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Region Barsinghausen Nachrichten Bantorfer wollen mehr Lebensqualität
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00:20 27.04.2018
Edith Ehlers-Mehrtens und viele ihrer Bantorfer Mitbürger wünschen sich die alte Schule als Dorfgemeinschaftshaus.
Edith Ehlers-Mehrtens und viele ihrer Bantorfer Mitbürger wünschen sich die alte Schule als Dorfgemeinschaftshaus. Quelle: Mirko Haendel
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Bantorf

 Wenn gesellschaftlicher Wandel und wirtschaftliche Fortentwicklung ein Ortsbild umfassend verändern und Traditionen infrage stellen, kann die Identität eines ganzes Ortes ins Wanken geraten. Die Bewohner Bantorfs können ein Lied davon singen. Kaum einer der 18 Ortsteile bekommt den rasanten gesellschaftlichen Wandel so stark zu spüren wie das am westlichen Rand des Barsinghäuser Stadtgebiets zwischen Deister, Autobahn und Gewerbegebiet gelegene Bantorf. „Wir Bantorfer stellen uns die Frage, wer wir sind und was wir leisten können und müssen, um die Lebensqualität im Ort zu verbessern“, sagt Edith Ehlers-Mehrtens, stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Bantorf. 

Eigentlich idyllisch gelegen: Doch sorgt das Gewerbegebiet Kronskamp im Norden Bantorfs für hohes Verkehrsaufkommen und Schmutz. Quelle: Mirko Haendel

Die ehemalige Schulleiterin lebt seit den 1970er-Jahren in Bantorf. Seitdem beobachtet sie die Entwicklung des Orts sehr genau: wachsender Verkehr auf Bundesstraße und Autobahn, eine traditionell starke Bauernschaft, die ihr Land verkauft, auf dem Barsinghausens größtes Gewerbegebiet sich stetig ausweitet und die Nacht aufgrund von Lichtemissionen zum Tage macht, sowie seit 2015 eine der größten Flüchtlingsunterkünfte im Stadtgebiet. 

Flüchtlinge geben Dorfgemeinschaft Schub

Interessanterweise haben gerade die Flüchtlinge der Bantorfer Dorfgemeinschaft einen neuen Schub gegeben, sagt Ehlers-Mehrtens. In der IG Bantorf bildeten engagierte Menschen die Arbeitsgruppe „Willkommen neue Nachbarn“, die sich mit großem Einsatz um die neuen Bewohner des früheren Echo Hotels kümmern. „Es engagieren sich viele neue und jüngere Aktive in der IG“, sagt die Bantorferin. Zentraler Ort für die zahlreiche Gruppenaktivitäten mit integrativem Charakter ist ausgerechnet die alte Dorfschule. Die Außenstelle der Wilhelm-Busch-Schule in Hohenbostel wurde im Sommer 2015 geschlossen. Ein Schlag für viele Bantorfer Kinder, deren Eltern und damals neu Zugezogene. Wieder ein bisschen weniger Dorfleben und soziales Miteinander, wie Ehlers-Mehrtens bedauert. Die Stadt Barsinghausen wollte Gebäude und Grundstücke verkaufen, stoppte dieses Vorhaben jedoch zunächst – auch wegen der Flüchtlinge. Weil sich die IG Bantorf bereit erklärte, bei seinen zahlreichen Projekten und Aktivitäten auch immer die Flüchtlinge mit ins Boot zu holen, kann sie weiterhin das Gebäude an der Luttringhäuser Straße nutzen. 

Überzeugendes Konzept wird benötigt

„Und das ist weiterhin das große Thema in Bantorf“, betont die IG-Vorsitzende. „Was passiert mit dem einzigen öffentlichen Gebäude in Bantorf?“, fragt sie. In Bantorf bestehe allgemein die Ansicht, die Bantorfer hätten ihren Beitrag für die Konsolidierung der städtischen Finanzen in ausreichendem Maße geleistet und und genug Lebensqualität eingebüßt. „Wenn die alte Schule und das mittlerweile leer stehende Gemeindehaus meistbietend verkauft werden, was bleibt dann noch?“, fragt Ehlers-Mehrtens. Dann müssten sich die Nähwerkstatt, das Dorfcafé, das Tablequiz, die Tischtennis-Gruppe, der Computerclub für Senioren, das Dorfkino, die Band Sound of Hope und die Dorfgemeinschaft, die das Außengelände mit seinem Lehmbackofen, den Spielgeräten und dem Bolzplatz regelmäßig nutzen, eine neue Heimat suchen. „Wir müssen jetzt ein überzeugendes Konzept zu einem möglichen Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule erstellen und an die Politik herantreten. Und das ganze muss professionell angegangen werden“, sagt Ehlers-Mehrtens, die wie ihre Mitstreiter aus der IG Bantorf und der vor einiger Zeit gegründeten Ideenwerkstatt Dorfleben weiß, dass der Verkauf der ehemaligen Schule früher oder später wieder auf die Agenda kommt. 

Problem Ortseingang: Aus richtung Hohenbostel kommend fahren nach Ansicht vieler Bantorfer die Autos zu schnell. Quelle: Mirko Haendel

Doch Bantorf ist noch mehr als sein Kampf um die alte Schule und seine Identität. Die Verkehrsanbindung sei Fluch und Segen zugleich, glaubt Ehlers-Mehrtens. Die schnelle Anbindung an die A2 erkaufe man sich durch den Verkehrslärm, die Arbeitsplätze im Gewerbegebiet mit Lichtverschmutzung und der Vermüllung des Gebiets an der B65. Der öffentliche Nahverkehr sei zudem ausbaufähig. Laut der Bantorfer wünschten sich viele ihrer Mitbürger eine bessere Busverbindung nach Barsinghausen, eine direktere Schulbusverbindung zu den Barsinghäuser Schulen und klare Grenzen für das Gewerbegebiet: „Wir wollen keine Gewerbegebiet, das in Richtung Süden über die B65 hinaus geht.“

Von Mirko Haendel