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Wissen 113 Millionen Menschen litten im vergangenen Jahr an Hunger
Nachrichten Wissen 113 Millionen Menschen litten im vergangenen Jahr an Hunger
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15:56 02.04.2019
Männer verteilen in Jemen Lebensmittel des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Quelle: Hammadi Issa/AP/dpa
Brüssel

Mehr als 113 Millionen Menschen haben einem Bericht zufolge 2018 Hunger infolge akuter Krisen gelitten. Die schlimmsten Krisen ereigneten sich im Jemen, der Demokratischen Republik Kongo und Afghanistan, wie es in der am Dienstag in Brüssel vorgestellten Studie hieß, die unter anderen vom Welternährungsprogramm (WFP) und der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) erstellt wurde. Dahinter folgten Äthiopien, Syrien, Sudan und Südsudan sowie das nördliche Nigeria.

Gegenüber 2017 mit 124 Millionen Hungernden gab es eine geringe Verbesserung. Diese ging nach Meinung der Autoren vor allem auf schwankende Auswirkungen des Klimawandels zurück. Demnach sorgten Dürren, Überflutungen, unberechenbare Niederschläge und Temperaturanstieg 2017 für noch extremere Folgen als 2018. Auch im vergangenen Jahr blieben Klimawandel und Naturkatastrophen allerdings die zweitwichtigste Ursache für Nahrungsmittelkrisen. Deren Hauptursache seien auch 2018 wieder Konflikte und Unsicherheit gewesen, schreiben die Autoren. Darüber hinaus hätten für über zehn Millionen Menschen wirtschaftliche Talfahrten zu akuter Nahrungsmittelunsicherheit geführt.

Große Anzahl unterernährter Kinder

Besorgnis erregend bleiben die hohen Zahlen unterernährter Kinder. Im Jemen beispielsweise hätten Angriffe und ausstehende Gehälter zur Schließung von mehr als der Hälfte der medizinischen Einrichtungen geführt. Die meisten der 500.000 akut unterernährten Kinder könnten dort deshalb nicht mehr behandelt werden.

Vor diesem Hintergrund erinnerte UN-Generalsekretär António Guterres an eine Resolution des UN-Sicherheitsrates vom vergangenen Jahr, die das Aushungern als Kriegswaffe verurteilt. „Wir wollen uns alle engagieren, Gesellschaften ohne Hunger und eine friedliche Welt aufzubauen“, sagte Guterres in einer Videobotschaft an die Brüsseler Konferenz.

Verfügbare Nahrung übersteigt Bedürfnisse der Menschheit

Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman wies auf den Zusammenhang von Regierungsführung und Hunger hin. Immer wieder hätten tyrannische Regime die Menschen vor eine vermeintliche Wahl zwischen Demokratie und Stabilität gestellt, auch in ihrem eigenen Land, sagte die junge Frau aus dem Jemen, die 2011 wegen ihres gewaltlosen Kampfs für Frauenrechte mit dem Nobelpreis geehrt wurde. „Aber wir sagen, dass Demokratie, Stabilität und Nahrungsmittelsicherheit eng verbunden sind.“

Nicolas Bricas vom französischen Forschungsinstitut CIRAD wies auf ein Paradox hin. Die weltweit verfügbare Menge an Nahrung übersteige heute bei weitem die Bedürfnisse der Menschheit. Zugleich sei die Zahl der unterernährten Menschen zwar eine Zeit lang kontinuierlich zurückgegangen. Diese Entwicklung könne jedoch wieder umschlagen.

„Hunger bekämpft man nicht mit Nahrung, sondern politischem Willen“

An Maßnahmen gegen den Hunger nennt der Report zuallererst das Beenden von Konflikten. Außerdem sollten Frauen mehr Macht erhalten, Kinder unterrichtet, die ländliche Infrastruktur verbessert und soziale Netze verstärkt werden. Auch moderne Technologie spiele eine Rolle, heißt es in dem Bericht. FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva sagte: „Hunger ist nicht etwas, was man nur mit Nahrung bekämpft. Das Grundlegende, um Hunger zu bekämpfen, ist der politische Wille, den Hunger auszurotten.“

Der Bericht, der vom Nahrungsmittelsicherheits-Informations-Netzwerk (FSIN) koordiniert wurde und zu dem auch die EU beitrug, ergänzt den Welternährungsbericht, der für 2017 etwa 821 Millionen unterernährte Menschen in der Welt ausmachte. Letzterer beziehe sich vor allem auf die chronische Nahrungsmittelknappheit weltweit, heißt es in dem aktuellen Bericht. Dieser fokussiere sich dagegen auf die Betroffenen der schlimmsten Krisen. 13 Länder konnten in der Studie wegen fehlender Daten nicht berücksichtigt werden, darunter Nordkorea, Eritrea und Venezuela.

Von RND/epd

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