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Region Barsinghausen Nachrichten Kaputter Aufzug ist nicht zu reparieren
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16:27 25.07.2018
Der 2004 errichtete Aufzug am Bahnhof lässt sich nach Angaben der Stadtverwaltung nicht mehr reparieren und müsste komplett erneuert werden.
Der 2004 errichtete Aufzug am Bahnhof lässt sich nach Angaben der Stadtverwaltung nicht mehr reparieren und müsste komplett erneuert werden. Quelle: Frank Hermann
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Barsinghausen

Kein Durchkommen gibt es derzeit für Menschen mit eingeschränker Mobilität am Bahnhof Barsinghausen. Grund: Wegen Gleisbauarbeiten ist der benachbarte Bahnübergang Am Buchhorn noch für mehrere Tage gesperrt, und der Personenaufzug am Bahnsteig steht wegen irreparabler Schäden bereits seit Ende 2017 still. Die steile Treppe am Fußgängertunnel stellt für Rollstuhlfahrer, für Gehbehinderte und für viele Eltern mit Kinderwagen ein unüberwindliches Hindernis dar.

Die Barsinghäuser SoVD-Vorsitzende und ehemalige Behindertenbeauftragte Ursula Bothe nennt den kaputten Aufzug eine "UNverschämtheit"den alten und behinderten Menschen gegenüber. Quelle: Frank Hermann

Nach Angaben von Fachdienstleiter Michael Dettmann aus der Stadtverwaltung funktioniert der störanfällige Personenaufzug mittlerweile seit etwa acht Monaten nicht mehr - „aufgrund von Schäden, die nicht mehr repariert werden können“, erläutert Dettmann.

Die Türschließanlagen seien komplett verrostet. Ein Austausch der defekten Anlagen sei nicht möglich, weil es die Herstellerfirma nicht mehr gibt. Da auch ein Nachbau der Anlagenteile nicht möglich sei, „müsste der Aufzug komplett erneuert werden“, betont der Fachdienstleiter.

Kaputt: Seit rund acht Monaten steht der Aufzug am Bahnhof still. Quelle: Frank Hermann

Ohne betriebsbereiten Aufzug weichen Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollator normalerweise auf den benachbarten Bahnübergang am Buchhorn aus, um die Gleise barrierefrei überqueren zu können. Allerdings steht diese Ausweichmöglichkeit derzeit wegen der Gleisbauarbeiten nicht zur Verfügung. Voraussichtlich bis zum 31. Juli bleibt der Übergang gesperrt.

„Aufgrund der Sperrung des Bahnübergangs Am Buchhorn sind derzeit lange Umwege für Personen mit Mobilitätseinschränkungen nicht zu vermeiden“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Ursula Bothe, Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) und ehemalige Behindertenbeauftragte der Stadt Barsinghausen, spricht von einer „Unverschämtheit“ und fordert die Stadt auf, diesen Missstand schnellstmöglich zu beheben. Es könne nicht angehen, dass Leute im Rollstuhl oder mit Rollatoren weite Umwege über die Hannoversche oder die Rehrbrinkstraße in Kauf nehmen müssten.

Die lange und steile Treppe am Fußgängertunnel stellt für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein unüberwindliches Hindernis dar. Quelle: Frank Hermann

„Der Aufzug ist ja genau für diese Menschen gebaut worden. Über Monate hinweg untätig zu sein und den defekten Aufzug einfach hinzunehmen, das ist rücksichtslos den alten und behinderten Menschen gegenüber“, schimpft Bothe.

Falls die Anlage nicht mehr zu reparieren sei, dann müsse die Stadt dennoch Geld in die Hand nehmen, um eine Lösung herbeizuführen. Dabei plädiert die SoVD-Vorsitzende dafür, auf einen neuen Aufzug zu verzichten und stattdessen eine barrierefreie Rampe zu bauen.

Solche eine Rampe war vor 14 Jahren auch als Alternative zum störanfälligen Aufzug ins Kalkül gezogen worden, fand damals aber keine Mehrheit. Um gehbehinderten Menschen einen barrierefreien Zugang zu den Bahngleisen und in den Fußgängertunnel zu ermöglichen, war der Aufzug im Sommer 2004 eröffnet worden - damals eingebettet in den Neubau des Zentralen Omnibus-Bahnhofes (ZOB).

In der Folge kam es immer wieder zu Ausfallzeiten wegen technischer Störungen oder wegen Vandalismusschäden. Im Frühjahr 2012 schlug die Stadtverwaltung zunächst vor, den Aufzug aus Gründen der Haushaltskonsolidierung zu schließen - in der Hoffnung auf Einsparungen von jährlich rund 18.000 Euro für Energie-, Reparatur- und Wartungskosten.

Dazu kam es jedoch nicht. Stattdessen wurde 2014 der Nutzerkreis eingeschränkt auf Personen, die einen sogenannten Euroschlüssel oder eine Chipkarte als Zugangsberechtigung besitzen. Laut Michael Dettmann hat die Stadt rund 130 solcher Chipkarten ausgegeben.

Über die Zukunft des Aufzuges soll nach Auskunft von Stadtsprecher Norbert Wehrmann der Verwaltungsausschuss entscheiden.

Von Frank Hermann