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Deutschland/Welt Vertriebene feiern mit Merkel und zeichnen Schily aus
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Vertriebene feiern mit Merkel und zeichnen Schily aus
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10:34 23.08.2009
Merkel zum ersten Mal beim „Tag der Heimat". Quelle: MICHAEL GOTTSCHALK/AFP
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Nur Gerhard Schröder war als Kanzler schon einmal bei einer solchen Veranstaltung. Für Merkel war es sowohl ein Besuch bei den Vertretern einer wichtigen Wählerschicht als auch einem Verband, der immer wieder polarisierende Debatten entfacht. Und das ist genau das, was die Bundeskanzlerin nicht schätzt: Polarisierungen.

Brisant war die Begegnung vor allem angesichts der Diskussion um die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, die zu Beginn des Jahres hochgekocht war. Damals war Merkel vorgeworfen worden, die Debatte auszusitzen, keine Stellung zu nehmen zur Kandidatur von Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach für den Stiftungsrat. Vor allem in Polen und bei der SPD hatte sich Protest gegen die Besetzung geregt. Steinbach zog ihre Kandidatur zunächst zurück, derzeit ist der Sitz des Verbandes im Gremium derzeit unbesetzt.

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So vermied es die Kanzlerin, sich in ihrer Ansprache zur aktuellen politischen Auseinandersetzung zu äußern. Auch wenn der Bund der Vertriebenen „einen Sitz für seine Präsidentin freihält“, war Merkels einzige Anspielung auf die Causa, könne dies nicht darüber hinwegtäuschen, wie erfolgreich man im gemeinsamen Bemühen um das Zentrum gewesen sei.

Ansonsten erinnerte Merkel an das Leid der Vertriebenen, ihre gelungene Integration und die Verdienste des Verbandes: Die „ausgestreckte Hand“ habe die Vertriebenen zu „Botschaftern der Verständigung in Europa“ werden lassen. Auch die persönlichen Verdienste Steinbachs würdigte die Regierungschefin. Im vollbesetzten Saal des Internationalen Congress Centrums kamen die Worte gut an. Die rund tausend Menschen, die zum „Tag der Heimat“ nach Berlin gekommen waren, belohnten die Kanzlerin mit standing ovations.

Steinbach geizte in ihrer Ansprache dann nicht mit Lob für die Parteifreundin. Diese habe sich schon vor ihrem Wahlsieg 2005 an die Seite der Vertriebenen gestellt und deutlich gemacht, dass dieser Teil unserer Geschichte einen festen Platz in Berlin brauche. „All das, was Sie damals vertreten haben, ist Teil Ihrer Politik geworden. Das ist nicht selbstverständlich.“

Von der teils heftigen Debatte um das Stiftungszentrum zeigte sich Steinbach unbeeindruckt. „Mich hat der Sturm nicht umgeblasen. Denn ich weiß: Erst ein kräftiger Wind, lässt einen schönen Drachen so richtig steigen.“ Auch zu ihrer umstrittenen Kandidatur für den Stiftungsrat äußerte sich Steinbach. „Es geht nicht um mich“, sagte sie. „Es geht um die Freiheitsrechte dieses Landes.“ Unter heftigem Applaus forderte sie für die Vertriebenen das Recht ein, über ihre Vertretung selbst entscheiden zu dürfen. „Das lassen wir uns nicht nehmen - weder im Inland, noch im Ausland.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) mit der Ehrenplakette des Verbandes ausgezeichnet. Schily sei während und nach seiner Amtszeit „für die Heimatvertriebenen und die Aussiedler ein unvergesslicher Partner“ gewesen, sagte Steinbach in ihrer Laudatio.

Schily bekam seine Auszeichnung vor allem wegen einer Rede bei einer Verbandsveranstaltung zum 50. Geburtstag der Bundesrepublik. Mit dieser Rede habe der damalige Minister „die intellektuelle Mauer zwischen der politischen Linken und den Deutschen Heimatvertriebenen durchbrochen“, so Steinbach. „Sein ausgeprägtes Gefühl für Recht und Gerechtigkeit hat viel zur Entspannung zwischen politischen Gegensätzen und Meinungen beigetragen.“

Am „Tag der Heimat“ erinnern die Vertriebenen jährlich an Flucht und Vertreibung von rund 14 Millionen Deutschen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg. Als erster „Tag der Heimat“ gilt eine Kundgebung vor dem Stuttgarter Schloss am 6. August 1950, bei der die Charta der deutschen Heimatvertriebenen verkündet wurde.

ddp