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Deutschland/Welt ZdK verschiebt nach Streit mit Bischöfen Wahl des neuen Vorsitzenden
Nachrichten Politik Deutschland/Welt ZdK verschiebt nach Streit mit Bischöfen Wahl des neuen Vorsitzenden
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17:44 08.05.2009
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Ein neuer Präsident soll nun erst bei der Herbstvollversammlung im November gewählt werden. Die Entscheidung der Bischöfe wurde auf der Versammlung erneut scharf kritisiert.

Der Beschluss zur Verschiebung der Wahl sei nach einer „emotionalen, aber von Rationalität geprägten Debatte“ in der Vollversammlung getroffen worden, sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer am Freitag in Berlin. Bis zur Wahl im November werde das bisherige Präsidium seine Arbeit weiterführen.
Zugleich betonte Meyer, die Ablehnung des bisherigen ZdK-Vizepräsidenten Heinz-Wilhelm Brockmann als neuen Präsidenten sei in der Vollversammlung auf „Empörung und Unverständnis“ gestoßen. Die Entscheidung der Bischöfe beeinträchtige und gefährde die „Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit“ des ZdK und laufe auf einen „Ansehensverlust für die katholische Kirche in Deutschland insgesamt“ hinaus.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte vergangene Woche ohne Begründung Brockmann als neuen Präsidenten des Laiengremiums schon vor der nun verschobenen Wahl abgelehnt. Die Bischöfe haben eine Sperrminorität und müssen die Wahl eines neuen Präsidenten mit Zwei-Drittel-Mehrheit bestätigen. Brockmann ist für die CDU Staatssekretär im hessischen Bildungsministerium. Er gehört zu den Mitbegründern des Vereins Donum Vitae, der sich nach dem Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung gebildet hat.

Die SPD-Politikerin Karin Kortmann, Sprecherin für politische Grundfragen im ZdK, betonte am Freitag erneut, es sei „beträchtlicher Schaden“ angerichtet worden. „Hier ist eine Person beschädigt worden, hier ist eine Institution beschädigt worden, hier ist ein Wahlgang, der gut vorbereitet war, nicht durchgeführt worden.“ Die Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium hatte bereits vor der Vollversammlung die Bischöfe scharf kritisiert und von einer „Heckenschützenmentalität“ gesprochen.

Gleichzeitig war das ZdK erkennbar bemüht, nach der Empörung über die Ablehnung Brockmanns die Wogen zu glätten. Niemand im ZdK habe ein Interesse an einem Zerwürfnis mit den Bischöfen, betonte Kortmann. ZdK-Präsident Meyer sagte, Ziel sei es, „ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Bischöfen“ wiederherzustellen. Daher müsse nun in Gesprächen mit den Bischöfen geklärt werden, warum es zu der Ablehnung Brockmanns gekommen sei.

Ein Vorschlag von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), am Freitag das Präsidium zu wählen und nur das Amt des Präsidenten unbesetzt zu lassen, fand keine Mehrheit. Thierse, langjähriges Mitglied im ZdK, hatte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Freitag gesagt: „Wir wollen uns nicht in unserer Arbeit beeinträchtigen lassen durch einige Bischöfe. Aber wir markieren die schmerzliche Leerstelle an der Spitze.“

afp