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Wissen Einblick in eine untergegangen Kultur: Forscher bergen Schätze aus dem Titicacasee
Nachrichten Wissen Einblick in eine untergegangen Kultur: Forscher bergen Schätze aus dem Titicacasee
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14:16 02.04.2019
Auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern wurden die wertvollen Opfergaben gefunden. Quelle: Teddy Seguin
La Paz

Funde aus dem Titicacasee geben Aufschluss über Tiwananku – den vermutlich ersten Staat in der Region. Aus einer Fülle von wertvollen Objekten schließen Forscher, dass ein Felsenriff nahe der Sonneninsel inmitten des Sees ein rituelles Zentrum der Kultur zwischen dem 8. und 10 Jahrhundert war. Dort festigte die religiöse Elite bei Zeremonien die Macht des aufstrebenden Staates, wie das Team um Christophe Delaere von der University of Oxford in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) berichtet.

Hobbytaucher entdeckten Felsenriff

Der an der Grenze von Peru und Bolivien auf gut 3800 Metern Höhe gelegene Titicacasee spielt in der Mythologie der Inka-Kultur eine herausragende Bedeutung. Aber schon viel früher, im Zeitraum von 500 bis 1100, war das Becken um den See das Kernland des Tiwanaku-Staates, dessen gleichnamige Hauptstadt südlich des Sees lag. Ein zentraler religiöser Ort war den Forschern zufolge die Isla del Sol (Sonneninsel) auf der heutigen bolivianischen Seite des riesigen Sees, der mehr als 15 Mal größer ist als der Bodensee.

Vor dem nordwestlichen Ufer der Insel hatten japanische Hobbytaucher 1977 ein Felsenriff entdeckt und dort Räuchergefäße und kleine Tierfiguren gefunden. An diesem Khoa-Riff fanden Expeditionen später Hunderte weitere Objekte, darunter Tierknochen, Keramik sowie Figuren aus Gold und Silber. Seit 2013 erkundete das Team um Delaere das Riff.

Riesige Unterwasserfläche voller Luxusobjekte

Dabei fanden die Forscher etwa 5 bis 7 Meter unter der Wasseroberfläche auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern eine Fülle von Objekten: Räuchergefäße, etwa in Form von Pumas, Goldschmuck, Knochen von Lamas, Vögeln, Fröschen und Fischen, Muscheln sowie mehr als 1000 Keramikscherben. Per Radiokarbon-Datierung (C14) bestimmten die Forscher das Alter auf den Zeitraum zwischen etwa den Jahren 800 und 960.

„Die luxuriösen Gold-, Muschel- und Steinornamente unterstreichen die teure Zurschaustellung von Wohlstand während der Zeremonien, denn diese Materialien zählten zu den geschätztesten in den Anden“, schreiben die Autoren. „Zum Beispiel mussten die Spondylus-Muscheln durch Handel aus den warmen Meeresgewässern der Küste Ecuadors erlangt werden, fast 2000 Kilometer entfernt.“

einige der Fundstücke aus dem Titicacasee. Quelle: Teddy Seguin

Ort war Mittelpunkt der Glaubenswelt

Angesichts der Fülle des Materials schließen die Forscher, die Tieropfer und die wertvollen Opfergaben seien regelmäßig dargeboten worden. Damals habe ein Teil des Khoa-Riffs über der Wasseroberfläche gelegen. Dass die Rituale ausgerechnet auf der Isla del Sol stattfanden, ist für die Forscher kein Zufall: „Die Sonneninsel und insbesondere das Khoa-Riff liegen nahe am geografischen Mittelpunkt des Sees“, schreiben sie. „Daher überrascht es nicht, dass die Tiwanaku-Elite diesen Ort für teure und sehr bedeutende Zeremonien nutzte.“

Während der Zugang zur Insel und zum Riff schwierig und einer exklusiven Gruppe von Menschen vorbehalten gewesen sei, „könnten die Bewohner der umliegenden Dörfer die Zeremonien aus der Ferne bezeugt haben“. Zu jener Zeit sei das gesamte Ufer des Titicacasees dicht besiedelt gewesen. Mit Hilfe dieser Rituale habe die Religion den aufstrebenden Staat gefestigt. „Die Quantität und Qualität der Opfergaben zeigten, dass das Riff im Zentrum der damaligen Glaubenswelt stand.“

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Von RND/dpa

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