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Deutschland/Welt Verantwortlicher entschuldigt sich öffentlich für My-Lai-Massaker
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Verantwortlicher entschuldigt sich öffentlich für My-Lai-Massaker
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12:08 22.08.2009
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„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Bedauern über das empfinde, was damals in My Lai geschah“, sagte Calley vor Mitgliedern des Kiwanis Club von Columbus im US-Bundesstaat Georgia: „Ich fühle Reue wegen der Vietnamesen, die getötet wurden, wegen ihrer Familien und der US-Soldaten, die beteiligt waren, und ihrer Angehörigen - es tut mir sehr leid.“ Calley äußerte sich bereits am Mittwoch, bekannt wurde seine Entschuldigung aber erst am Sonnabend.

Das Massaker ereignete sich am 16. März 1968 in der kleinen südvietnamesischen Ortschaft My Lai, nach US-Schätzungen wurden zwischen 347 und 504 unbewaffnete Dorfbewohner getötet. Ans Licht kam die Greueltat erst rund anderthalb Jahre später, als der Journalist Seymour Hersh nach langen Gesprächen mit Calley über das Verbrechen schrieb. Das Massaker von My Lai löste weltweit Empörung und Entsetzen aus. Nach Bekanntwerden des Massakers ließ die Unterstützung in den USA für den Vietnamkrieg deutlich nach.

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Das Massaker nahm seinen Anfang, als auf Calleys Kommando hin seine Männer in My Lai und anderen Ortschaften das Feuer auf Zivilisten eröffneten. Die Opfer waren vor allem alte Männer, Frauen und Kinder, weil die meisten jungen Männer bei der Feldarbeit waren. Nach Zeugenaussagen beim Prozess gegen Calley trieben die US-Soldaten dutzende Menschen in einen Graben, wo sie sie mit Schnellfeuerwaffen erschossen. Eine Gruppe von 70 bis 80 Zivilisten wurde demnach im Zentrum My Lais von Calley selbst und einigen seiner Soldaten getötet. Zudem erschoss Calley die Menschen zweier weiterer großer Gruppen von Dorfbewohnern - mit einer Waffe, die einem Soldaten gehörte, der Calleys Befehle verweigert hatte.

Im Kiwanis Club sagte er auf eine Frage aus dem Publikum: „Wenn Sie wissen wollen, warum ich mich nicht gewehrt habe, als ich die Befehle bekam, dann muss ich sagen, dass ich ein Unterleutnant war, der Befehle seines Kommandeurs entgegennahm, und ich habe sie befolgt - dummerweise, würde ich sagen.“

Calley wurde für seine Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch nach drei Jahren Hausarrest auf Intervention des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon wieder freigelassen. Danach ließ Calley sich in Columbus in Georgia nieder und arbeitete im Schmuckgeschäft seines Schwiegervaters. Heute lebt er in Atlanta. Calleys direkter Vorgesetzter wurde zwar wegen My Lai ebenfalls vor Gericht gestellt, wurde jedoch von einem Star-Anwalt verteidigt und 1971 in allen Anklagepunkten freigesprochen.

Ein Überlebender des Massakers von My Lai sagte am Sonnabend, er begrüße Calleys öffentliche Entschuldigung, kritisierte aber, sie komme zu spät: „Es ist eine Angelegenheit aus der Vergangenheit, und wir akzeptieren seine Entschuldigungen - doch sie kommen zu spät“, sagte Pham Thanh Cong, der heute ein kleines Museum in My Lai leitet: „Mir wäre es schon lieber, wenn er seine Entschuldigung als Brief oder E-Mail an mich schickte. “ Er wolle, dass Calley nach Vietnam zurückkehre und sich die Lage vor Ort anschaue. Vielleicht bereue er „seine Verbrechen und Fehler“ von vor über 40 Jahren inzwischen ja tatsächlich. Cong verlor bei dem Massaker seine Mutter und seine Brüder.

afp