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Wirtschaft DGB fordert Umlagefür Ausbildungsplätze
Nachrichten Wirtschaft DGB fordert Umlagefür Ausbildungsplätze
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19:34 02.11.2017
FORDERT TATEN: Hartmut Tölle, DGB (rechts).
FORDERT TATEN: Hartmut Tölle, DGB (rechts).
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HANNOVER

Ende September noch fast 2400 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz oder „Überbrückungsmaßnahme“, mehr als 8000 müssen etwas anderes tun, als sie gerne gemacht hätten – macht zusammen mehr als 10 000 „Suchende ohne Ausbildungsplatz“ in Niedersachsen. Dem stehen laut Bundesagentur für Arbeit nicht einmal 3100 gemeldete offene Plätze gegenüber. Damit gibt es unterm Strich eine „Lücke“ von knapp 7300 zwischen Angebot und Nachfrage, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen festgestellt und sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt angeschaut, sie analysiert und – da die Mängel nicht zum ersten Mal auftreten – Forderungen an die Politik, die Wirtschaft und unsere Gesellschaft abgeleitet.

Die Kernpunkte präsentierte Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen, am Donnerstag in Hannover: Jede Branche soll ein Ausbildungsplatzumlage einführen und einen Fonds dafür bereitstellen. Es soll so etwas wie eine gesellschaftliche Ausbildungsplatzgarantie geben. Und Jugendliche, die bisher nach der Schule quasi ohne Lehrstelle oder Besuch einer weiterführenden Schule im Nirgendwo landen, sollen eine geförderte Ausbildungsvorbereitung erhalten. Erfolglose Bewerber, die wegen „der Marktlage“ (also nicht wegen ihres Bildungsstandes oder ihrer Qualifikation) keine Stelle finden, sollen künftig ein erstes Ausbildungsjahr in einer Berufsfachschule absolvieren, um danach auf eine „richtige“ Ausbildungsstelle zu wechseln.

Tölle kritisiert, das sich „die Arbeitgeber an die Bestenauslese nach dem Papier“ gewöhnt hätten, schwächeren Bewerbern kaum eine Chance böten. Besonders für Suchende mit Hauptschulabschluss sei es schwierig: Von den auf den IHK-Stellenbörsen angebotenen Ausbildungsplätzen seien fast 61 Prozent als nicht für solche Menschen geeignet ausgeschrieben. Dabei gebe es in der Praxis längst nicht mehr nur die drei traditionellen Abschlüsse von Haupt-, Realschule und Gymnasium, seien längst weitere Stufen hinzugekommen. Und schließlich sei es so, dass „die Anforderungen an einen Mechatroniker heute gleichwertig sind wie die für ein Bachelor-Studium“. Heißt: Überall seien die Anforderungen gestiegen.

Die geforderte Umlage würde aus DGB-Sicht helfen, dass mehr Firmen in der Branche ausbilden – dass das funktioniere „zeigt die Bauwirtschaft seit 30 Jahren!“ Überhaupt müsse das ganze System reformiert werden: „Das Duale Ausbildungssystem, wie es derzeit ist, ist nicht überlebensfähig“, erklärte Tölle.

Von Ralph Hübner