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Wissen Algorithmische Rhythmen: Die Sinfonie von der Künstlichen Intelligenz
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14:00 16.02.2019
Künstliche Intelligenz mal nicht als Schreckgespenst, sondern als Erleichterung: Wie eine KI zum kreativen Assistenten wurde. Quelle: RND/iStock
Berlin

Bevor es losgeht, muss Lucas Cantor erst noch erzählen, wie das so war, mit einer künstlichen Intelligenz (KI) zusammenzuarbeiten. Gleich wird in der Londoner Cadogan Hall eine ganz besondere Sinfonie aufgeführt. Die ersten beiden Sätze hat der Komponist Franz Schubert vor fast zweihundert Jahren geschrieben. Beendet hat er die Sinfonie in h-Moll aber nie, man nennt sie deshalb auch „Die Unvollendete“.

Cantor und eine KI haben nun einen Versuch gestartet, „Die Unvollendete“ zur „Vollendeten“ zu machen. Gemeinsam haben sie die beiden noch fehlenden Sätze komponiert. „Es war, wie einen Mitarbeiter zu haben, der niemals müde, niemals schlecht gelaunt ist, dem nie die Ideen ausgehen“, sagt Cantor.

Schach, Go oder „StarCraft II“: Was früher noch Hoheitsgebiete von Menschen waren, haben inzwischen auch KIs gemeistert – und zwar besser als die menschlichen Profis. KIs zocken aber nicht nur, sie machen auch Kunst. Im Oktober versteigerte das Auktionshaus Christie’s erstmals Werke, die von einer KI erschaffen wurden, andere KIs denken sich seltsame Filme aus oder produzieren Metal-Alben.

KI und Künstler als Kollegen

Nicht nur LKW-Fahrer und Buchhalter, sondern auch Musiker, Filmemacher oder Künstler müssen sich deshalb fragen: Wird künstliche Intelligenz uns irgendwann ersetzen? Macht der Mensch in Zukunft überhaupt noch einen Unterschied?

Ja, sagt Nick Cave. Ein Fan hatte den Musiker vor Kurzem gefragt, ob KI jemals einen guten Song schreiben könne. Caves Antwort: Wenn wir einen außergewöhnlichen Song hören, „dann hören wir eigentlich die menschliche Limitation und die Kühnheit, sie zu überschreiten“, so Cave. „Künstliche Intelligenz verfügt bei all ihrem unbegrenzten Potenzial einfach nicht über diese Fähigkeit.“

Aber vielleicht muss man KI und Künstler auch gar nicht gegeneinander ausspielen. Vielleicht können sie sogar ganz gut zusammenarbeiten. Das war zumindest die Intention hinter der Huawei-Schu­bert-Aktion: zu zeigen, was KI kann, wenn man sie mit einem kreativen Menschen zusammenbringt.

„Die Unvollendete“ weiterdenken

Den eigentlichen Schaffensprozess kann man sich dabei ungefähr so vorstellen: Die KI auf dem Smartphone (das Huawei Mate 20 Pro) wurde erst mit einigen Stücken von Schubert gefüttert. Auf diese Weise sollte die KI sozusagen die DNA von Schubert verinnerlichen, verstehen, was seine Werke ausmacht.

Anschließend erhielt die KI den Auftrag, die Sinfonie in h-Moll weiterzudenken, Melodien zu schreiben, die Schubert hätte schreiben können. Das tat sie schnell und zahlreich – mal brauchbar, mal weniger.

Cantor wählte aus dem Angebot Geeignetes aus, fügte es zusammen und arrangierte es für ein Orchester. Mit der Hilfe der KI schrieb Cantor die zwei Sätze der Sinfonie in weniger als vier Wochen fertig. Im Sinfonie-Business ist Zeitersparnis vielleicht nicht der absolut entscheidende Faktor – bei Film- und Fernsehmusik sieht das dagegen womöglich schon anders aus.

Menschlicher Dirigent: Das English Session Orchestra spielt Schuberts vollendete „Unvollendete“. Das Stück wurde mithilfe einer künstlichen Intelligenz komponiert.  Quelle: Huawei

KI könnte die ganze Plackerei einfacher machen – das ist das Ergebnis einer Studie, die das Unternehmen Adobe in Auftrag gegeben hat. Gefragt nach ihrer Meinung zu KI wurden dabei mehr als 100 Designer, Illustratoren, Motion-Designer und andere Kreative. Die meisten waren sich einig, dass Kreativität etwas fundamental Menschliches sei. Etwas, das von einer Offenheit gegenüber der Welt, Freude, Empathie und Verletzlichkeit genauso abhängig sei wie von bestimmten Fähigkeiten oder Talenten.

Angst, von Robotern ersetzt zu werden, hatten die wenigsten. Die Gefahr bestünde eher darin, dass KI dafür sorgen könnte, dass irgendwann alles gleich aussieht und die Fähigkeiten der Menschen an Wert verlieren.

Aber die Befragten sahen auch mögliche Chancen: Dass die Technologie ihnen etwa helfen könnte, ihre Arbeitsbelastung zu bewältigen, indem sie langweilige, komplexe oder sich wiederholende Prozesse optimiere. Einige der Befragten sahen sogar die Möglichkeit, eine KI als kreativen Assistenten einzusetzen. Solange der Mensch gegenüber der Technologie den Hut aufbehält, versteht sich.

„Ich wollte die KI gern auf einen Drink einladen“

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass es gerade Tech-Unternehmen wie Huawei und Adobe sind, die KI als Teamplayer promoten. Nicht als Schreckgespenst, sondern als Erleichterung, als Unterstützung, nicht Ersatz. Im Fall der vollendeten Schubert-Sinfonie blieb jedenfalls genügend Platz für den menschlichen Künstler.

In den Sätzen der KI/Cantor-Komposition ist zwar etwas Schubert drin, am stärksten erinnert das Endergebnis aber an Filmmusik. Vielleicht, weil Cantor selbst viel Film- und Fernsehmusik geschrieben hat. Hätte ein anderer Komponist mit der KI zusammengearbeitet, das Ergebnis klänge anders.

Cantor würde in Zukunft jedenfalls gerne weiter mit einer KI zusammenarbeiten. Bei seiner nächsten Arbeit, einer Sinfonie über Schelfeis, hofft er, wieder künstliche Unterstützung zu haben. Tatsächlich scheint Cantor sogar eine gewisse Verbundenheit zu seiner KI-Partnerin entwickelt zu haben: „Wenn sie Melodien erzeugte, die ich mochte und verwenden wollte, wollte ich sie gerne auf einen Drink einladen und sagen, dass sie einen guten Job macht.“ Der KI war das natürlich egal.

Von Anna Schughart

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