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Promis Würden Sie gern zum Mars fliegen?
Nachrichten Promis Würden Sie gern zum Mars fliegen?
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19:59 04.09.2015
Am 26. August 1978 flog Sigmung Jähn als erster Deutscher ins Weltall – als Teilnehmer des Interkosmos-Programms der Sowjetunion. Quelle: imago

Herr Jähn, was haben Sie gefühlt, als Alexander Gerst am 28. Mai 2014 zur Internationalen Raumstation ISS gestartet ist?
Ich habe natürlich mitgefiebert und hatte das Privileg, als Gast des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt den Start des Raumschiffs im kasachischen Baikonur zu erleben. Da war man dem Thema Raumfahrt natürlich wieder ganz nahe, 36 Jahre nach meiner eigenen Mission. Wer einmal infiziert ist, den lässt das nicht mehr los.

Welche Tipps haben Sie denn Herrn Gerst für seinen Flug ins All mit auf den Weg gegeben?
Keine. Wir haben uns lange vor seinem Start miteinander unterhalten, aber dabei lag es mir fern, ihm Tipps zu geben. Alexander hat eine sehr komplizierte Ausbildung erfolgreich durchlaufen und war für seine Mission perfekt vorbereitet und super geeignet. Da brauchte er keine Ratschläge von jemandem, dessen Erfahrungen doch recht weit zurückliegen.

Wie hat sich die Raumfahrt seit Ihrer Mission verändert?
Die Aufgabenstellungen an die Astronauten sind meiner Meinung nach immer noch ziemlich ähnlich, aber natürlich gibt es enorme Fortschritte bei den technischen Möglichkeiten. Alexander Gerst verfügte für seine Experimente auf der ISS über ein komplett eigenes Laboratorium und konnte so viel mehr ins Detail gehen. Ich erinnere mich, dass wir damals von sechs geplanten Experimenten auf dem Gebiet der Werkstoffforschung nur vier durchführen konnten, weil die energetischen Ressourcen eingeschränkt waren. Es gab zwei Öfen, und wenn die arbeiteten, hatte das schnell Auswirkungen auf die Energiebilanz in der Raumstation. Schließlich reden wir über Temperaturen in den Schmelzöfen von bis zu 1000 Grad Celsius.

Standen Sie mit Herrn Gerst im All in Kontakt?
Alexander hatte dafür gesorgt, dass mein Telefon über die Nasa zur Raumstation freigeschaltet war, sodass wir manchmal miteinander sprechen und auch E-Mails austauschen konnten. Er überraschte mich auch mit einem Foto aus der Zeit meines eigenen Raumfluges mit Waleri Bykowski. Dafür hatte Alexander ein kleines Abzeichen auf das kuppelförmige Beobachtungsfenster der Raumstation gelegt und vor dem Hintergrund der Erde fotografiert. Mehr oder weniger deutlich zu erkennen sind die Inschrift "Saljut 6" und auch die Konterfeis von Waleri und mir. Wie Alex mir später erzählte, hatte er das Abzeichen bei einer Zugreise von Moskau nach Peking irgendwo in einer sibirischen Stadt erworben und schließlich mit ins Weltall genommen. Mich hat diese schöne Geste sehr berührt.

Alexander Gerst hat insbesondere durch seine Aktivitäten auf Twitter und seine zahlreichen Fotos die Raumfahrt wieder populär gemacht. Die private Stiftung "Mars One" treibt seit vier Jahren ein Projekt voran, durch das bis 2025 Menschen auf dem Mars landen und dort eine dauerhaft bewohnbare Siedlung errichten sollen. Fasziniert Sie diese Vision?
Nein, diese Firma verfolgt keine ernsthafte Vision, sondern bereitet ein Himmelfahrtskommando vor. Das höchst gewagte und zeitlich noch nicht abschätzbare Vorhaben einer Siedlung auf dem Mars wird hier als ein Event für normale Bürger vermarktet. Das ist in meinen Augen unseriös und mehr als zweifelhaft. Gegen Geld sollen Leute in ein Raumschiff verfrachtet und auf eine Reise ohne Wiederkehr geschickt werden. Was erhoffen die sich davon? Glauben die im Ernst, sie fliegen mit einem Raumschiff zum Mars, landen dort ganz entspannt und könnten dann Radieschen säen und Kaninchen züchten?

