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Wirtschaft Continental kassiert Prognose – Aktie rutscht drastisch ab
Nachrichten Wirtschaft Continental kassiert Prognose – Aktie rutscht drastisch ab
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16:29 22.08.2018
Reifen des Automobilzulieferers und Reifenherstellers Continental AG. Quelle: dpa
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Hannover

Continental kappt schon zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose und verschreckt damit die Aktionäre. Der hannoversche Autozulieferer erklärte am Mittwoch, dass er wegen schwächerer Nachfrage und höherer Kosten weniger Umsatz und Gewinn erwartet als zuvor. Der Aktienkurs brach daraufhin ein, zwischenzeitlich verlor das Papier mehr als 13 Prozent. Analysten schraubten ihre Kursziele nach unten.

Laut der neuen Prognose dürfte der Konzernumsatz 2018 bei rund 46 Milliarden Euro vor Währungseffekten liegen, nicht mehr wie vorher angekündigt bei 47 Milliarden. Diese Faktoren eingerechnet, korrigierte Conti die Prognose von 46 auf 45 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) wird nun bei über 9 Prozent des Umsatzes erwartet. Bisher lautete die Prognose mehr als 10 Prozent. Trotz allem wollen die Hannoveraner 2018 weiter schneller wachsen als der Markt. Der Umsatz soll im Vergleich zu 2017 um mehr als 4 Prozent zulegen.

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Conti korrigiert seinen Ausblick innerhalb weniger Monate schon zum zweiten Mal. Erst im April hatte der Konzern die Prognose zum Ertrag für das erste Halbjahr um 150 Millionen Euro gekappt. Dabei führte er Wechselkurse und Bestandsbewertungen als Gründe an.

Weniger Nachfrage auch nach Reifen

Nun hat Continental auch seinen Umsatzausblick gesenkt. Als Gründe dafür wurden zwei Entwicklungen genannt. Zum Einen liege das Erstausrüstungs-Geschäft in der Autozuliefersparte in China und Europa unter den Erwartungen. Zum Anderen laufe das Geschäft mit Reifen schwächer als gedacht. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer machte in einer Telefonkonferenz mit Analysten klar, dass Conti hier lieber auf Volumen verzichtet als seine Preise zu senken.

Außerdem hat Conti mit höheren Kosten zu kämpfen. Unter anderem gibt es Probleme beim Hochfahren der Produktion von neuen Hybrid-Antriebs-Systemen. Zusätzlich stiegen die Entwicklungskosten im Zuliefergeschäft wegen des hohen Auftragseingangs. Neben geringeren Umsatzerwartungen und höheren Kosten nannte Continental als Begründung auch Gewährleistungsfälle. Dabei geht es nach Angaben eines Sprechers um Altfälle aus der Zeit vor der Übernahme von Siemens VDO, die das Ergebnis mit rund 150 Millionen Euro belasteten. Details dazu wurden nicht genannt.

Analyst: Reaktion an Börse übertrieben

Der Analyst Frank Schwope von der Nord/LB bezeichnete Contis erneute Prognosekorrektur am Mittwoch als „sehr unangenehm, aber nicht so dramatisch, wie sie von der Börse gespiegelt wird“. Der starke Kursrückgang hänge möglicherweise auch mit der Unsicherheit über die anstehende Umstrukturierung zusammen. Er könne sich aber eine Erholung in den nächsten Tagen vorstellen. Grundsätzlich sei Conti mit seiner geringen Verschuldung gut aufgestellt für weitere Übernahmen und Investitionen in Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Elektrifizierung.

Mitte Juli hatte Continental den größten Konzernumbau seiner Geschichte beschlossen. Das Unternehmen soll künftig als Holding mit den drei Säulen Reifen, Zulieferergeschäft und Antriebssparte geführt werden. Letztere soll 2019 abgespalten werden.

Von Thomas Strünkelnberg und Christian Wölbert