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Wissen E-Scooter: Verkehrsexperten befürchten „chaotische Zustände“ auf den Straßen
Nachrichten Wissen E-Scooter: Verkehrsexperten befürchten „chaotische Zustände“ auf den Straßen
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19:10 25.01.2019
Ein Mann steht in Wien auf einem Elektro-Tretroller. Dort gibt es erste Verleihfirmen. Quelle: Herbert Neubauer/APA/dpa
Los Angeles

2019 könnte das Jahr der Elektro-Roller werden. Die kleinen Flitzer gelten als schicke Alternative zur Fortbewegung in vielen autoverstopften Städten. In den USA boomt vor allem das Verleihgeschäft mit den E-Scootern, dort werden sie bereits in mehr als 60 Städten zum Ausleihen angeboten. Allein in Los Angeles sollen Tausende dieser Gefährte unterwegs sein.

Sie werden ähnlich wie Leihräder von Firmen angeboten und können einfach über eine Smartphone-App gebucht werden. Wo im Straßenverkehr und unter welchen Voraussetzungen sie fahren dürfen, ist in den einzelnen Regionen unterschiedlich geregelt.

In Deutschland sind E-Scooter auf öffentlichen Straßen und Wegen noch verboten. Das soll sich nun ändern: Eine Zulassungsverordnung wird derzeit erarbeitet, sie soll noch im Frühjahr in Kraft treten. Dann sollen die Elektroroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern auf Radwegen erlaubt sein. Auf der Straße sollen sie nur fahren dürfen, wenn es keinen Radweg gibt. Eine Helmpflicht ist dem Verordnungsentwurf zufolge nicht vorgesehen. Allerdings braucht es zum Fahren mindestens einen Mofa-Führerschein und ein Alter von mindestens 15 Jahren.

Kritiker befürchten unschöne Szenen

Bei den E-Scootern handelt es sich um Tretroller, die mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet sind. Um sie in Gang zu setzen, stößt sich der Fahrer einmal mit einem Fuß ab, dann rollen die Scooter mit einem Tempo von um die 20 Stundenkilometer durch die Gegend.

In Österreich sind E-Scooter erlaubt, sie gelten rechtlich als Fahrräder. Die Nachfrage soll riesig sein. Die österreichische Polizei hat ein Informationsvideo veröffentlicht:

Fußgänger- und Radfahrer-Initiativen sehen das kritisch. So warnte der Radfahrerverein ADFC kürzlich, die Radwege seien nicht breit genug, um mit den Elektrorollern langsamere Fahrzeuge sicher zu überholen. Es drohten „chaotische Zustände“. Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork dazu: „Deutsche Radwege taugen nicht einmal für die sichere Abwicklung des vorhandenen Radverkehrs. Wenn ab 2019 zusätzlich eine Welle von E-Scootern durch die Innenstädte holpert, werden wir sehr unschöne Szenen und viele Unfälle erleben.“

US-Studie untersucht Unfallgefahren

Aus den USA gibt es jetzt erste Erkenntnisse zur Gefährlichkeit der kleinen Flitzer. Einer Untersuchung US-amerikanischer Mediziner zufolge landeten Unfallbeteiligte mit Knochenbrüchen, Platzwunden, aber auch schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Die Mediziner berichten davon im Fachblatt „Jama Network Open“.

Die Mediziner hatten nun aus den Krankenakten zweier Kliniken in Südkalifornien jene Fälle herausgesucht, in denen Patienten nach einem Unfall mit einem E-Scooter in die Notaufnahme kamen. Zwischen dem 1. September 2017 und dem 31. August 2018 identifizierten sie insgesamt 249 Fälle, die den ausgewählten Kriterien entsprachen.

Die meisten (228) Unfallopfer waren als Fahrer verunglückt: Sie stürzten, kollidierten mit einem Gegenstand oder wurden angefahren. 21 Menschen wurden als Nicht-Fahrer verletzt. Diese wurden entweder von einem E-Scooter angefahren, waren über ein abgestelltes Gefährt gestolpert oder hatten sich beim Versuch verletzt, eines hochzuheben oder zu tragen. Das Alter der Verletzten lag zwischen 8 und 89 Jahren, 26 der verunglückten Fahrer waren jünger als das in Kalifornien für E-Scooter geltende Mindestalter von 18 Jahren.

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Kopfverletzungen am häufigsten

Die häufigsten Verletzungen waren Kopfverletzungen (etwa 40 Prozent), gefolgt von Knochenbrüchen (32 Prozent), Prellungen, Stauchungen oder Platzwunden. Einen Helm hatten die allermeisten Fahrer laut Aktenlage nicht getragen, einige von ihnen fuhren verbotenerweise zu zweit auf dem Roller. Die Fahrer teilen sich die Straßen mit schnell fahrenden Fahrzeugen, scheinen die Risiken aber zu unterschätzen, schreiben die Forscher.

Das Fazit der Wissenschaftler fällt denn auch zweigeteilt aus: E-Scooter hätten das Potenzial, den Verkehrsstau in den Städten zu mindern und seien ein für nahezu alle Menschen günstiges Fortbewegungsmittel. Es sei aber erforderlich, die rechtlichen Vorgaben an die schnelle Entwicklung des Trends anzupassen.

Von Sonja Fröhlich und Anja Garms/RND/dpa

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