Was macht solch eine Mission denn so kompliziert?
Zunächst ist die extreme Flugdauer ein Problem. Eine günstige Konstellation zwischen Erde und Mars vorausgesetzt, dauert ein Flug zu unserem Nachbarplaneten ein gutes Jahr, ebenso lange also auch die Rückkehr zur Erde. Flüge ohne Rückkehr zu planen, betrachte ich als unmenschlich und unrealistisch. Im Unterschied zu den bisherigen Raumflügen um die Erde wird es keinen Nachschub an zwingend notwendigen Ressourcen wie Nahrung, Wasser und Sauerstoff geben. Entsprechend erforderliche Kreisläufe sind bisher kaum praktisch erprobt.

Und wenn es ein bemanntes Raumschiff tatsächlich bis zum Mars schafft?
Dann müsste man sich vorher überlegt haben, wie der Mensch an einem Ort sesshaft werden soll, an dem die Atmosphäre und ihre physikalischen Gegebenheiten überhaupt nicht unseren gewohnten Bedingungen auf der Erde entsprechen. Auf dem Mars herrschen mittlere Temperaturen unter Null. Ich finde, die Menschen sollten sich mit einer Mars-Mission noch viel Zeit lassen. Ob es überhaupt Sinn hat, den Mars dauerhaft zu besiedeln, ist eine ganz andere Frage. Ich bin kein Freund von Vorstellungen nach dem Motto: "Wenn wir unsere Erde kaputtgemacht haben, suchen wir uns eben einen neuen Planeten."

Was ist Ihre Prognose, wird in naher Zukunft ein bemannter Flug zum Mars gelingen?
Sie müssen bedenken, dass ein Flug um den Mars und ein Flug mit Landung auf dem Mars und anschließender Rückkehr zur Erde zwei qualitativ sehr unterschiedliche Unternehmungen sind. Mit dem neuen Raumschiff "Orion" hat sich die Nasa mit Unterstützung der Esa weit gesteckte Ziele gesetzt. Dennoch dürften wohl noch 15 bis 20 Jahre bis zu einer Umrundung des Mars vergehen. Grundsätzlich glaube ich daran. Was sich der Mensch an realistischen Zielen vornimmt, setzt er auch in die Tat um. Das war schon immer so.

Fasziniert Sie nicht der Gedanke, dass der Mensch einen fernen Planeten bewohnen will?
Nicht in diesem Maße. Ich wandere auch sehr gern durch meine geliebten Wälder im sächsischen Vogtland oder hier um den See in Strausberg. Für dieses ständige "Schneller, höher, weiter" habe ich kein Verständnis. Die Evolution hat den Menschen auf der Erde hervorgebracht. Ob es in erreichbarer kosmischer Nähe einen Planeten gibt, den der Mensch besiedeln könnte, das weiß gegenwärtig niemand.

Würde es Sie reizen, noch einmal in eine Rakete zu steigen, zumindest für eine kurze Mission?
Darauf kann ich Ihnen ganz locker antworten, dass ich das ohne jeden Zweifel noch einmal machen würde. Weil ich genau weiß, dass mich in meinem Alter niemand mehr fragen wird.

Welche Eindrücke sind Ihnen von der Zeit im All besonders in Erinnerung geblieben?
Ach, das waren natürlich unglaublich viele schöne Momente. Wir flogen ja in 400 Kilometer Entfernung zur Erde, waren also außerhalb der Atmosphäre, sodass die Sterne beispielsweise wie festgenagelt am Firmament standen. Sie flackerten einfach nicht und der Kontrast war viel stärker. Ich habe auch sehr bewusst Polarlichter beobachtet, allerdings durch die Perspektive von oben in ihrer Gesamtheit. Ein gespenstisch-grünliches Licht über geschätzte Hunderte Kilometer Länge. Weil wir innerhalb von 90 Minuten um die Erde kreisten, konnten wir am Tag auch 16 Sonnenaufgänge und 16 Sonnenuntergänge sehen. Der Eindruck war allerdings ein ganz anderer, alles ging viel schneller. Erst sehen Sie im tiefen Dunkel eine Zacke, dann ändert sich das Farbenspiel der Sonne sehr schnell, und plötzlich steht sie in voller Größe am Horizont.

Konnten Sie auch große Städte erkennen?
Selbstverständlich, allerdings meistens unter dicken Dunstglocken. Ich habe auch deutlich kleinere Objekte beobachtet, beispielsweise in trockenen Gebieten im arabischen Raum wie mit einem Zirkel gezogene Kreise. Das waren große Beregnungsanlagen. Und im Aralsee sah man schon zu meiner Zeit Schiffswracks auf Land liegen. Der See war bereits viel kleiner geworden.

