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Deutschland/Welt Vier Soldaten erstmals mit Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Vier Soldaten erstmals mit Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet
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16:37 06.07.2009
„Beispiel herausragender Tapferkeit“: Bundeskanzlerin Angela Merkel ehrte vier Bundeswehrsoldaten mit dem Ehrenkreuz. Quelle: Michael Gottschalk/ddp
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) überreichten die Auszeichnungen am Montag an vier Soldaten, die sich in Afghanistan hervorgetan hatten. Merkel drückte den Soldaten ihre Hochachtung aus und forderte mehr Anerkennung für die Leistung von Soldaten im Einsatz. Kritik an der Auszeichnung kam von der Linken.

Die vier ausgezeichneten Soldaten waren am 20. Oktober 2008 in der Nähe von Kundus ihren Kameraden zur Hilfe geeilt, die Opfer eines Selbstmordanschlags geworden waren. Trotz eines brennenden Fahrzeugs und explodierender Munition hatten sie nach Angaben des Verteidigungsministeriums versucht, den Opern zu helfen. Bei dem Anschlag starben zwei deutsche Soldaten, zwei weitere wurden verwundet. Fünf afghanische Kinder wurden getötet.

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Merkel mahnte mehr Aufmerksamkeit für die Leistung der Soldaten an. „Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen für ihre Einsätze mehr Anerkennung erhalten“, forderte Merkel. Auf das, was Soldaten im Einsatz leisteten, könnten nicht nur sie selbst stolz sein, „sondern das ganze Land“. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass Einsätze dieser Art den Soldaten und ihren Familien viel abverlangten. Diese Belastungen müssten mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

Jung bezeichnete die Auszeichnung als „besondere staatliche Anerkennung“. Die Soldaten hätten ihre Pflicht „weit über das normale Maß hinaus erfüllt“, begründete Jung die Ehrung. Nun halte auch der Staat einen Teil seines Treueversprechens.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), wies darauf hin, dass etliche Soldaten schon gefallen und nicht wenige wegen schwerster Verwundungen für ihr ganzes Leben gezeichnet seien. „Deshalb ist die Tapferkeitsmedaille für mich ein angemessenes und gutes Beispiel für positiven Patriotismus“, sagte Robbe. Er warnte davor, im Zusammenhang mit der Tapferkeitsmedaille Parallelen „zu einer Zeit, die zu der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte zählt“, zu ziehen. „Da irgendwelche Analogien herzustellen ist völlig verfehlt“, sagte Robbe.

Die Linke kritisierte die Auszeichnung: „Sie stellt die Weichen in Richtung einer Heroisierung des Militärischen und dient der Akzeptanzbeschaffung in der Bevölkerung für einen kriegerischen Einsatz“, sagte ihr Verteidigungsexperte Paul Schäfer und plädierte für andere Formen der Anerkennung: Denkbar wäre stattdessen die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes - auch an Entwicklungshelfer oder Vertreter einer Nichtregierungsorganisation.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wies darauf hin, dass auch die zivile Polizei und viele Hilfsorganisationen im Einsatz Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel setzten. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg sagte, er erwarte dafür keinen besonderen Orden. „Das gehört für uns zum Berufsbild dazu.“ Er forderte aber eine bessere Bezahlung und verbesserte Rahmenbedingungen für die Polizisten im Auslandseinsatz.