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Wirtschaft VWN-Chef: „Die E-Mobilität wird kommen“
Nachrichten Wirtschaft VWN-Chef: „Die E-Mobilität wird kommen“
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16:33 29.03.2019
MOTIVIERT: Thomas Sedran, Vorstandschef der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge, will den Elektro-Bulli ID Buzz zum Bestseller machen. Quelle: dpa
HANNOVER

Thomas Sedran, Chef von VW Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover, erklärt im Interview, warum er an den Erfolg der Elektromobilität glaubt.

Die vergangenen Jahre liefen für VWN wirtschaftlich sehr gut. Geht das in Zukunft auch so weiter?

Wir haben die zwei erfolgreichsten Geschäftsjahre der Unternehmensgeschichte hinter uns, getrieben durch ein sehr starkes Produktportfolio. Allerdings werden die Emissionsvorschriften in den kommenden Jahren deutlich straffer, verbunden mit drastischen möglichen Strafzahlungen. Deswegen wird es für uns 2020 und 2021 wirtschaftlich schwieriger, weil wir dann noch nicht so viele E-Fahrzeuge im Markt haben. VWN wird aber keine Strafzahlungen leisten, wir kaufen konzernintern CO2-Credits bei unseren Kollegen in Wolfsburg. Ich rechne mit dreistelligen Millionenbeträgen pro Jahr. Das ändert sich dann ab 2022, wenn der ID Buzz kommt.

Wenn der Kunde den kauft.

Da bin ich völlig entspannt. Das Auto ist von der Funktionalität und vom Sexappeal sehr stark. Außerdem wird bis zum Marktstart 2022 die Lade-Infrastruktur besser ausgebaut sein, und viele Menschen haben dann schon Erfahrungen mit E-Mobilität gemacht. Der ID Buzz ist 40 Zentimeter kürzer als der T6, bietet aber das selbe Platzangebot – damit kommt man in fast jede Parklücke.

Der VWN-Standort Hannover soll Leitwerk für Elektromobilität werden. Gibt es einen Plan B, wenn die E-Mobilität sich nicht in dem Maß durchsetzt?

Niemand kann heute mit absoluter Gewissheit sagen, wann genau und in welchem Umfang E-Mobilität von den Kunden angenommen wird. Aber ich bin sicher: E-Mobilität wird kommen. Wir können die international vereinbarten Klimaschutzziele nicht ohne alternative Antriebe erreichen. Laut allen Analysen, die ich kenne, ist aus heutiger Sicht der Batterieantrieb das Sinnvollste für viele Fahrzeuggrößen und Varianten. In unserem Portfolio gibt es allerdings auch Fahrzeuge und Anforderungen, bei denen E-Mobilität aus heutiger Sicht nicht optimal ist. Für Transportfahrten auf langer Strecke ist der Diesel nach wie vor erste Wahl. Deswegen müssen wir auch weiterhin andere Antriebsarten einsetzen.

Der T7 wird nicht als vollelektrisches Modell auf den Markt kommen, obwohl das fest vereinbart war. Was lief da schief?

Ich hätte den T7 als elektrische Variante gern hier in Hannover gehabt. Der Konzernvorstand hat das aus verschiedenen Gründen anders entschieden.. Allerdings wurde die Entscheidung über den Bau des T7 getroffen, als vom ID Buzz noch nicht so konkret die Rede war. Vom elektrifizierten T7 hätten wir im Schnitt etwa 10 000 Stück im Jahr gebaut, beim ID Buzz rechnen wir mit einem Volumen von bis zu 100 000 Einheiten. Es ist vernünftig, die Ressourcen dementsprechend zu priorisieren. Ich setzte jetzt alle Kraft daran, dass wir den ID Buzz zu einem echten Bestseller machen.

Hat es da gekracht zwischen Ihnen und VW-Konzernvorstand Herbert Diess? Ihr Vorgänger Eckhard Scholz ging ja wohl, weil ihm die Leine aus Wolfsburg zu kurz wurde.

Zwischen Herrn Diess und mir gibt es ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis. Das kann man auch daran sehen, dass wir in Hannover mit der konzernweiten Entwicklung des autonomen Fahrens betraut worden sind – dabei geht es um ein dreistelliges Millionenbudget im Jahr. Natürlich wird in der Planungsrunde hart verhandelt. Aber Jammern gilt nicht: Man muss für seine Ziele kämpfen – und am Ende gemeinsam zu einer guten Lösung kommen.

Mit Ford wird aktuell über die geplante Kooperation verhandelt, das nächste gemeinsame Produkt soll der Transporter werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Aktuell betrachten wir verschiedene Szenarien, was die Erwartungen der beiden Partner an das Fahrzeug sind: Was muss der Wagen können, was brauchen wir, was brauchen unsere Kunden. Das Wichtigste ist aber: Beide Gesprächspartner wollen, dass es funktioniert, weil es ohne die Kooperation viel schwieriger und teurer wäre, die technologischen Herausforderungen zu meistern und wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen.

Bei VWN ist mittlerweile auch die Verantwortung für den Fahrdienst Moia angesiedelt. Wie will man damit Geld verdient?

In Hannover sind wir seit zehn Monaten auf den Straßen unterwegs und haben hier 70 000 Kunden. In zwei Wochen starten wir in Hamburg mit zunächst 100 vollelektrische Shuttle-Busse auf Crafter-Basis, bis Ende des Jahres sollen es 500 werden. Damit ein solcher Dienst nennenswert Umsätze und Gewinn erwirtschaftet, braucht es eine andere Größe und deutlich mehr Kunden. Richtig spannend wird es, wenn wir einen Dienst wie Moia irgendwann ohne Fahrer anbieten können – mit voll autonomen Robo-Taxis.

Wann kommt das gewinnbringende Robo-Taxi?

Das ist auch abhängig vom Gesetzgeber. Technisch möglich wäre das vermutlich in zwei bis drei Jahren. In der Zwischenzeit sammeln wir so viele Informationen wie möglich, um zu verstehen, was die Kunden wollen, was sie brauchen, und wie das in unsere Abläufe passt. Daraus können wir Schlüsse ziehen, die wir für den Betrieb von automatisierten Fahrzeugen brauchen. Richtig gut funktioniert Moia übrigens heute schon für Menschen, die am Wochenende auf ihr Auto verzichten wollen. Für den Weg ins Kino, ins Restaurant, in den Club. Von Donnerstag, 17 Uhr, bis Sonntagmorgen, 3 Uhr, sind die Moia-Busse gut gefüllt.

Von Inken Hägermann

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