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Deutschland/Welt Watergate - die Mutter aller Skandale
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Watergate - die Mutter aller Skandale
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07:42 14.06.2012
9.8.1974: Richard Nixon kündigt in der Nacht seinen Rücktritt an.
9.8.1974: Richard Nixon kündigt in der Nacht seinen Rücktritt an. Quelle: dpa
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New York

Es war ein Klebestreifen, der die USA veränderte. Ein Wachmann fand ihn am 17. Juni 1972 über einem Türschloss in einem Washingtoner Bürokomplex und rief die Polizei. Die erwischte ein paar Einbrecher, die aber nichts mitgehen, sondern etwas dalassen wollten: Abhörvorrichtungen. Was anfangs wie ein kleiner Ganovenfall aussah, entwickelte sich zu einem politischen Skandal, der schließlich den mächtigsten Mann der Welt das Amt kostete.

Denn bei dem Büro handelte es sich um die Wahlkampfzentrale der Demokraten. Der Name des Gebäudes wurde zum Symbol: Watergate. Dabei hätte US-Präsident Richard Nixon solch schmutzige Tricks gar nicht gebraucht, seine Wiederwahl im November schien sicher. Schließlich hatte der Republikaner den Vietnamkrieg für die USA beendet und erste Atom-Abrüstungsverträge ausgehandelt. Die Demokraten hatten hingegen mit George McGovern einen für viele unwählbaren Parteilinken aufgestellt. Zudem bot die Partei das Bild eines chaotischen Haufens - weit entfernt von „Leadership“. So hielten die meisten den Einbruch für eine Lappalie.

Bob Woodward und Carl Bernstein allerdings sahen das anders. Die Reporter der „Washington Post“, beide unter 30 und unbekannt, fragten sich, warum die Einbrecher bei der Tat elegante Anzüge trugen und sie sofort von einem Anwalt rausgehauen wurden. Warum sie beste Kontakte zur republikanischen Partei hatten und bei einem der Männer ein Scheck über 25000 Dollar gefunden wurde, ausgestellt vom „Komitee zur Wiederwahl des Präsidenten“ - und der hieß Nixon.

Nixon stammte aus einfachen Verhältnissen und hatte sich alles hart erarbeiten müssen. Nicht selten traf ihn so der Spott der alten Familien Amerikas. Als er nach acht Jahren als Vize 1960 Präsidentschaftskandidat der Republikaner wurde, setzten die Demokraten auf das absolute Gegenteil: John F. Kennedy - gutaussehend, charmant, aus bestem Hause, reich. Nixon wirkte dagegen etwas verschlagen und wie ein getretener Hund.

Obwohl er viel härter arbeitete als Kennedy, verlor er die Wahl gegen den strahlenden Helden. Da war Nixon längst überzeugt, dass alle gegen ihn seien, vor allem die Presse. Auf bizarren Feindeslisten hielt er jeden fest, den er als Teil einer Verschwörung wähnte. Bis 1969 musste er warten, um als Präsident ins Weiße Haus einzuziehen.

„Folgt dem Geld“, riet „Deep Throat“ den Journalisten Woodward und Bernstein. Der geheime Informant, 2005 als FBI-Vize Mark Felt enthüllt, war eine wichtige Stütze der Recherchen, die andere die fast naive Beantwortung von Fragen durch Nixons Umfeld.

Mehr als die Einbrüche schockierten die Amerikaner aber Tonbänder aus dem Weißen Haus. Sie enthüllten, was für ein Staatsoberhaupt sie regierte: eines, das log, beleidigte, übels-te Schimpfwörter gebrauchte, verleumdete - und Rechtsbruch anordnete. Denn Nixon hatte nach dem Einbruch in das Watergate-Bürohaus den Staatsapparat einschalten wollen, um die Ermittlungen zu behindern. „Wenn der Präsident es tut, kann es nicht Unrecht sein“, sagte er.

Später versuchte der Präsident, die CIA auf das FBI zu hetzen, doch das System - Verfassung, Gewaltenteilung und freie Presse - erwies sich als stärker. Immer mehr Anhänger wandten sich vom Nixon ab. Letztlich musste er kapitulieren: Um dem Rauswurf zuvorzukommen, trat Nixon am 9. August 1974 zurück.