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Wissen Einschlag bei Neuguinea: Ein Meteorit aus einem anderen Sonnensystem?
Nachrichten Wissen Einschlag bei Neuguinea: Ein Meteorit aus einem anderen Sonnensystem?
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13:36 18.04.2019
Darstellung des Kometen 1I/2017 U1 „'Oumuamua“ – er flog an der Erde vorbei. Das interstellare Objekt, das vor Neuguinea einschlug, war etwa 100-mal kleiner als „'Oumuamua“. Quelle: M. Kornmesser/European Southern Observatory/dpa
Cambridge

Sollten die Erkenntnisse der beiden Forscher der Universität Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts zutreffen, wäre ein bisher wenig bekannter Meteorit der erste Nachweis eines sogenannten interstellaren Einschlags auf der Erde. Für die Wissenschaftler jedenfalls ist das 46 Zentimeter breite Objekt eine Art Flaschenpost aus einer anderen Galaxie.

„Nahezu alle Objekte, die die Erde treffen, stammen aus unserem Sonnensystem“, erklärt Abraham Loeb, Koautor der Studie, gegenüber CNN. „Sie bestehen aus denselben Materialien wie das Sonnensystem. Die interstellaren Objekte hingegen stammen von anderen Quellen. Es ist so, als ob man eine Flaschenpost von einem fernen Ort findet. Wir können das Objekt untersuchen, als schlenderten wir am Strand entlang und würden nach Muscheln Ausschau halten, die angespült werden – und dabei etwas über das Meer lernen.“

Der Astronom Professor Abraham Loeb von der Harvard University in Cambridge/Massachusetts. Quelle: Harvard University

Interstellares Tempo: 216.000 Kilometer pro Stunde

Loeb und sein Koautor Amir Siraj untersuchten die Geschwindigkeit von Objekten, die in die Erdatmosphäre eintraten. Davon lässt sich ableiten, ob sich das Objekt im Verhältnis zur Umlaufbahn unserer Sonne bewegte. „Wir haben die Eigenschaften des Meteors analysiert, dessen Geschwindigkeit beim Aufprall berechnet und daraus abgeleitet, ob er im Gravitationsfeld unserer Sonne war.“ Um dem zu entkommen, müsste ein Objekt mindestens 42 Kilometer pro Sekunde zurücklegen. Der Brocken, der vor Papua-Neuguinea ins Meer stürzte, hatte nach Berechnung der Forscher eine Geschwindigkeit von etwas 60 Kilometern pro Sekunde (216.000 km/h) – was für eine interstellare Herkunft spricht.

„Bei dieser Geschwindigkeit braucht ein Objekt Zehntausende von Jahren, um von einem Stern zum anderen zu gelangen“, sagt Loeb. Da sich aber nicht genau sagen lässt, wo der Meteorit herkommt, lässt sich auch sein Alter nicht exakt bestimmen. Aber immerhin, so Loeb, wisse man, „dass es Hunderte Millionen Jahre dauern würde, die Milchstraße zu durchqueren“.

Bärtierchen könnten im Gesteinsinnern die Reise überlebt haben

Am faszinierendsten für die Forscher ist die Option, dass interstellare Objekte womöglich Spuren von Leben aus anderen Sonnensystemen enthalten könnte. „Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass Leben von einem Stern zum anderen gelangen könnte“, sagt Loeb zu CNN. „Prinzipiell könnten Lebensformen auch im Inneren von Gestein überdauern: etwa Bakterien, oder sogenannte Bärtierchen, weniger als einen Millimeter große, achtbeinige Tiere, die im Wasser oder feuchter Umgebung leben. Beide können lebenswidrige Bedingungen im All überstehen und theoretisch den Weg bis zu uns schaffen.“

Obwohl der kleine Meteorit von Neuguinea in der Studie als erstes nachgewiesenermaßen interstellares Objekt bezeichnet wird, das die Erde getroffen hat, schätzen deren Autoren, dass derlei Objekte im Schnitt etwa alle zehn Jahre die Erdatmosphäre durchdringen. Das wiederum würde bedeuten, dass womöglich Millionen interstellarer Objekte durch unserer Sonnensystem schweben und darauf warten, untersucht zu werden.

Einer von ihnen war der fast 400 Meter lange UFO-artige Komet 'Oumuamua, der 2017 die Erde in relativer Nähe passierte. Nicht auszudenken, was er alles an unentdeckten Geheimnissen bergen könnte.

Von Daniel Killy/RND

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