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Nachrichten IG will Kreativhaus vor dem Winter beziehen
Region Barsinghausen Nachrichten IG will Kreativhaus vor dem Winter beziehen
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12:40 26.07.2018
In kleinen Schritten kommen die Bauarbeiten für die Kreativwerkstatt der IG Eltern geistig Behinderter voran. Für das Begegnungszentrum liegen bislang lediglich die Streifenfundamente (im Vordergrund). Quelle: Frank Hermann
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Barsinghausen

 Nach einigen herben Rückschlägen schöpft die Interessengemeinschaft (IG) Eltern geistig Behinderter neue Zuversicht für ihr Bauprojekt an der Rehrbrinkstraße. Dank der Unterstützung von Sponsoren kommen die Arbeiten an der Kreativwerkstatt langsam vor. Möglichst noch vor den Wintermonaten will die IG mit den ersten Angeboten im Haus beginnen.

Zuletzt engagierten sich zwei Fachfirmen aus der Region, um den Rohbau für die Kreativwerkstatt voranzubringen. So hat ein Betrieb das Gebäudedach mit einem speziellen Blech gedeckt, und ein zweites Unternehmen setzte die dreifach verglasten Fenster sowie die Haus- und Terrassentüren ein.

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„Beide Handwerksbetriebe sind uns bei den Material- und Arbeitskosten sehr entgegengekommen, weil sie unser Vorhaben unterstützen wollen“, betont die IG-Vorsitzende Ursula Goldschmidt. Auf solche Hilfe sei die Gemeinschaft angewiesen, damit wieder neuer Schwung in das Bauvorhaben zugunsten behinderter Menschen kommt.

Die IG-Vorsitzende Ursula Goldschmidt zeigt die Metallanker, die nachträglich für die Statik der Kreativwerkstatt installiert werden mussten. Quelle: Frank Hermann

Lange Zeit stand das Projekt vor einer ungewissen Zukunft, weil der ursprünglich beauftragte Bauunternehmer aus Rosendahl unerwartet Insolvenz angemeldet hatte -- und die IG einen sechsstelligen Geldbetrag ohne Gegenleistung abschreiben musste. Für mehr als ein Jahr -- von Ende 2016 bis Anfang 2017 –herrschte Stillstand auf der Baustelle an der Rehrbrinkstraße.

Zudem stellte sich laut Ursula Goldschmidt heraus, dass der insolvente Betrieb bei den Arbeiten für das Haus in Holzständerbauweise gepfuscht hatte. So mussten zum Beispiel alle Dachlatten gelöst und neu vernagelt werden.

Noch schlimmer: Das Fundament wurde nicht mit Bitumen abgedichtet, sondern lediglich mit schwarzer Farbe versehen. „Und es fehlten komplett die Metallanker für eine sichere Statik in der Verbindung zwischen Fundament und Holzaufbau“, erläuterte die IG-Vorsitzende.

Um die Metallanker nachträglich zu montieren, mussten die untere Verkleidung des Hauses abgenommen und anschließend wieder befestigt werden. „Das haben wir jetzt geschafft. Im nächsten Schritt kommen Matten als Unterbau auf die Hausfassade. Darauf wird dann der Putz aufgetragen“, kündigt Goldschmidt an.

Bis zum Winter soll dann auch der Innenbereich der Kreativwerkstatt mit Estrich, Wasser- und Stromanschluss sowie mit einer Radiatorenheizung für eine erste Nutzung vorbereitet sein. Lediglich eine mittlere fünfstellige Summe stehe der IG derzeit noch zur Verfügung.

„Ohne finanzielle Basis können wir immer nur kleine Schritte machen. Jede Spende, egal ob Geld oder Arbeitskraft, hilft uns weiter“, sagt die Vorsitzende der Interessengemeinschaft.

Auf dem vereinseigenen Gelände direkt neben dem Diakonie-Wohnheim für Menschen mit Behinderungen will die IG nicht nur eine Kreativwerkstatt für die Heimbewohner und Gäste schaffen, sondern auch ein Haus für Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen errichten. Für dieses zweite Haus in klassischer Holzständerbauweise liegen bislang lediglich die Streifenfundamente.

„Noch in diesem Jahr wollen wir die Bodenplatte gießen, sonst verrottet die Schalung und wir müssen dort von vorne beginnen“, erklärt Ursula Goldschmidt. Danach seien die finanziellen Reserven jedoch aufgebraucht.

Für das Haus der Begegnung stehe die IG wieder ganz am Anfang und sei gezwungen, bei Null zu beginnen -- mit der Werbung um Sponsoren und Arbeitshelfer. Trotz aller Rückschläge wolle die IG ihr großes Ziel, einen Treffpunkt mit inklusiv-integrativem Ansatz zu schaffen, nicht aus den Augen verlieren.

„Die ganze Sache ist sehr kräftezehrend. Aber die Bewohner aus dem benachbarten Heim warten darauf. Das ist unsere Motivation. Und von den Menschen mit Behinderung kommt unglaublich viel Dankbarkeit zurück“, betont Goldschmidt.

Auskünfte gibt es auf der Internetseite www.ig-eltern.de.

Von Frank Hermann