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Nachrichten Wirtschaft Forscher wollen wieder mehr Förderung für Solaranlagen
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16:05 13.09.2019
Erlebt die Solarenergie ein Comeback? Quelle: Sven Hoppe/dpa

Schon in wenigen Jahren droht eine Stromlücke. Unter den erneuerbaren Energien kann nur die Photovoltaik den möglichen Versorgungsengpass schließen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmens EuPD Research, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Bereits beschlossen ist, dass Ende 2022 die letzten Atomkraftwerke stillgelegt werden. Ferner hat eine Regierungskommission vorgeschlagen, bis 2038 sukzessive aus der Produktion elektrischer Energie aus Stein- und Braunkohle auszusteigen. Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme deckten die drei Erzeugungsarten im ersten Halbjahr 2019 noch knapp 43 Prozent des Stroms ab, der in öffentliche Netze eingespeist wurde.

Die Autoren der EuPD-Studie haben nun hochgerechnet, dass sich die Kapazitäten dieser Kraftwerke von gut 50 Gigawatt im Jahr 2018 bis 2025 mehr als halbieren werden. Dabei werden bei den Kohlekraftwerken einerseits bereits geplante Stilllegungen berücksichtigt. Zudem wird davon ausgegangen, dass die Betriebsdauer der Anlagen auf maximal 40 Jahre begrenzt wird. Dieser Rückgang treffe zugleich „auf einen zukünftig steigenden Strombedarf“, heißt es in der Studie, die von einer Reihe von Solarunternehmen und von Firmen aus der Speicherbranche unterstützt wurde.

Stromverbrauch könnte deutlich steigen

In den Berechnungen wird davon ausgegangen, dass 2025 bereits 2,7 Millionen Elektrofahrzeuge auf den hiesigen Straßen unterwegs sein werden – was eine Steigerung des jährlichen Strombedarfs um neun Terawattstunden (TWh) nach sich ziehe. Nach den Hochrechnungen sollen es 2040 sogar 70 Terawattstunden mehr sein – es wird dabei unterstellt, dass dann mehr als 22 Millionen E-Autos zugelassen sind.

Eine noch größere Steigerung der Nachfrage nach Elektrizität erwarten die Autoren aus dem Bereich „Power to X“. Gemeint ist damit die Umwandlung von regenerativem Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff und/oder in synthetisches Gas, das unter anderem für industrielle Prozesse und für die Wärmeerzeugung eingesetzt werden soll. Ferner kann das Gas in unterirdischen Kavernen für viele Monate gespeichert werden, um es in Zeiten mit wenig Sonne und Wind zur Stromerzeugung in Gaskraftwerken einzusetzen. „Bis zum Jahr 2025 wird der Anstieg des Strombedarfs in der Elektrolyse auf 14 TWh beziffert“, heißt es in der Studie. Die EuPD-Experten gehen davon aus, dass der gesamt Nettoverbrauch hierzulande von 530 Terawattstunden (2018) auf 572 Terawattstunden im Jahr 2025 und auf 657 Terawattstunden fünf Jahre später steigen wird.

Solaranlagen haben weniger Gegner

Die Bonner Marktforscher kommen in ihren Szenarien zu dem Ergebnis, dass die „sich abzeichnende Stromlücke“ nur mit einer „Verdreifachung der Photovoltaikleistung bis 2030“ geschlossen werden könnte. Derzeit kommen die Solaranlagen hierzulande auf eine Gesamtkapazität von 48 Gigawatt. Gefordert wird eine Aufstockung auf 162 Gigawatt.

Das Plädoyer für den Solarstrom wird damit begründet, dass derzeit unter den Erneuerbaren keine andere Technologie zur Verfügung stehe, die „kurzfristig in größerer Menge“ zugebaut werden könne. Die Hürden langjähriger Genehmigungsverfahren wie bei der Windenergie würden bei Solaranlagen in der Regel nicht bestehen. Der Ausbau mit modernen Windmühlen an Land ist in diesem Jahr massiv eingebrochen, weil für eine große Zahl von geplanten Projekten die Genehmigungen ausstehen. Zudem laufen gegen viele Projekte Klageverfahren. Bei Windkraft auf hoher See sind die Planungszeiten extrem lang – sie liegen vielfach bei zehn Jahren oder mehr.

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Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Solarwirtschaft, fordert denn auch, dass die Ausbauziele für Photovoltaik „schnell angehoben werden“. Gemeinsam mit anderen erneuerbaren Energien sowie deutlich größeren Speicherkapazitäten könne der Solarenergieausbau „die Versorgungssicherheit klimafreundlich sicherstellen“, sagte Körnig dem RND. Er appelliert an die Bundesregierung, in der Sitzung des Klimakabinetts am nächsten Donnerstag „entsprechende Beschlüsse“ zu fassen.

Wie groß ist das Risiko überhaupt?

Und er macht sich zudem dafür stark, den sogenannten Solardachdeckel zu streichen. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist festgelegt, dass die Förderung neuer Solaranlagen mit garantierten Vergütungen für das Einspeisen des Stroms in die Netze beim Erreichen einer Gesamtleistung von 52 Gigawatt eingestellt werden soll. Körnig rechnet damit, dass diese Schwelle schon im nächsten Jahr erreicht wird. In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Appelle aus der Branche des Erneuerbaren, den Deckel abzuschaffen.

Markus Hoehner, EuPD-Geschäftsführer, verweist darauf, dass Solaranlagen im Massenmarkt verfügbar seien, dass es hierzulande umfangreiche Erfahrungen mit dieser Technik gebe und dass die Photovoltaik aber erst eine „geringe Sättigungsquote“ aufweise.

Über eine mögliche Stromlücke nach 2022 wird seit Jahren diskutiert. Zahlreiche Studien wurden erstellt. Vielfach wird davon ausgegangen, dass kurzfristige Engpässe vor allem mit zusätzlichem Strom aus Kraftwerken behoben werden können, die fossiles Erdgas verbrennen. Möglich ist unter anderem auch, Stromimporte aus umliegenden Ländern zu steigern. Generell wird davon ausgegangen, dass die Gefahr von Versorgungslücken mit dem zunehmenden Ausbau der Erneuerbaren immer stärker gebannt wird. Experten fordern unter anderem aber auch, dass der Energiebedarf insgesamt massiv reduziert werden müsse – beim Heizen etwa durch die Dämmung von Gebäuden.

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