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Deutschland/Welt Wahlkampf nach britischer TV-Debatte weiter offen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Wahlkampf nach britischer TV-Debatte weiter offen
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21:07 23.04.2010
Drei Spitzenkandidaten kämpfen im TV-Duell um die Gunst der britischen Wähler: Gordon Brown (von links), Nick Clegg, David Cameron. Quelle: afp
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Während bei der ersten Debatte vor einer Woche überraschend Außenseiter Nick Clegg von den Liberaldemokraten ins Rampenlicht gerückt war, konnten beim zweiten Anlauf auch Premier Gordon Brown sowie sein größter Konkurrent David Cameron von den konservativen Tories, punkten.
Die zweite TV-Runde wurde von etwa 4 Millionen Menschen gesehen. Bei der ersten waren noch rund 9,4 Millionen Zuschauer gezählt worden. Wegen des Mehrheitswahlsystems war der Wahlkampf früher praktisch ausschließlich zwischen Tories und Labour entschieden worden. Seit dem Erfolg Cleggs bei der Fernsehrunde aber spielen die Liberaldemokraten eine ernsthafte Rolle. Nach Meinung von Beobachtern änderte die zweite von drei TV-Debatten diese Situation nicht.

Die Umfragen, welcher der drei Spitzenkandidaten für das Amt des Premiers am überzeugendsten wirkte, ergaben am Freitag kein einheitliches Bild. Bei einer mehrere Umfragen zusammenfassenden Darstellung des Senders Sky News, der die Debatte ausgerichtet hatte, lagen Clegg und Cameron mit jeweils 33 Prozent vorne. Brown von der sozialdemokratischen Labour-Partei folgte mit 27 Prozent. Eine Umfrage für die Zeitung „The Guardian“ wiederum sah Clegg mit 33 Prozent an der Spitze. Cameron und Brown erreichten beide jeweils 29 Prozent.

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„Wir sind in einem knappen Rennen mit drei Pferden“, sagte Nick Robinson, Politik-Experte des Senders BBC. Alle drei Kandidaten hätten sich gut geschlagen, es bleibe also weiterhin spannend. In der zweiten Runde ging es um Außenpolitik, die dritte am kommenden Donnerstag stellt Wirtschaftsfragen in den Mittelpunkt.

Anders als bei der ersten Debatte gingen die drei Spitzenpolitiker diesmal deutlich aggressiver aufeinander los. Während Brown in der ersten Runde noch Wert darauf gelegt hatte, seinen möglichen künftigen Partner Clegg zu umwerben, war er jetzt darauf bedacht, sich von ihm abzugrenzen. Sowohl die Tories als auch Labour könnten auf eine Zusammenarbeit mit den Liberaldemokraten angewiesen sein, wenn keiner von ihnen am 6. Mai eine absolute Mehrheit erreicht. Nach dem überraschenden Aufstieg der „LibDems“ in den vergangenen Tagen griff auch Cameron den Aufsteiger an. Beide Kontrahenten versuchten, seinem Image einige Kratzer zu verpassen.

„Nick, mit Dir würden wir schwach dastehen“, sagte Brown und spielte damit auf Cleggs ablehnende Haltung gegenüber Atomwaffen an. „David, Du würdest uns in Europa isolieren“, griff Brown Camerons europakritische Linie an. Die machte der Chef der Konservativen erneut deutlich. „Wir wollen in Europa sein, aber nicht von Europa regiert werden“, sagte Cameron.

Alle drei bekannten sich grundsätzlich zum Einsatz in Afghanistan. Auf die Frage eines Zuschauers, ob Großbritannien bei Terrorgefahr auch bei neuen internationalen Einsätzen mitwirken werde, antworteten ebenfalls alle drei mit einem grundsätzlichen Ja. Cameron betonte jedoch, die Ausstattung der Truppen müsse verbessert werden. Clegg betonte, ein neuer Einsatz dürfe nicht der „illegalen Invasion im Irak“ gleichen. Großbritannien dürfe nur eingreifen, wenn eine direkte Terrorgefahr für das eigene Land bestehe. Vor der Debatte hatten Demonstranten vor dem Studio in Bristol lautstark gegen den Krieg protestiert. Ein Großaufgebot an Polizei war zur Sicherheit abgestellt.

Die TV-Duelle sind ein Novum in Großbritannien. Sie sorgten für viel Diskussionsstoff, weil sie den Liberaldemokraten einen unerwarteten Stimmenzuwachs beschwert und die regierende Labour-Partei weiter unter Druck gebracht hatten. Brown, der als eher trocken und wenig kamerawirksam gilt, waren schlechte Ergebnisse vorausgesagt worden. Am Donnerstagabend spielte er auf die Gefahr an, durch die TV-Debatten zu sehr auf Äußerliches reduziert zu werden: „Wenn es nur um Style und PR geht, dann rechnen Sie nicht mit mir.“

dpa