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Wissen Invasion der Eisbären: „Der Klimawandel ist schuld an der Misere“
Nachrichten Wissen Invasion der Eisbären: „Der Klimawandel ist schuld an der Misere“
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18:33 13.02.2019
Das arktische Packeis, auf das Eisbären angewiesen sind, schmilzt. Quelle: Sven Achtermann
Hannover

Seit zwei Monaten streifen mehr als 50 Eisbären auf der russischen Nordpolarmeer-Insel Nowaja Semlja durch die Siedlungen. Sie belagern Wohnhäuser und öffentliche Gebäude – von einer „aggressiven Invasion“ ist die Rede. Lokale Behörden haben den Notstand ausgerufen und mit der Vertreibung begonnen. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland sprach mit Eisbärenexpertin Sybille Klenzendorf vom Umweltverband WWF über das Phänomen.

Frau Klenzendorf, warum kommen die Eisbären den Menschen so nah?

Eine entscheidende Rolle spielt die Erderhitzung, durch die sich die Eisschmelze der Arktis stark beschleunigt. Gerade im Gebiet der Barentssee, wo sich diese Bären normalerweise aufhalten, ist ein großer Teil der Wasserfläche noch immer nicht zugefroren – und das mitten im arktischen Winter. Die Bären warten seit Monaten an der Küste, dass das Meer zufriert. Ihr großer Hunger und die Gerüche der Müllhalden treiben die Bären dann ins Landesinnere und in die Siedlungen.

Wie steht es aktuell um das Arktis-Eis?

Schlechter denn je. In der Arktis erwärmt sich das Klima doppelt so schnell wie im Rest der Welt. In den vergangenen 40 Jahren ist eine Eisfläche geschmolzen, die etwa sechsmal so groß wie Deutschland ist. Die Arktis hatte in den vergangen zehn Wintern durchschnittlich 15 Prozent weniger Eis. Dieser dramatische Schwund wird sich in Zukunft wohl noch verschlimmern und beschleunigen. Am stärksten betroffen ist die Barentssee. Hier sind die Winter im Schnitt fünf Monate kürzer als noch in den 1980er-Jahren. Im Rest der Arktis sind es rund zwei Monate.

Was bedeutet die Eisschmelze generell für Eisbären?

Sie hungern. Ihre Hauptnahrung sind Robben. Die bekommen sie aber nur an deren Atemlöchern oder in Schneehöhlen auf dem Packeis zu fassen. Gibt es zu wenig Eis, kommen die Raubtiere auf der Suche nach Nahrung ins Landesinnere.

Dann bewahren die Müllhalden sie vor dem Verhungern?

Das würde ich so nicht sagen. Der Eisbär ist immer noch das größte Landraubtier der Welt. Wenn es seine Scheu vor dem Menschen verliert, geht das gar nicht gut aus.

Auch die Lebensräume von Eisbären und Grizzlys überschneiden sich in Folge der Erderwärmung immer mehr. So kommt es auch immer häufiger zu Kreuzungen zwischen Polar- und Braunbären – sogenannten Pizzlys. Ist das eine Chance, Eisbären vorm Aussterben zu bewahren?

Uns sind bisher lediglich acht Fälle bekannt, und die sind alle auf ein Weibchen zurückzuführen. Das ist zwar tatsächlich ein Novum und wohl auch auf die steigenden Temperaturen zurückzuführen. Gut ist das aber nicht. Die Bärenmischung ist weder optimal auf das Eis noch auf das Land angepasst und hat somit keinen Vorteil. Das einzige, was das Überleben der Eisbären dauerhaft sichern kann, ist, dass wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen.

Wie können die Menschen in Nowaja Semlja jetzt die Eisbären loswerden?

Zunächst muss das Müllproblem beseitigt werden oder entsprechende Elektro-Zäune gezogen werden. Es gibt aber auch gute Vergrämungsmethoden, dazu zählen Leuchtraketen und Pfefferspray in der Bär-Version. Wir müssen dafür sorgen, dass angesichts der dramatischen Veränderungen im Lebensraum der Eisbären auch weiterhin ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Bär und Mensch möglich ist. Immerhin sind wir schuld an der Misere.

Von Sonja Fröhlich/RND

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