent. AfD-Hochburgen im Stadtgebiet sind Göxe (18,2 Prozent) und Eckerde (15,2 Prozent).

Aus Sicht der Barsinghäuser SPD-Führung sind die Ergebnisse der Europawahl auch ein Zeichen dafür, „dass die Bürger die Große Koalition nicht wollen“, wie Dobelmann betont. „Wesentliche Probleme können nicht gelöst werden.“

Die CDU-Spitze bedauert auch, dass es für den Barsinghäuser Tilman Kuban nicht für einen Sitz im EU-Parlament gereicht hat. „So bleibt er uns im Rat erhalten“, kommentiert Fraktionschef Schroth. „Ich hoffe, dass er eventuell als Nachrücker noch eine Chance in Brüssel hat.“

Von Andreas Kannegießer