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Deutschland/Welt Versandhaus "Quelle" wird Geschichte
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18:04 20.10.2009
Am Ende: Versandhändler Quelle
Am Ende: Versandhändler Quelle Quelle: ddp
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Nun wird das Versandhaus selbst bald Geschichte sein: Der geplante Verkauf an einen Investor ist gescheitert, ein Großteil der deutschlandweit 7000 Quelle-Mitarbeiter steht vor der Arbeitslosigkeit.

Es würden lediglich noch Mitarbeiter gebraucht, um einen „geordneten Ausverkauf“ zu machen, sagt Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und verspricht „drastische Rabatte“. Er spricht leise und räumt ein, „emotionale Schwierigkeiten“ mit der Situation zu haben. Die Oktobergehälter seien noch gesichert. Danach werden wohl nur noch wenige ihr Gehalt für Mitarbeit bei der Abwicklung bekommen.

„In zwei Jahren wird es hier keine Quelle-Mitarbeiter mehr geben“, sagt Görg über die Aussichten für die Region Nürnberg-Fürth. Kurz zuvor hatte er die Betroffenen auf einer Betriebsversammlung informiert. Einige kamen mit einem sarkastischen „Quelle sagt Danke“-Fähnchen, anderen trugen ein Plakat, auf dem der Versandhändler sinnbildlich beerdigt wurde. Es flossen Tränen, viele umarmten sich. Hoffnung gab es nicht mehr. „Das Ding ist gelaufen, Quelle ist tot“, brachte es eine Frau auf den Punkt.

Mehrere Tausend waren nach Angaben von Teilnehmern in der Versammlung dabei, schon knapp 30 Minuten nach dem Beginn verließen die ersten das Nürnberger Versandzentrum. Die Stimmung beschrieb eine Kollegin mit den Begriffen „erstarrt und erschrocken“. Es sei ganz still gewesen bei der Rede von Görg, ihm machten die Mitarbeiter auch keine Vorwürfe.

„Er hat mit Sicherheit die wenigste Schuld, schuld ist das Missmanagement seit 2002, speziell Middelhoff“, sagte ein 46-Jähriger, der zuletzt in einer Führungsposition war, über den ehemaligen Vorstandschef der Konzernmutter Arcandor. 28 Jahre hat der Mann bei Quelle gearbeitet. Seit 1. Oktober ist er freigestellt und in einer Transfergesellschaft. Deren Bestand ist jetzt akut gefährdet.

Andere können das Ende des traditionellen Versandhauses noch gar nicht fassen. „Ich hätte nie gedacht, dass man Quelle sterben lässt“, sagt Marianne Thieg. Es sei wie wenn ein Familienmitglied nicht mehr da sei, ergänzt sie erschüttert. ddp