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Deutschland/Welt Vier deutsche Soldaten sterben bei Angriff in Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Vier deutsche Soldaten sterben bei Angriff in Afghanistan
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21:15 15.04.2010
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Seit 2002 sind insgesamt 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, zum Teil auch bei Unfällen. Quelle: dpa (Archiv)
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Knapp zwei Wochen nach dem Tod von drei Bundeswehrsoldaten sind am Donnerstag bei einem sechsstündigen Gefecht in Afghanistan erneut vier Deutsche ums Leben gekommen. Dennoch hält die Bundesregierung an dem Einsatz fest: „Das ist ein schwieriger Einsatz, der aber der Sicherheit unseres Landes dient“, sagte Kanzlerin Angela Merkel.

In der Provinz Baghlan, die sich in den vergangenen Monaten zu einer Hochburg der Taliban entwickelt hat, wurde schon seit Mittwoch heftig gekämpft. Afghanische, deutsche und andere internationale Truppen lieferten sich 100 Kilometer südlich von Kundus nach Auskunft des örtlichen Polizeisprechers Habib Rahman Gefechte mit rund 400 Taliban-Kämpfern. Sie setzten dabei auch schwere Waffen ein, um die Verbindungsroute zwischen Tadschikistan und Kabul als Nachschubroute zu sichern.

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Die Operation der Truppen galt bereits als nahezu beendet, als eine Rakete ein gepanzertes deutsches Fahrzeug vom Typ „Eagle“ traf. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verlängerte daraufhin seinen Besuch in der Krisenregion. Der CSU-Politiker flog ins Feldlager nach Masar-i-Scharif. Dorthin wurden auch die fünf deutschen Soldaten gebracht, die bei dem Angriff verletzt wurden. Zwei von ihnen schwebten am Donnerstagabend noch in Lebensgefahr.

Der Minister zeigte sich „tieftraurig“ und sagte, es handele sich „um einen besonders tragischen Fall“. Guttenberg hatte erst am Vortag angekündigt, schwere Waffen nach Afghanistan zu schicken – zwei Panzerhaubitzen, zusätzliche Schützenpanzer sowie Panzerabwehrraketen.

„Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen“, sagte Merkel während ihrer USA-Reise. Sie sprach den Angehörigen der Opfer ihr „tiefes Beileid“ aus. Die Kanzlerin betonte aber zugleich, dass der Einsatz fortgesetzt werde. „Ich glaube, dass es keine vernünftige Alternative gibt.“ Es gehe nicht nur darum, in Afghanistan Sicherheit herzustellen, sondern auch darum, Sicherheit in Deutschland und allen westlichen Demokratien zu erhalten. Außenminister Guido Westerwelle sagte, dieser Anschlag habe „alle Deutschen“ getroffen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Wir Sozialdemokraten verurteilen den feigen und hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste.“ Bestürzt zeigten sich auch die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. „Wir verurteilen diesen feigen und abscheulichen Anschlag der Taliban auf die gemeinsame Patrouille deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten aufs Schärfste.“ Der Vorfall zeige einmal mehr, welch großem Risiko die Soldaten jeden Tag ausgesetzt seien.

Die Linken nahmen den Anschlag erneut zum Anlass, den sofortigen Abzug der Truppe aus Afghanistan zu fordern. „Ende des Jahres sollten die Deutschen abziehen. Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen“, erklärte Paul Schäfer, verteidigungspolitischer Sprecher der Linkspartei.

Der Bundeswehrverband zeigte sich „bestürzt und wütend“. Spätestens jetzt dürften Politik und Öffentlichkeit nicht mehr die Augen davor verschließen, in welch kriegsähnlicher Situation sich die Bundeswehr vor allem im Raum Kundus seit Langem befinde, erklärte Verbandsvize Wolfgang Schmelzer.

Stefan Koch und Klaus von der Brelie

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