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Politik Wulff fordert mehr Anerkennung für Soldaten
Nachrichten Politik Wulff fordert mehr Anerkennung für Soldaten
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23:07 17.10.2011
Von Vivien-Marie Drews
Bundespräsident informiert sich am Hindukusch über die Polizeiausbildung. Quelle: dpa
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Masar-i-Scharif

Der Gleichschritt klappt bereits, daran lassen die jungen afghanischen Polizeischüler an diesem Morgen keinen Zweifel aufkommen. Mit stampfenden Schritten ziehen sie in vier langen Reihen über das Gelände des „German Police Training Centers in Masar-i-Scharif – und an Bundespräsident Christian Wulff vorbei. Bundespolizisten versichern dem deutschen Staatsoberhaupt: Die Ausbildung kommt gut voran.

Mit einer Besichtigung des deutschen Polizeiausbildungszentrum in Masar-i-Scharif hat der Bundespräsident am Montag seinen Besuch in Afghanistan fortgesetzt. Unter strengsten Sicherheitsauflagen verließ Wulff das Feldlager Camp Marmal, um sich im nahegelegenen Trainingscenter ein Bild vom Stand der Ausbildung afghanischer Polizisten zu machen. Der Stichtag ist gesetzt: Ende 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan in den Händen einheimischer Polizisten und Soldaten liegen.

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Auf dem zivilen Flugplatz der nordafghanischen Metropole traf Wulff anschließend auf Mohammed Atta Noor. Er gilt als einer der mächtigsten Provinzgouverneure in Afghanistan und ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. In den vergangenen Jahren hat er es auf der Forbesliste unter die 500 reichsten Männer der Welt geschafft. Darüber, ob der Weg dahin immer ganz legal war, gibt es unterschiedliche Meinungen. Nun hat er Ambitionen, 2014 die Nachfolge von Präsident Karsai anzutreten.

An diesem Morgen rollt Atta in einem schwarzen Audi Q7 vor, mit verdunkelten Scheiben. Sein Assistent folgt in einem baugleichen Wagen. Nur der Fahrer passt mit seinen Badelatschen an den Füßen nicht ganz ins Bild. Voller Stolz präsentiert Atta dem Bundespräsidenten den Rohbau einer neuen Abfertigungshalle. Die Rechnungen bezahlt die Bundesregierung in Berlin.

Bereits am Abend zuvor hatte Wulff vor deutschen Soldaten angekündigt, er wolle seinen Afghanistan-Aufenthalt auch dafür nutzen, sich bei amerikanischen Hubschrauberpiloten zu bedanken. „Viele Soldaten haben mir gesagt, dass sie nur gerettet wurden, weil Amerikaner sie unter Beschuss rausgeholt haben.“ In Anwesenheit von Generalinspekteur Volker Wieker überreichte Wulff am Montag einem US-Soldaten symbolisch ein schwarz-rot-goldenes Fahnenband. Die amerikanischen Soldaten zeigten sich sichtlich bewegt von der hohen Auszeichnung. Mit ihren wendigen „Black-Hawk“-Hubschraubern sind sie seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan vor zehn Jahren Dutzende viele riskante Manöver geflogen, um verletzte Soldaten mitten aus dem Gefecht zu retten.

Am Nachmittag flogen Wulff, Wieker und der hannoversche General Markus Kneip weiter nach Kundus. Dort wollte der Bundespräsident unter anderem mit Soldaten zusammentreffen, die gemeinsam mit afghanischen Streitkräften im Land unterwegs sind.

Unterdessen sendete der Soldatensender Radio Andernach ein Interview mit dem Bundespräsidenten. Darin betonte Wulff abermals, die Arbeit der Soldaten habe mehr gesellschaftliche Anerkennung verdient. „Sie erfüllen ihre Pflicht – und viel mehr als ihre Pflicht“, sagte Wulff und wünschte sich ein Lied von der Gruppe „Take That“: „The day the work is done“. Bei den Soldaten kommt das gut an, auch wenn bei ihnen ein anderer Song beliebt ist: Tim Bendzkos „Muss nur noch kurz die Welt retten“.

Gabi Stief 14.10.2011
12.10.2011