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Wirtschaft Tuifly will Kunden keine Entschädigung zahlen
Nachrichten Wirtschaft Tuifly will Kunden keine Entschädigung zahlen
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16:19 06.10.2016
Tuifly muss wegen kurzfristiger Krankmeldungen von Mitarbeitern immer mehr Flüge annullieren. Quelle: dpa
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Hannover

Bei den Verspätungen und Ausfällen der Tuifly durch Crew-Engpässe beruft sich der Tui-Konzern auf höhere Gewalt. „Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht“, teilte die Tui Deutschland am Donnerstag in Hannover mit. Die Sprecherin betonte: „Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt.“ Aus diesem Grund hätten auch die betroffenen Reise- und Luftbeförderungsverträge gekündigt werden müssen.

Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover widersprach der Fluggesellschaft. „Interne Probleme wie bei Tuifly und Air Berlin sind keine außergewöhnlichen Umstände oder höhere Gewalt“, erklärte der Fachmann. Nur in solchen Fällen wäre eine Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht befreit. Sonst müssten Flugpassagiere es nicht hinnehmen, wenn es aufgrund von Engpässen bei der Crew zu Annullierungen und starken Verspätungen kommt. In solchen Fällen stehe ihnen nach EU-Recht eine Ausgleichszahlung zu, erklärte Degott.

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Tuifly muss 47 Flüge ersatzlos streichen

Die Fluggesellschaft muss wegen kurzfristiger Krankmeldungen von Mitarbeitern immer mehr Flüge annullieren. Am Donnerstag würden 47 von 110 Flügen ersatzlos gestrichen, teilte Tuifly mit. 63 Flüge könnten „voraussichtlich“ stattfinden, auch weil das Unternehmen 18 Flugzeuge anderer Airlines anmietete. Kooperationspartner Airberlin kündigte Sondereinsätze des eigenen Personals an, um die Auswirkungen der Probleme bei Tuifly zu bekämpfen.

Bei der in Hannover ansässigen Fluggesellschaft hatten schon am Montag und Dienstag viele „kurzfristige Krankmeldungen“ des Cockpit- und Kabinenpersonals für zahlreiche Verspätungen gesorgt. Am Mittwoch wurden rund ein Viertel der geplanten Flüge gestrichen. Hintergrund vieler Krankmeldungen sind offenbar Sorgen der Mitarbeiter um ihre Zukunft wegen des geplanten Zusammenschlusses von Tuifly mit Teilen von Airberlin.

Tuifly-Kunden müssen sich selbst informieren

Ihre Kunden rief die Fluggesellschaft am Donnerstag auf, den aktuellen Status ihres Flugs auf der Seite tuifly.com nachzuschauen. Außerdem stehe die Servicehotline 0800-9006090 zur Verfügung. Die „extrem kurzfristigen Krankmeldungen“ machten es der Airline unmöglich, alle betroffenen Kunden frühzeitig zu informieren und ihnen alternative Reisemöglichkeiten anzubieten, erklärte das Unternehmen.

Am Mittwoch war offiziell bekannt geworden, dass die Touristiksparte von Airberlin mit Tuifly zusammengelegt werden soll. Darüber wurde bereits seit der vergangenen Woche spekuliert; die Beschäftigten wurden aber nicht informiert. Am Mittwoch bestätigten die Tuifly-Mutter TUI sowie Airberlin und deren Großaktionär Etihad die Pläne. Tuifly teilte dazu mit, den Mitarbeitern seien „Zugeständnisse“ gemacht worden. Unter anderem sollten die bestehenden Tarifverträge von dem geplanten Zusammengehen „unberührt bleiben“.

Von dpa/afp/RND