Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Dieser Nobelpreisträger lebte einige Jahre in Egestorf – und hinterließ Spuren
Region Barsinghausen Nachrichten Dieser Nobelpreisträger lebte einige Jahre in Egestorf – und hinterließ Spuren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 19.09.2019
Dieses Foto von Johannes „Hans“ Daniel Jensen wurde im Jahr 1963 veröffentlicht, als der Physiker den Nobelpreis erhielt. In den Vierzigerjahren zog die Familie Jensen in das Haus an der Wennigser Straße 5 in Egestorf. Quelle: Nobel Foundation/Mirko Haendel
Egestorf

Heinz Erhardt, Hannes Meinhard und Herbert Gruhl – in Barsinghausen haben einige Menschen gelebt, die es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht haben. Doch manch einer wurde in der Fremde bekannt und ist nur einigen wenigen vor Ort ein Begriff. Wie Johannes Jensen.

Es ist bereits lange her, doch lebte der spätere Nobelpreisträger für einige Jahre am Deister. Amtliche Meldeunterlagen, Straßen- und Steuerlisten sowie Adressbücher von Egestorf belegen das. Johannes Hans Daniel Jensen wurde am 25. Juni 1907 in Hamburg geboren und starb am 11. Februar 1973 in Heidelberg.

Unter Wissenschaftlern bekannt geworden ist der 1926 an der Universität promovierte Jensen aufgrund seiner Forschungsergebnisse zum Verständnis der Atomkerne. Er veröffentlichte 1955 gemeinsam mit seiner amerikanischen Forschungskollegin Maria Goeppert-Mayer die Arbeit „Elementary Theory of Nuclear Shell Structure“. Gemeinsam mit Goeppert-Mayer und Eugene Wigner erhielt Jensen 1963 den Nobelpreis für Physik verliehen.

Professur an der TU Hannover

Nach seiner Habilitation 1936 in Hamburg wurde der Hamburger 1937 zunächst Dozent, dann 1941 außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Hannover (TU). Offiziell zog Jensen mit seiner Frau Elisabeth Jensen am 25. August 1942 in die Stoppstraße 4 (heute Stoppstraße 12) nach Egestorf.

In den Vierzigerjahren zog die Familie Jensen in das Haus an der Wennigser Straße 5, in dem auch heute noch die Physik eine gewisse Rolle spielt – die Physik der fliegenden Dartpfeile. Quelle: Mirko Haendel

Suchte er hier Sicherheit vor den alliierten Bombenangriffen? Die Quellen belegen dies natürlich nicht. In Egestorf lebte auch die 1941 in Hamburg geborene gemeinsame Tochter Anne. Im August 1943 nahm die Familie zudem eine Verwandte, die 19-jährige Hilde Jensen, auf. Sie kam aus dem unter dem Bombenangriffen der Operation Gomorrha leidenden Hamburg an der Deister.

Arztpraxis in der Wennigser Straße

Später zog die Familie um in das Haus an der Poststraße 102, das heute die Adresse Wennigser Straße 5 trägt. Von 1946 bis 1950 soll Elisabeth Jensen dort als praktizierende Ärztin eine Praxis besessen haben. 1946 wurde Johannes Jensen ordentlicher Professor an der TU. Ein Jahr später wechselte er als Honorarprofessor nach Hamburg.

Jensen als ehemaliges NSDAP-Mitglied rehabilitiert

Seit 1937 war Jensen Mitglied der NSDAP – angeblich trotz erheblicher Bedenken und weil er befürchtete, dass seine Frau im Falle seiner Verweigerung ihr Medizinstudium nicht hätte fortführen dürfen. So schreibt es die Deutsche Akademie der Naturforscher LeopoldinaNationale Akademie der Wissenschaften. Jensen soll außerdem gemeinsam mit Gleichgesinnten die Deportation eines jüdischen Physikers verhindert haben. Zudem sollen holländische Zwangsarbeiter nach dem Krieg berichtet haben, ihre Deportation hätten sie nur dank des Einsatzes von Elisabeth Jensen überlebt.

Im November 1946 notieren Mitarbeiter der britischen Militärbehörden in Egestorf, dass Johannes Jensen bei der Entnazifizierung als „entlastet“ eingestuft sei.

Die Familie zog 1960 nach Heidelberg

Am 10. Januar 1949 nahm Jensen offiziell seinen Zweitwohnsitz in Heidelberg. Der Physiker erhielt dort von der Ruprecht-Karls-Universität einen Ruf zum ordentlichen Professor, den er bis zu seiner Emeritierung 1969 innehatte. Zwischen 1951 und 1961 hatte er auch mehrere Gastprofessuren in den USA, unter anderem am Institute for Advanced Study in Princeton, der University of Wisconsin, der University of Minnesota, der Indiana University, am California Institute of Technology und Berkeley, der University of California at La Jolla. Egestorf blieb allerdings bis zum 1. November 1960 offiziell sein Erstwohnsitz. Erst dann meldet sich die gesamte Familie Jensen von Egestorf nach Heidelberg (Philosophenweg 16) ab.

Auch wenn heute kaum noch jemand in Egestorf den Physiker kennen dürfte, hinterließ Jensen doch ein paar Spuren in dem Ort. Jensen kauft für seine Tochter, eine spätere Professorin am Institut für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz, ein unbebautes Grundstück in Egestorf an der Wennigser Straße (Nummer 56a). Das Grundstück erhielt Jensen von seiner Tochter 1966 zurück und verkaufte dieses schließlich. 1974 wurde hier ein Wohnhaus errichtet.

Lesen Sie auch:

Einst war die heutige Leibniz Universität ganz auf NS-Linie – jetzt arbeitet sie ihre Vergangenheit auf

Von Mirko Haendel

Der Schwimmclub Barsinghausen verkauft sein Clubheim am Nachtigallweg. Die Stadt will auf dem Gelände im kommenden Jahr 50 neue Kita-Plätze schaffen. Die Schwimmer wollen am Deisterbad neu bauen.

19.09.2019

Zu einem besonders musikalischen Gottesdienst sind alle Interessierten für Sonntag, 22. September, eingeladen: Dann werden in der Mariengemeinde nicht nur die Konfirmanden vorgestellt, es gibt auch Livemusik von gleich zwei jungen Musikgruppen.

19.09.2019

Monsterschachteln und Lieblingstiere basteln: Im Herbst hat die Kunstschule Noa Noa zahlreiche Angebote für junge Kinder. Eine Übersicht.

19.09.2019