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Deutschland/Welt Was hinter dem Phänomen Containern steckt und warum die Justizminister darüber diskutieren
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15:50 05.06.2019
Menschen, die weggeworfenes Essen aus Containern holen, machen sich strafbar. Quelle: epd-bild/Steffen Schellhorn
Lübeck

Brötchen, Tomaten, abgelaufener Joghurt – tonnenweise Lebensmittel landen im Müll. Viele Reste sind noch essbar. Sie aus dem Müll zu fischen, ist in Deutschland aber verboten. Die Justizministerkonferenz in Lübeck berät auf Antrag von Hamburgs Ressortchef Till Steffen (Grüne) am Mittwoch darüber, ob das sogenannte Containern künftig straffrei sein sollte.

Was ist Containern?

Weggeworfene, noch genießbare Lebensmittel zum Eigenverbrauch aus dem Abfallcontainer – zum Beispiel eines Supermarkts – holen, bezeichnet der Duden als Containern.

Wer containert?

Die Motivation der Menschen ist nicht nur finanzieller Art, sondern häufig auch politisch. Viele, die containern, sehen sich als „Lebensmittelretter“ und betreiben die nächtlichen Streifzüge durch die Hinterhöfe der Supermärkte aus Protest gegen die Wegwerfmentalität in der Gesellschaft. „So viel wegzuschmeißen, ist nicht nur irrsinnig und unsolidarisch, sondern auch extrem klimaschädlich“, sagt eine Aktivistin im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Warum ist Containern strafbar?

Nach dem Gesetz kann es als Diebstahl und Hausfriedensbruch gewertet werden, da die Müllcontainer in der Regel auf Privatgelände stehen. Die beiden Münchner Aktivistinnen Caro und Franzi beispielsweise, die wegen eines laufenden Revisionsverfahrens ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, wurden vor etwa einem Jahr von der Polizei aufgegriffen und zu einer geringen Geldstrafe und Sozialstunden verurteilt. Die beiden Studentinnen haben die Öffentlichkeit ihres Verfahrens genutzt und wollen bei der Justizministerkonferenz eine Petition mit 132.000 Unterschriften übergeben, die für die Entkriminalisierung des Containerns plädiert.

Was denken die Parteien?

Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) hält die Legalisierung für nicht zielführend. Er teile zwar das Anliegen, die Verschwendung von Lebensmitteln zu begrenzen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Aber man könne nicht einfach strafbares Verhalten straffrei stellen. Auch der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach (CDU) lehnt die vorgeschlagene Legalisierung ab.

Der Verbraucherschutzexperte der Grünen im Landtag, Martin Grath, sieht das anders: „Es ist schlichtweg absurd, wenn Menschen wie Verbrecher behandelt werden, die aus der Not heraus in Supermarkt-Tonnen nach Essbarem suchen oder sich gegen massenhafte Lebensmittelverschwendung einsetzen.“ Wolfs Argumentation, man könne nicht einfach strafbares Verhalten straffrei stellen, sei politisch unredlich. „Der Gesetzgeber entscheidet, welches Verhalten strafbar ist.“

Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Nico Weinmann, sagte: „Eine Legalisierung des "Containerns" löst keine Probleme, sondern schafft nur neue. Das Recht am Eigentum darf nicht ausgehöhlt werden, indem Diebstahl in derartigen Fällen legal gestellt wird.“

Wie viele Lebensmittel landen in Deutschland in der Tonne?

Nach konservativen Schätzungen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) produzieren Haushalte und Industrie 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr. Die Umweltorganisation WWF geht sogar von 18 Millionen Tonnen deutschlandweit aus. Die Bundesregierung hat eine Initiative gegen Lebensmittelverschwendung namens „Zu gut für die Tonne“ ins Leben gerufen, mit der sie die Verschwendung bis 2030 halbieren will.

Was unternehmen Supermärkte gegen die Verschwendung?

Viele Supermarktketten arbeiten mit der ehrenamtlichen Tafel zusammen, die aussortierte Lebensmittel abholt und an Bedürftige weitergibt. Weggeschmissen werde nur das, was wirklich nicht mehr essbar sei, argumentieren die Unternehmen. „Die Realität sieht anders aus“, weiß Caro. „Wir finden auch viele Produkte, die gar nicht schlecht werden können, wie Salz, Tee oder Öl.“

Welche Regelungen gibt es in anderen EU-Staaten?

In Frankreich wurde die Lebensmittelverschwendung unter Strafe gestellt. Ein Gesetz verpflichtet Supermärkte mit mehr als 400 Quadratmetern Ladenfläche, unverkaufte Lebensmittel an Tafeln oder andere gemeinnützige Organisationen zu spenden. Jeder Verstoß wird seit Februar 2016 mit 3750 Euro geahndet. Ähnliche Gesetze gibt es in Italien und in Tschechien.

Von Nadja Lissok/RND/dpa

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