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Politik Unruhen in Kirgistan fordern 2000 Tote
Nachrichten Politik Unruhen in Kirgistan fordern 2000 Tote
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20:18 18.06.2010
„Eine nationale Tragödie“: Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa am Freitag in der Stadt Osch. Quelle: ap

Kremlchef Dmitri Medwedew warnte unterdessen vor einem „afghanischen Szenario aus der Zeit der Taliban“, sollte sich die Lage nicht bald stabilisieren. Der für Zentralasien zuständige US-Diplomat Robert Blake zeigte sich bei einem Besuch in der Region besorgt über die Situation der schätzungsweise 400.000 Flüchtlinge und Vertriebenen. Eine Untersuchungskommission solle die Straßenschlachten, Morde und Pogrome der vergangenen Tage aufarbeiten, erklärte der Vizeregierungs­chef Asimbek Beknasarow.

„In den Dörfern gab es sehr viele Tote, und nach unserer Tradition werden sie sofort – spätestens bis Sonnenuntergang – unter die Erde gebracht“, sagte Otunbajewa. Die Leichen seien nicht gezählt worden. Andere offizielle Stellen hatten zuletzt geschätzt, 2500 Menschen könnten bei den Kämpfen zwischen Kirgisen und Usbeken in den Regionen um Osch und Dschalalabad getötet worden sein. Otunbajewa sprach am Freitag bei einem Besuch in Osch von einer nationalen Tragödie. Die nach Bischkek zweitgrößte Stadt des Landes ist zu etwa 70 Prozent zerstört. „Wir werden alles tun, um die Stadt wieder aufzubauen“, sagte die mit einer schusssicheren Weste bekleidete Otunbajewa.

Die Organisation Human Rights Watch (HRW) bezeichnete die Lage im Süden als weiter instabil. Bewohner der Konfliktregion würden von Überfällen und Vergewaltigungen berichten, teilte HRW in Osch mit. Otunbajewa appellierte erneut an Russland, Soldaten zum Schutz strategischer Objekte wie Kraftwerke nach Kirgistan zu entsenden. Dem erteilte Medwedew aber eine Absage. Die Kirgisen müssten diese Situation selbst lösen, so der Präsident. In Moskau sagte der Generalsekretär der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), Nikolai Bordjuscha, das Militärbündnis werde nur Spezialkräfte nach Kirgistan entsenden, die Ausschreitungen verhindern und Terroristen jagen sollen. Es würden keine Friedenssoldaten in das zentralasiatische Land geschickt, sagte Bordjuscha. Allerdings will das Bündnis auch etwa neun Militärhubschrauber zur Verfügung stellen.

In einem Interview des „Wall Street Journal“ sprach sich Kremlchef Medwedew für einen Abzug der seit 2002 in Kirgistan stationierten US-Soldaten aus. Der seinerzeit von Washington zum Antiterrorkampf in Afghanistan bezogene Stützpunkt Manas sollte „nicht ewig bestehen bleiben“, sagte Medwedew.

Mehr als zwei Monate nach dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew gilt die Lage in dem Hochgebirgsland an der Grenze zu China weiter als extrem gespannt. Die Übergangsregierung von Otunbajewa hält Unruhen jetzt auch im Norden des Landes für möglich. Unklar war, ob die für den 27. Juni geplante Volksabstimmung über eine demokratische Verfassung wie geplant organisiert werden kann. Die Menschen im Süden des Landes baten Otunbajewa, den Termin um 40 Tage zu verschieben. Die internationale Gemeinschaft hält das Referendum für dringend nötig, damit sich die Lage in der Exsowjetrepublik stabilisiert.

Wolfgang Jung und Danijar Karimov / dpa / afp

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