Sinnbild dafür, wie der Mensch die Erde verändert.
Leider ja. Als ich da oben kreiste und aus dem Fenster blickte, empfand ich es als äußerst frappierend zu sehen, wie klein unsere Erde doch eigentlich ist. Ich will jetzt nicht sagen, dass mich diese Erfahrung vordergründig verändert hätte. Aber wenn man dann so die Nachrichten verfolgt, über Kriege und Atomwaffenreserven, die für die Vernichtung der Zivilisation reichen, denke ich schon manchmal, dass der Mensch eigentlich noch in einer Art Steinzeit lebt.

Stimmt es, dass der Sandmann bei Ihnen mitgeflogen ist?
Ja, der war im Gepäck. Ich hatte den Auftrag, mit der Figur fürs DDR-Fernsehen bestimmte Aufnahmen im All zu machen und eine Kindersendung zu gestalten. Als ich mein Sandmännchen auspackte, holte der Kommandant der Station sein Maskottchen, eine russische Mascha-Puppe. Spontan änderten wir mein zugewiesenes Drehbuch und verheirateten den Sandmann mit Mascha.

Der erste Deutsche im Weltraum

Den Begriff hört er überhaupt nicht gern, doch für viele ist Sigmund Jähn schon zu Lebzeiten zur Legende geworden. Am 26. August 1978 flog der damalige DDR-Bürger als erster Deutscher ins Weltall – als Teilnehmer des Interkosmos-Programms der Sowjetunion. In acht Tagen umrundete der 41-Jährige zusammen mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski die Erde 25-mal und besuchte die Raumstation "Saljut 6".

Die Reise machte ihn in der DDR zum Helden. Das Fernsehen zeigte Sondersendungen mit Liveschaltungen ins Weltall, auf der Erde wurden ihm zahllose Orden verliehen und Ehrenbürgerschaften angetragen, unter anderem die der Stadt Berlin. Er war "Held der DDR" und "Held der Sowjetunion", Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen wurden nach ihm benannt. Sein Gesicht zierte Briefmarken und Gedenkmünzen, die Propagandamaschinerie ließ nichts aus, mit Jähn die vermeintliche Überlegenheit des Sozialismus zu feiern.

Dazu passte seine Biografie: Jähn, geboren im Vogtland, war der Sohn eines Arbeiters, er lernte Buchdrucker, bevor er 1955 zur Nationalen Volksarmee ging und Luftwaffenoffizier wurde. Später holte er sein Abitur nach und studierte an der Militärakademie der Luftstreitkräfte der damaligen UdSSR. 1983 erlangte er seinen Doktortitel am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam mit einer Arbeit über die Fernerkundung der Erde.

Bei den DDR-Bürgern war Jähn sehr populär, Witze über ihn gab es trotzdem: "Der neue Direktor im größten Kaufhaus der DDR in Ost-Berlin soll der Weltraumkosmonaut Sigmund Jähn werden, vermeldet das 'Neue Deutschland'. Jähn kenne sich schließlich am besten in leeren Räumen aus."

Nach der Wende wollte die Bundeswehr Jähn, inzwischen Generalmajor der Nationalen Volksarmee, nicht übernehmen. Er war einer der letzten Generale, die aus der NVA entlassen wurden. Stattdessen fand er eine neue Aufgabe: Er wurde Berater für die europäische Raumfahrtorganisation Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). In dieser Rolle konnte er alte Kontakte nutzen: Er wurde zum Verbindungsmann zu den russischen Raumfahrtbehörden. In der Nähe von Moskau bildete er von 1992 an deutsche und europäische Astronauten aus. Vielen im Westen wurde Jähn erst 2003 durch "Good Bye, Lenin!" bekannt: In dem Film ist er 1990 Staatsratsvorsitzender der DDR geworden und öffnet die Berliner Mauer.

Die Weite des Universums lässt den mittlerweile 78-Jährigen bis heute nicht los. Allerdings hat er auch körperlich eine bleibende Erinnerung behalten: Bei der Landung der Raumkapsel auf der Erde verletzte sich Jähn an der Wirbelsäule. Dem sowjetischen Kommandanten war es nicht gelungen, den Fallschirm rechtzeitig loszulösen – deshalb wurde die Kapsel unsanft durch die Steppe geschleift.
Heute lebt Siegmund Jähn mit seiner Frau in Strausberg bei Berlin, er hat zwei Töchter. rms

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