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Wissen Verdauungsschnaps und Vollkornbrot: Welche Mythen rund ums Essen stimmen?
Nachrichten Wissen Verdauungsschnaps und Vollkornbrot: Welche Mythen rund ums Essen stimmen?
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13:48 15.01.2019
Hilft der Verdauungsschnaps wirklich oder ist dunkles Brot gesünder als helles? Was ist dran an den Ernährungsmythen? Quelle: Fotolia
Hannover

Essen am Abend macht dick, Tomatenstrunk ist giftig, und nur dunkles Brot ist gesund. Mythen rund ums Essen gibt es viele - stimmen müssen sie deswegen aber noch lange nicht. „Grund für Ernährungsmythen sind oft Unsicherheiten, zum Beispiel bei der Frage, ob man Käserinde mitessen darf“, meint Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Manche Legenden haben aber auch einen wahren Kern. Hier die Ernährungsmythen im Überblick:

Mythos 1: Dunkles Brot ist gesünder als helles Brot!

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte.“ Aber: Nicht jedes dunkle oder körnige Brot oder Brötchen ist auch ein Vollkornprodukt. „Brötchen kann man auch mit Malzextrakt dunkel und mit Sonnenblumenkernen körnig machen“, sagt Restemeyer.

Mythos 2: Spinat darf man nicht noch einmal aufwärmen!

Die Ernährungsregel, dass Spinat nicht ein zweites Mal aufgewärmt werden darf, ist sehr alt. „Sie stammt noch aus Zeiten, in der es noch keinen Kühlschrank gab“, sagt Monika Bischoff, Vorstandsmitglied im Berufsverband Oecotrophologie. Das Problem sei nicht das zweite Aufwärmen, sondern das langsame Abkühlen, denn dabei wandeln Bakterien im mittleren Temperaturbereich ungefährliches Nitrat in schädliches Nitrit um. Tipp: Grundsätzlich kann man bedenkenlos bereits gekochten Spinat wieder aufwärmen, wenn man einige Regeln beachtet. Gründliches Waschen oder Blanchieren hilft den Nitratgehalt zu reduzieren, da Nitrat wasserlöslich ist. Trotzdem ist es für Erwachsene ungefährlich bereits gekochten Spinat wieder aufzuwärmen, sofern er im Kühlschrank aufbewahrt wurde. Nach der Zubereitung sollte man die Reste deshalb schnell zum Abkühlen in den Kühlschrank stellen. Dies verhindert die Bildung von giftigem Nitrit.

Ausnahme: Bei Kindern bis zu drei Jahren ist Vorsicht geboten. Die Kleinen reagieren besonders empfindlich auf Nitrat. In Nitrit umgewandelt kann es bei Babys sogar den Sauerstofftransport im Blut behindern und zu Blausucht führen.

Mythos 3: Der grüne Tomatenstrunk ist giftig!

Die grünen Stellen an der Tomate enthalten Solanin. „Dieses Gift dient der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen“, erklärt Seitz. Bei Menschen können Vergiftungserscheinungen wie Kopf- und Bauchschmerzen auftreten, wenn sie sehr viel Solanin aufnehmen. Dafür müsste ein Erwachsener aber eine sehr große Menge unreifer Tomaten oder Strünke essen.

Mythos 4: Kaffee entzieht dem Körper Wasser

„Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht“, sagt Restemeyer. Denn Kaffee werde wie alle anderen Getränke in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen. Insgesamt sollte ein körperlich wenig aktiver Erwachsener bei mitteleuropäischen Temperaturen pro Tag etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Mythos 5: In der Schale vom Obst sind die meisten Vitamine

Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen tatsächlich bei Obst und Gemüse direkt in oder unter der Schale, erklärt Restemeyer. „Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse mit Schale zu genießen.“ Der Vorteil überwiege die gesundheitliche Gefährdung durch mögliche Pestizide in der Schale.

Mythos 6: Superfood macht fit und beugt Krankheiten vor

„Sogenanntes Superfood sind Lebensmittel mit besonders vielen Nährstoffen“, erklärt Monika Bischoff. Eine offizielle Definition des Begriffs gebe es aber nicht. Ob ein Lebensmittel wirklich fit macht und Krankheiten vorbeugen kann, hänge vom jeweiligen Produkt ab. „Heimisches Superfood wie zum Beispiel Kohl ist gesund und macht fit“, sagt sie.

Mythos 7: Gefrorenes Essen verdirbt nicht

„Einfrieren ist eine empfehlenswerte Methode, um Lebensmittel mittel- bis langfristig aufzubewahren“, sagt Restemeyer. Durch das Lagern bei Temperaturen von minus 18 Grad blieben Nährstoffe, Geschmack und das Aussehen weitgehend erhalten. Mit der Zeit fänden aber trotzdem Abbauprozesse statt. Sie sorgen dafür, dass die Lebensmittel irgendwann nicht mehr gut schmecken. Restemeyer rät: „Wer die Verpackung direkt mit Einfrierdatum, Menge und Inhalt beschriftet, behält einen besseren Überblick über seinen Vorrat.“

Mythos 8: Käserinde darf man nicht essen

Entscheidend ist, wie die Rinde entstanden ist. „Natürlich gereifte sowie unbehandelte Käserinden sind essbar und geben wie etwa bei Edelschimmelkäse ein besonderes Aroma“, erklärt Seitz. Künstliche Käserinden aus Wachs oder Kunststoff seien dagegen nicht zum Verzehr geeignet. „In diesem Fall muss ein Hinweis auf der Verpackung stehen.“

Mythos 8: Wer abends isst, nimmt zu

„Wer zu viele Kalorien zu sich nimmt, nimmt zu. Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, nimmt ab“, sagt Monika Bischoff. Für Gesunde in einer normalen Gewichtsgruppe sei es irrelevant, wann sie das Essen einnehmen. „Wer abnehmen möchte, kann aber trotzdem ausprobieren, abends auf das Essen zu verzichten“, sagt die Ökotrophologin. Vielen Menschen falle es leichter, am Abend auf eine Mahlzeit zu verzichten als zum Beispiel auf das Frühstück.

Mythos 9: Schnaps hilft beim Verdauen

Nach einer üppigen und fettreichen Mahlzeit trinken viele Menschen einen Verdauungsschnaps, weil er die Verdauung beschleunigen und das Völlegefühl lindern soll. Doch harte Alkoholika kurbeln die Verdauung nicht an. Da der Alkohol vom Magen direkt ins Blut geht, ist der Körper vielmehr mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt, anstatt die Nahrung zu verdauen. Die Folge: Die Verdauung wird verzögert und der Weitertransport der Nahrung in den Dünndarm gehemmt.

Von RND /dpa

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