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Wirtschaft Verbraucherzentrale warnt vor teurer Altersvorsorge
Nachrichten Wirtschaft Verbraucherzentrale warnt vor teurer Altersvorsorge
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00:18 01.07.2018
SPAREN LEICHT GEMACHT. Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, weiß, wie wichtig unabhängige Beratung beim Thema private Altersvorsorge ist – Verbraucher könnten damit zehntausende Euro sparen.
SPAREN LEICHT GEMACHT. Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, weiß, wie wichtig unabhängige Beratung beim Thema private Altersvorsorge ist – Verbraucher könnten damit zehntausende Euro sparen. Quelle: Foto: Wallmüller
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Petra Kristandt ist besorgt: „Vor allem jüngere Leute sind beim Thema Altersvorsorge teilweise völlig ahnungslos“, sagte die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Dabei könnten „gerade bei der Immobilienfinanzierung und Vorsorge für das Rentenalter Fehlentscheidungen zu einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden führen“, erklärte sie. Schnell könnten da mal mehrere tausend zu viel gezahlte Euro zusammenkommen.

Der Beratungsbedarf ist weiterhin vorhanden: Im vergangenen Jahr fanden 15 Prozent aller Beratungen zu den Themen Finanzen und Altersvorsorge statt (2016: knapp 13 Prozent). An einem Fallbeispiel erklärt Kristandt, welche Auswirkungen drohen können, wenn man sich nicht von unabhängiger Seite beraten lässt: Ein Verbraucher hatte einen Immobilienkredit von 225 000 Euro aufgenommen, die Baufinanzierung von 850 Euro monatlich sollte bis zum 67. Lebensjahr laufen. Parallel zahlte der 35-Jährige 150 Euro monatlich für eine private Altersvorsorge – wie es von Versicherern und Politik auch empfohlen wird.

Fast 33.000 Euro Zinsen weniger

Bei der unabhängigen Beratung allerdings kam heraus: Für diesen Verbraucher ist es viel sinnvoller, erst den Immobilienkredit komplett abzuzahlen – und anschließend eine private Altersvorsorge abzuschließen. Zahlt er mit monatlich 1000 Euro den Kredit ab, wäre er mit 59 Jahren schuldenfrei und hätte 64 500 Euro Zinsen gezahlt – fast 33 000 Euro Zinsen weniger als im Ur­sprungsmodell. Gibt er an­schließend die ganzen 1000 Euro in die private Altersvorsorge, bekommt er rund 313 Euro ausgezahlt – statt 184 Euro bei dem langfristigen Altersvorsorge-Modell.

Kristandt sieht hier vor allem ein Versagen der Politik: Das Thema Altersvorsorge sei extrem komplex, der Verbraucher werde damit allein gelassen. Seit Jahren fordere die Verbraucherzentrale schon von der Bundesregierung die Einführung eines „einfachen Non-Profit-Altersvorsorgeproduktes“, dem die Bürger vertrauen könnten. Die VZN rate dringend zur Beratung im eigenen Haus oder bei einem unabhängigen Experten.

Neben der Altersvorsorge treiben unlautere Geschäftspraktiken, falsche Rechnungen und Fragen zum Internet sowie zu Telefontarifen die Verbraucher um. Insgesamt hätten im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Menschen die VZN-Internetseite besucht. Mehr als 76 000 Bürger wurden persönlich, telefonisch oder online beraten.

Von inken hägermann