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Wirtschaft Bahlsen: „Ein Choco-Leibniz geht immer“
Nachrichten Wirtschaft Bahlsen: „Ein Choco-Leibniz geht immer“
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07:00 13.04.2019
KÖNIG DER KEKSE: Werner M. Bahlsen feiert seinen 70. Geburtstag. Jahrzehntelang führte er das Unternehmen Bahlsen an, vor knapp einem Jahr hat er sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Im Hintergrund sprechen er und seine Kinder gleichberechtigt über die langfristige Ausrichtung der Firma. Bahlsen hat zwei Söhne und zwei Töchter. Quelle: Foto: dpa
HANNOVER

Er ist der König der Kekse: Werner M. Bahlsen führte jahrzehntelang den Bahlsen-Konzern an, im vergangenen Jahr zog er sich aus der operativen Leitung des Unternehmens zurück. am Sonnabend feiert er seinen 70. Geburtstag. Die NP sprach mit ihm über Glück und Respekt.

Herr Bahlsen, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 70. Geburtstag. Wenn Sie zurückblicken: Was waren die schönsten privaten und beruflichen Erfolge in Ihrem Leben?

Vielen Dank! Die schönsten privaten Erfolge? Eine glückliche Familie mit Kindern, die ihre eigenen Wege gehen. Darauf bin ich stolz. In beruflichem Kontext war sicher das 125-jährige Jubiläum ein überwältigender Moment. Als wir als Familie bestätigt haben, dass wir ein Familienunternehmen bleiben, standen plötzlich alle mehr als 2000 Mitarbeiter auf. Das war schon sehr emotional und hat auch viele Gespräche innerhalb unserer Familie ausgelöst. Uns wurde bewusst, wie wichtig diese Entscheidung offensichtlich für die Mitarbeiter ist. Und wir haben daran gearbeitet, The Bahlsen Family zukunftsfähig zu machen. Wir haben das Unternehmen auf eine solide Basis gestellt, wertebasiert und finanziell. Das macht mich momentan sehr zufrieden.

Was wünschen Sie sich jetzt vom Leben – oder sind Sie wunschlos glücklich?

Wie langweilig wäre es, wenn man keine Pläne oder Wünsche mehr hat? Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben. Zum einen für Privates wie Familie, Freunde und Hobbys, aber auch, um mich mehr um unsere jüngsten „Familienmitglieder“ Rawbite, Hermann’s und Kitchen Town zu kümmern: Drei Start-ups, die wir in den letzten zweieinhalb Jahren gekauft und gegründet haben. Und da haben wir noch einiges vor.

Sie tragen einen prominenten Namen – war das immer eine Freude oder auch mal eine Last?

Es kann lästig sein, weil man leicht in eine „Schublade“ gesteckt wird. Aber ein bekannter Namen öffnet oft auch Türen. Wir hatten natürlich auch nicht immer leichte Zeiten, aber das hat uns nur gestärkt.

„Ich bin ja immer schon sehr neugierig gewesen.“

Sie haben sich vergangenes Jahr aus der operativen Leitung Ihres Unternehmens zurückgezogen. Wie genießen Sie Ihren „Unruhestand“?

Ich bin ja immer schon sehr neugierig gewesen. Daher kümmere ich mich auch seit letztem Jahr noch intensiver um unsere Start Ups. Gerade mit Kitchen Town blicken wir einer spannenden Zeit entgegen. Wir unterstützen damit andere Start-ups in ihrer Entwicklung, indem wir die notwendigen Einrichtungen und das Know-how bereitstellen. Damit heben wir ihr Geschäft sozusagen auf die nächste Stufe. Wenn jemand einen tollen, neuen Snack entwickelt hat, bisher aber immer nur in seiner Küche getüftelt hat, weiß der- oder diejenige oftmals nicht, ob und wie das industriell funktioniert und was die nächsten Schritte überhaupt sein können. Und da kommen wir mit Kitchen Town ins Spiel. Die Eröffnung in Berlin-Mitte ist für dieses Jahr geplant. Das bringt mir einfach viel Spaß.

Sie sind mit Süßgebäck aufgewachsen – essen Sie eigentlich selbst noch gerne Kekse und/oder Süßes?

Ja, zu gern und gelegentlich auch zu oft.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt im Sortiment?

Ein Lieblingsprodukt habe ich eigentlich nicht. Aber sagen wir so: Ein Choco-Leibniz geht immer.

Ihre Tochter Verena hat vor kurzem in einem Interview über Sie gesagt: Er nimmt mich ernst. Macht das Kompliment Sie stolz?

Nein, mich macht meine Tochter stolz. Verena beschäftigt sich bei Hermann’s mit Innovationen und der Zukunft der Lebensmittelbranche. Sie denken über klimafreundlichere und gesündere Alternativen nach, von denen ich noch nie gehört habe und die ich mir auch erstmal nicht als Lebensmittel vorstellen konnte. Das finde ich stark. Aber meine Kinder ernst zu nehmen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

Oft steht in einem Familienunternehmen die ältere Generation den Ideen der jüngeren Generation nicht so offen gegenüber. Warum ist das wichtig für Sie?

Was ich meinen Kindern mitgeben kann, sind bestimmte Werte und was es heißt, unternehmerische Verantwortung zu tragen. Darüber hinaus kann ich nicht erwarten, dass sie immer meiner Meinung sind. Sie müssen ihren eigenen Weg gehen. Und ich bin einfach neugierig darauf, was sie bewegt und wie sie die Welt sehen. Gerade in dieser sich rasant entwickelnden Zeit können beide Generationen voneinander lernen.

Von Inken Hägermann