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Wissen Aus echter Überzeugung: Traumberuf Bestatter
Nachrichten Wissen Aus echter Überzeugung: Traumberuf Bestatter
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22:10 24.05.2019
Bevor Eric Wrede Bestatter wurde, war er Musikmanager. Er versucht, auch möglichst ungewöhnliche Formen des Abschiednehmens für seine Kunden umzusetzen. Quelle: Erik Weiss
Berlin

Eric Wrede, geboren 1980 in Rostock, kündigte im Frühjahr 2013 seinen Job als Musikmanager, um Bestatter zu werden. Zuvor hatte er auf der Suche nach einer echten Berufung von Fritz Roth gehört, einem der ersten sogenannten alternativen Bestatter. Sie unterscheiden sich von konventionellen Bestattern etwa dadurch, dass Angehörige beim Einkleiden der Verstorbenen mithelfen dürfen oder dass die Särge von Kindern bemalt werden können. Von diesen Gedanken inspiriert, eröffnete Wrede 2015 sein eigenes Beerdigungsinstitut Lebensnah in Berlin.

Im Interview erzählt er, warum der Beruf des Bestatters seine Berufung ist.

Wie wichtig sind persönliche Erfahrungen mit dem Tod – gerade für alternative Bestatter wie Sie, die ganz individuelle Formen des Abschiednehmens anbieten?

Ich glaube eher, dass zu viele persönliche Erfahrungen negativ sind. Wer zum Beispiel ehrenamtlich Sterbende begleiten will, muss für einen gewissen Zeitraum frei von Verlusten sein, damit man sich nicht selbst therapiert. Zu viele eigene Erfahrungen können dazu führen, dass ich meine Antworten auch anderen als Antworten vorgebe. Ich merke das bei mir, wenn ich anhand eines ersten Eindrucks vermute, was die Familie sich wünschen könnte. Davon muss man sich frei machen. Die Antworten muss jeder selbst finden. Es gibt keine Tipps von außen. Im schlimmsten Fall sind solche Ratschläge sogar negativ: Wenn ich dem anderen sage, was mir hilft, und dann klappt es nicht. So entsteht Druck, und die Betroffenen fragen sich, ob ihr Trauerverlauf komisch ist. Tatsächlich sind aber die meisten in der Lage, normal zu trauern.

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Sie waren mit Anfang 30 bereits als Musikmanager gut im Geschäft, trotzdem haben Sie auf der Suche nach einer echten Berufung noch mal eine Ausbildung begonnen – mit einem unbezahlten Praktikum.

Man kann die klassische Ausbildung machen oder für einen gewissen Zeitraum in dem Beruf arbeiten und sich anschließend prüfen lassen. So habe ich das gemacht. Die Prüfung am Ende ist für beide Wege die gleiche. Ich möchte wissen, wovon ich spreche. Wenn ich was doof finde, will ich das auch begründen können. Ich möchte verstehen, wie Abläufe sich verfestigen, statt einzelne als böse herauszupicken. Wenn ich sage, dass im Krankenhaus schlecht mit Verstorbenen umgegangen wird, dann will ich wissen, warum das so ist. Nicht nur der Bestatter ist doof, der teure Särge verkauft – auch der Kunde, der so unmündig ist und nicht sagt, was er will. Jeder, der sich rechtzeitig Gedanken über seine Wünsche und Bedürfnisse in einer Verlustsituation gemacht hat, wird mit ein bisschen Rüstzeug in solche Momente gehen.

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Viele Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder mit in den Trauerprozess und eine Trauerfeier einbeziehen sollten oder lieber nicht. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe grundsätzlich Verständnis dafür, dass Eltern ihre Kinder beschützen wollen. Wenn ich gezielt nachfrage, merken die Eltern oft schnell, dass Kinder viel besser damit zurechtkommen als gedacht und oft auch ganz anders mit Trauer umgehen. Natürlich kann es mich stören, wenn meine siebenjährige Nichte spielen möchte, während ich am Grab meines Opas stehe und weine. Die meisten Kinder haben aber ein gutes Gespür dafür, dass das gerade nicht passt. Die Antwort kann nicht sein, Kinder von der Trauer auszuschließen. Vielmehr müssen wir für jede Gruppe ihre Möglichkeiten finden. Wie sollen Kinder sonst lernen, wie man sich liebevoll verabschiedet? Das heißt nicht, dass sie unbedingt immer mit zur Trauerfeier gehen müssen. Ein Beispiel: Wenn es eine sehr konservative Bestattungsfeier mit einer Urne geben soll, kann man den Sarg vor der Einäscherung mit den Kindern gestalten. Dann wissen sie, dass sie den Abschied mitgestaltet haben.

Wie gehen Sie mit Trauernden um?

So, wie ich möchte, dass Menschen mit mir umgehen: Ich möchte, dass man mich ernst nimmt. Ich zum Beispiel will keine Floskeln hören. Jedes ehrliche In-den-Arm-Nehmen ist mehr wert als ein formal ausgesprochenes „Mein Beileid“. Man kann fragen: „Was brauchst Du gerade?“ Einige können das in ihrer Trauer aber gar nicht genau benennen. Dann ist praktische Lebenshilfe sinnvoll: Eine Einladung zum Essen, die Kinder ein Wochenende betreuen. Ein ernst gemeintes „Wie geht es dir?“ ist schwierig. Wenn ich Angehörige nach einem Jahr wiedertreffe, stocke ich zunächst. Habe ich jetzt wirklich Zeit, mir die Antwort darauf 20 Minuten anzuhören? Denn viele Trauernde werden sich wiederholen. Als Freund muss man die Kraft haben, sich das immer wieder anzuhören. Oder ab einem gewissen Punkt zu sagen: „Jetzt verlässt mich die Kraft. Vielleicht schauen wir nach einem Angebot, dass Dir helfen kann.“

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Alternative Bestatter wie Sie findet man eher in Großstädten. Hat man auf dem Land also kaum eine Chance auf eine ganz individuelle Beisetzung?

Eher nein – auch wenn wir das ab und zu machen. Je klarer Angehörige kommunizieren, was sie wollen, desto besser wird aber jeder vernünftige Bestatter in der Lage sein, die individuellen Wünsche umzusetzen. Was im Ländlichen aber schwierig ist: Es gibt dort oft nur einen Trauerredner. Da kannst du die Reden mitsprechen. Und die Preise sind heftig. Aber es gibt eben nur diesen Bestatter. Der kostet dann eben so viel.

Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Auf Berliner Friedhöfen kostet ein Erdgrab um die 2000 Euro. In Hannover werden es schnell 4000. Solche Spannen gibt es auch bei Bestattern. Aber warum kostet eine gleich lange Autofahrt von A nach B in der einen Stadt 120 Euro und in der anderen 420? Ich staune, wie hoch die Schwankungen sind. Meine Oma in Rostock hat für ihre Beerdigung 10 000 Euro zur Seite gelegt. Alle Kosten zusammengenommen ist das gar nicht so viel. Auch in Berlin bist du schnell bei 5000 bis 6000 Euro. Aber man kann eine gute Bestattung auch für 2000 Euro machen. Es darf keine Frage des Geldes sein, dass ein Abschied gut wird.

2018 erschien Eric Wredes Buch „The End – Das Buch vom Tod“, in dem er seine Arbeit und seine Philosophie genauer vorstellt. Quelle: Random House/Erik Weiss

Von RND / Insa van den Berg

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