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Nachrichten Wissen Affen-Ammen: Goldstumpfnasen unterstützen sich beim Stillen
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14:09 24.02.2019
Die Unterstützung beim Stillen beruht bei den Goldstumpfnasen auf Gegenseitigkeit. Quelle: Zuofu Xiang
Changsha

Bei den Goldstumpfnasen-Affen wird ein Jungtier oft von mehreren Weibchen gestillt. Die weibliche Arbeitsteilung verbessert die Überlebenschancen des Nachwuchses, berichtet ein internationales Wissenschaftler-Team um Zuofu Xiang von der Central South University of Forestry and Technology in Changsha (China) im Fachmagazin „Science Advances“. Der künftige Fortpflanzungserfolg der Affen-Ammen werde hingegen nicht beeinträchtigt.

Die Produktion von Milch samt der darin enthaltenden Nährstoffe, Hormone, Vitamine oder Immunbotenstoffe ist für die Mütter ein energiezehrendes Unterfangen. Gerade wenn die Ressourcen knapp sind, drohen die mütterliche Gesundheit und womöglich der Fortpflanzungserfolg in den nächsten Jahren zu leiden, schreiben die Wissenschaftler. Vor diesem Hintergrund könne man annehmen, dass ein Weibchen zurückhaltend damit sei, fremde Jungtiere zu stillen und damit kostbare Ressourcen abzutreten.

Nur die Hälfte der jungen Affen übersteht den Winter

Dies ist aber nicht so, wie die Studie belegt. Die Wissenschaftler hatten in einem Nationalpark in Zentralchina über insgesamt fünf Jahre eine Population von Goldstumpfnasen (Rhinopithecus roxellana) beobachtet. Diese war in mehrere Gruppen aufgeteilt, in denen jeweils ein Männchen mit mehreren Weibchen und den Jungtieren zusammenlebt.

Bei diesen Affen bekommen fast alle Weibchen ihre Jungen zwischen März und Mai. Das liegt daran, dass mit Beginn des Winters im November die Bedingungen in den hochgelegenen Wäldern harsch werden: die Temperaturen können nachts auf bis zu minus 14 Grad Celsius fallen, der Boden ist schneebedeckt, Nahrung wird knapp. Deshalb gilt es, die Jungtiere während des Sommers möglichst kräftig werden zu lassen – wer schlecht gerüstet in den Winter startet, hat kaum eine Chance. Auch mit dieser Strategie ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren hoch, in harten Jahren überstehen mehr als die Hälfte der in dem Jahr geborenen Jungtiere den Winter nicht.

Ammen erhöhen die Überlebenschance

Die Forscher, die die Tiere aufgrund ihres Aussehens auseinanderhalten konnten, stellten fest, dass 40 der insgesamt 46 Neugeborenen (87 Prozent) von mehr als einem Weibchen gestillt wurden. Knapp die Hälfte davon wurde von mindestens zwei weiteren Weibchen gestillt. Die Ammen traten ihren Dienst bereits in den ersten Lebenstagen der Jungen an, im Alter von drei Monaten wurden die Jungtiere nur noch von ihren Müttern gestillt. Grundsätzlich wurden die Neugeborenen nur innerhalb der eigenen Gruppe umhergereicht, meist waren es die Großmütter oder Tanten, die als Ammen tätig wurden.

Die Gruppenpflege zahlte sich aus: Vier von sechs Jungtieren, die nur von ihrer Mutter gestillt wurden, überlebten den folgenden Winter nicht. Hingegen starben nur 6 der 40 Jungtiere, die von mehreren Weibchen Milch bekommen hatten. Die Ammen schienen keinen Nachteil von der Pflege fremden Nachwuchses zu haben: Sie bekamen genauso schnell wieder eigene Kinder wie Weibchen, die nicht fremdgestillt hatten.

Unterstützung beruht auf Gegenseitigkeit

Die Wissenschaftler stellten weiter fest, dass die Unterstützung beim Stillen auf Gegenseitigkeit beruhte: Ein Weibchen, dessen Nachwuchs von einer Verwandten gestillt wurde, stillte zu einem späteren Zeitpunkt auch deren Nachwuchs. Diese Wechselseitigkeit sowie die Verwandtschaft unter den Weibchen scheinen die maßgeblichen Triebfedern für die Entstehung der Ammentätigkeit bei den Goldstumpfnasen zu sein, folgern die Forscher.

Sie nehmen an, dass die Tiere auf diese Weise versuchen, möglichst viele Jungtiere möglichst schnell groß werden zu lassen. Wenn die Tiere bis zum Spätsommer und Herbst eine ausreichende Reife erreicht haben, können sie noch von Blättern und reifen Früchten profitieren, die dann zur Verfügung stehen. Mit etwa vier Monaten nehmen die Jungtiere erste feste Nahrung zu sich. Für die Mütter könne sich das Fremdstillen auszahlen, weil häufiges Stillen zumindest bei vielen anderen Tierarten die Milchproduktion anregt – davon könnte dann auch der eigene Nachwuchs profitieren.

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Von RND/dpa

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