Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Wulff plant "Denkfabrik" im Bellevue
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Wulff plant "Denkfabrik" im Bellevue
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 27.06.2010
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU)
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Quelle: dpa
Anzeige

Joachim Gauck, der Kandidat von SPD und Grünen, billigt sich selbst geringe Erfolgsaussichten zu. Sein Gegenkandidat Christian Wulff entwickelt dagegen schon klare Vorstellungen von einer Präsidentschaft. Den Berliner Amtssitz Schloss Bellevue will Wulff zu einer „Denkfabrik für Deutschland“ machen.

„Das Staatsoberhaupt wird ja nicht durch die Wahl zum Universalgenie, sondern ist auf den Rat von klugen Leuten angewiesen“, sagte Wulff der „Bild am Sonntag“. „Wissenschaftler, Politiker, Künstler, kluge Köpfe könnten dabei helfen, Anregungen zu geben, unser Land modern und zukunftsfest zu machen. Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire. Goethe war Minister und von Humboldt preußischer Beamter – beide waren Staatsdiener“, erläuterte Wulff. Auch Gaucks Rat wolle er „selbstverständlich“ einholen.Der rot-grüne Kandidat selbst rechnet sich nur geringe Erfolgsaussichten aus.

Es wäre eine Überraschung, sollte es zu einem dritten Wahlgang kommen, sagte Gauck. „Ich habe gelernt, dass es unglaubliche Überraschungen gibt im Leben, die nahezu an ein Wunder grenzen“, meinte er freilich mit Blick auf einen möglichen dritten Wahlgang, bei dem eine einfache Mehrheit genügen würde.

Die Linke. die die Kandidatin Luc Jochimsen aufbietet, streitet unterdessen weiter, ob sie den ehemaligen Stasi-Beauftragten in einem dritten Wahlgang nicht doch wählen sollte. „Joachim Gauck ist nicht unser Kandidat und es gibt nichts, was uns vom ersten zum dritten Wahlgang so verändern könnte“, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch. Linken-Fraktionsvize Dietmar Bartsch dagegen sprach sich dafür aus, sich das Abstimmungsverhalten in einem dritten Wahlgang offenzuhalten.

Zwei frühere Bundespräsidenten haben sich gegen einen Koalitionszwang in der Bundesversammlung gewandt – was als Parteinahme für Gauck verstanden werden kann. Die Wahl gelte „einem ganz und gar selbständigen Amt, unabhängig von legitimen Zielen von Parteien und Koalitionen“, sagte Altbundespräsident Richard von Weizsäcker. Ähnlich äußerte sich sein Nachfolger Roman Herzog. Keine Partei könne sich erlauben, Wahlmänner und Wahlfrauen auf einen bestimmten Kandidaten einzuschwören, meinte er. Nach Ansicht Herzogs müssen jedoch die Parteien die Wahlen nicht erst freigeben: Jeder in der Bundesversammlung sei bereits völlig frei, die Wahl sei geheim.

Einer Emnid-Umfrage zufolge halten 42 Prozent der Bundesbürger Joachim Gauck für den besseren Bundespräsidenten. 36 Prozent sind für Wulff. Damit legte Gauck seit seiner Nominierung vor gut drei Wochen zehn Prozentpunkte zu.