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Deutschland/Welt Verarmungsrisiko im Osten doppelt so hoch wie im Westen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Verarmungsrisiko im Osten doppelt so hoch wie im Westen
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16:19 15.07.2009
Das Verarmungsrisiko in Ostdeutschland ist doppelt so hoch wie im Westen Deutschlands. (Symbolbild) Quelle: Axel Schmidt/ddp
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Der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy verwies darauf, dass in den ostdeutschen Ländern 16,4 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter auf „Hartz IV“ angewiesen seien. Im Westen seien es 7,4 Prozent.

Laut Adamy sind bei Alleinerziehenden im Osten die Hälfte hilfebedürftig, gegenüber 13,1 Prozent im Westen. Desweiteren sei der Anteil der ostdeutschen Kinder unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften, die auf „Hartz IV“ angewiesen seien, mit 28 Prozent mehr als doppelt so hoch. Im Westen lag die Zahl bei 13,1 Prozent. Adamy gab zu bedenken, dass mittlerweile 22,2 Prozent der ehemals Erwerbstätigen aus sozialversicherter Beschäftigung direkt in die Gruppe der „Hartz IV“ durchgereicht würden.

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Tiefensee betonte, niedrige Löhne erhöhten auch das Risiko der Altersarmut. Ein flächendeckender Mindestlohn würde dies nicht nur vermindern, es wäre auch ein „weiterer wichtiger Schritt zur Vollendung der sozialen Einheit.“ Denn das Armutsrisiko hänge „in erster Linie“ von Arbeitsplätzen ab. Als weitere Maßnahmen forderte der Ost-Beauftragte, die Kinderbetreuung auszubauen und Niedrigverdiener vor dem Weg in die staatliche Grundsicherung im Alter zu bewahren. Dafür seien „zusätzliche soziale Leistungen“ nötig.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, befand mit Blick auf die DGB-Zahlen: „Der Aufbau Ost als Nachbau West ist gescheitert.“ Er forderte einen sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft, der „die soziale Teilhabe, Bildung und Lernen, Re- und Neuindustrialisierung schwerpunktmäßig im Bereich der erneuerbaren Energien, Arbeit und Beschäftigung sichert.“

Der DGB hatte bereits am Dienstag brisante Zahlen vorgelegt und davor gewarnt, dass aufgrund der Wirtschaftskrise mit einem hohen Anstieg der „Hartz IV“-Empfänger zu rechnen sei. Die Daten für das erste Halbjahr 2009 seien alarmierend. Nach Angaben des DGB sind im ersten Halbjahr 2009 rund 2,2 Millionen Menschen aus der Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos geworden. Rund 655 000 Betroffene waren gleich auf „Hartz IV“ angewiesen. Insgesamt waren im Februar 2009 laut DGB rund 4,9 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter auf „Hartz IV“ angewiesen. Die Zahl der Empfänger werde bis 2010 voraussichtlich noch einmal um 450 000 Fälle ansteigen, hieß es.

ddp