Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Politik Schwarz-Gelb lässt Cannabis zur Schmerzbekämpfung zu
Nachrichten Politik Schwarz-Gelb lässt Cannabis zur Schmerzbekämpfung zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:32 17.08.2010
Pflanze mit wachsender Akzeptanz in der Medizin: Cannabis. Quelle: dpa

Der Stoff lindert Schmerzen, er wirkt entkrampfend, er regt den Appetit an – aber er ist verboten: Cannabis. Ärzte empfehlen seit Langem die Freigabe der Droge für medizinische Zwecke, und schon die weltweite Flower-Power-Bewegung forderte seit Ende der sechziger Jahre: „Legalize it“.

Ausgerechnet unter der CDU-Kanzlerin Angela Merkel soll es nun in Deutschland zumindest zu einer gewissen Liberalisierung kommen: Die schwarz-gelbe Koalition will zu Zwecken der Schmerzlinderung Cannabis-Medikamente zulassen. Eine Änderung des Betäubungsmittelrechts soll es ermöglichen, dass entsprechende Arzneimittel hergestellt, gehandelt und in Apotheken gekauft werden dürfen – auf Rezept.

Den Joint aus der Apotheke wird es damit aber nicht geben. „Es geht allein um die Zulassung und die Verschreibung von Arzneimitteln, die Cannabis-Wirkstoffe enthalten“, betonte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Dienstag. Es sei keineswegs beabsichtigt, den Eigenanbau von Marihuana oder gar den Handel mit der Droge zu legalisieren.

FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach, die sich für die Cannabis-Medizin stark gemacht hat, erwartet vor allem eine deutliche Verbesserung der Versorgung sterbender Menschen. „Damit stehen schwerstkranken Menschen jederzeit schmerzlindernde Mittel zur Verfügung“, betont Flach. Die geprüften Arzneimittel seien sicher, wirksam und von gleichmäßig guter Qualität.

Die Liberalisierung des Betäubungsmittelrechts betrifft nicht allein Cannabis, sondern auch das aus Opium gewonnene Morphium. Heime und Hospize dürfen künftig auch sogenannte Notfallvorräte an Betäubungsmitteln anlegen, was ihnen bislang verboten war. Dies führte dazu, dass Sterbende mitunter nicht in ein Hospiz wollten, weil sie befürchten mussten, dort nicht ausreichend mit Schmerzmitteln versorgt zu werden.

Vor zwei Jahren noch waren Union und Liberale nicht überzeugt von der positiven Wirkung von Cannabis. Die Kritiker warnten damals vor dem Suchtpotenzial. Doch die medizinische Fachwelt lobt die schmerzlindernde Wirkung. Bei Patienten mit multipler Sklerose etwa führe Cannabis überdies dazu, dass sich die Muskeln besser entspannen. So werden Schmerzen gelindert, und der Patient beruhigt sich.

Im Hospiz Luise in Hannover wird ein – bislang importiertes – cannabishaltiges Medikament bei Tumor- und Aids-Patienten angewendet. Es rege den Appetit an und helfe gegen Übelkeit, sagt der stellvertretende Leiter Guido Cremer. Er begrüßt die Rechtsänderung. Viele Patienten würden in die Illegalität gedrängt, weil es schwierig sei, ein solches Medikament zu erhalten. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin dürfen bundesweit lediglich 40 Patienten derartige Medikamente beziehen. „50 000 bis 100 000 bräuchten sie“, schätzt Sprecher Franjo Grotenhermen.

Margit Kautenburger

Der Irak ist vom bislang blutigsten Selbstmordanschlag des Jahres erschüttert worden: 61 Menschen starben, als sich nach Behördenangaben am Dienstag ein Attentäter vor einem Rekrutierungsbüro der Armee in Bagdad in die Luft sprengte.

17.08.2010

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat nach einem Medienbericht einen Anschlag unverletzt überlebt.

04.08.2010

Unternehmen, in denen es nur männliche Chefs gibt, behandeln Frauen nicht automatisch schlechter. Das entschied am Donnerstag das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt zum Diskriminierungsstreit bei der Gema.

23.07.2010