Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Verteidiger im Köthen-Prozess: Keine Verurteilung wegen Todesfolge
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Verteidiger im Köthen-Prozess: Keine Verurteilung wegen Todesfolge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 14.05.2019
Köthen: Blumen und Kerzen auf einem Spielplatz an der Stelle, an der Markus B. starb. Quelle: dpa-Zentralbild
Dessau

Im Prozess um den Tod des 22-jährigen Markus B. aus Köthen im September 2018 haben die Verteidiger der beiden Angeklagten einen Freispruch vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Der Tod des 22-Jährigen könne ihren Mandanten nicht zugerechnet werden. Der schwer herzkranke Mann sei laut den gehörten Sachverständigen an einem akuten Herzversagen gestorben, erklärten die Verteidiger am Dienstag in ihren Plädoyers am Landgericht Dessau-Roßlau.

Die Staatsanwaltschaft war bereits vor einer Woche vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge abgerückt. Sie hatte Jugendstrafen wegen gemeinschaftlich begangener, gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die beiden jungen Afghanen hätten nicht mit der Herzerkrankung des 22-Jährigen und den schwerwiegenden Folgen des Angriffs rechnen können.

Aufgeheizte Stimmung

Die Verteidiger argumentierten, die Stimmung am Abend des 8. September 2018 sei durch einen vorangegangenen Streit mit einem anderen Afghanen wegen einer Vaterschaft aufgeheizt gewesen. Der damals 18 Jahre alte und mit gut zwei Promille betrunkene Afghane sei irrtümlich davon ausgegangen, dass der hinzugekommene 22-jährige Köthener ihn angreifen wollte. Der Afghane habe ihn geschubst, um ihn auf Abstand zu halten. Der junge Köthener war umgefallen und später gestorben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass einer der Angeklagten den 22-Jährigen geschlagen, und der andere den am Boden Liegenden getreten hat. Ob der jüngere Angeklagte tatsächlich gegen den Kopf des am Boden Liegenden getreten hat, ist aus Sicht der Verteidigung nicht sicher zu belegen. Es sei dunkel gewesen.

„Er war nicht da, um einzugreifen“

Die Verteidiger wiesen auf die unterschiedlichen Schilderungen der Zeugen hin. Tatsächlich Gesehenes, Erzähltes und Erdachtes seien teils vermischt worden. Es habe nicht alles bis ins letzte Detail aufgeklärt werden können. Gutachter fanden keine Spuren von schweren Schlägen oder Tritten.

Während die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der 22-Jährige in den Streit der Afghanen schlichtend eingreifen wollte, hat die Verteidigung eine andere Sicht. „Er war nicht da, um einzugreifen, das ist eine Legende, sondern um zuzusehen, wie andere sich schlagen“, sagte der Verteidiger des 19-Jährigen.

„Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen“

Der Verteidiger des jüngeren Angeklagten forderte einen Freispruch von allen Vorwürfen. Der Anwalt des Älteren sah eine Verurteilung seines Mandanten wegen Körperverletzung an dem anderen Afghanen beim Streit um die Vaterschaft als angemessen an wie auch eine Verurteilung wegen des ebenfalls angeklagten Diebstahls einer Flasche Alkohol im März 2018.

Der 17-jährige Angeklagte entschuldigte sich in seinem letzten Wort im Prozess bei der Familie für den „Unfall“. Er habe selbst im Alter von elf Jahren seinen Bruder verloren. Anschließend sei er auf der Flucht vor Gewalt und in Todesangst gewesen.

Er könne nachvollziehen, wie es für die Familie sei, jemanden aus ihrer Mitte zu verlieren. „Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen“, sagte der 17-Jährige auf Deutsch. Er wünschte der Familie Kraft.

Der ältere Angeklagte war nach der Aussage seines Anwalts so niedergeschlagen, dass er sich nicht in der Lage sah, ein abschließendes Wort zu sagen. Die Mutter des Gestorbenen, zwei Brüder und zwei Schwestern haben den Prozess seit Anfang Februar im Gerichtssaal als Nebenkläger verfolgt.

Von RND/dpa

Wer in Berlin Polizist werden möchte, muss seine Tätowierungen überprüfen. Totenköpfe sind nicht erlaubt, wie ein Gericht nun bestätigte. Und auch ein bestimmter Schriftzug fiel durch.

14.05.2019

Die Furcht vor einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran hat erste praktische Konsequenzen in Europa: Spanien zog ein Kriegsschiff aus einem US-Flottenverband zurück. Drastische Warnungen kommen von einem deutschen Diplomaten.

14.05.2019

Die Polizei hat 2018 deutlich mehr rassistische und antisemitische Straftaten registriert als im Jahr zuvor. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, diese Entwicklung müsse man "verdammt ernst" nehmen.

15.05.2019