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Deutschland/Welt Unruhen zum „Tag des Zorns“ in Jerusalem
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Unruhen zum „Tag des Zorns“ in Jerusalem
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19:52 16.03.2010
Zwei Palästinenser versuchen einen Kontrollpunkt in Jerusalem zu überqueren.
Zwei Palästinenser versuchen einen Kontrollpunkt in Jerusalem zu überqueren. Quelle: dpa
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Gut 60 Palästinenser wurden dabei nach Polizeiangaben am Dienstag festgenommen. 14 israelische Polizisten erlitten Verletzungen. Auch im Gazastreifen gingen aus Protest gegen die Lage in Jerusalem Tausende von Palästinensern auf die Straße. Der amerikanische Nahost- Gesandte George Mitchell verschob unterdessen einen geplanten Vermittlungsbesuch vor dem Hintergrund des jüngsten Siedlungsstreits mit Israel.

Von den frühen Morgenstunden an warfen Demonstranten in verschiedenen arabischen Vierteln im Norden und Osten Jerusalems mit Steinen und zündeten Autoreifen an. Sie folgten damit dem Aufruf der Hamas zum „Tag des Zorns“. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Nach palästinensischen Krankenhausangaben wurden zwei Demonstranten im Gesicht verletzt, einer durch ein Hartgummi-Mantelgeschoss. Aus Furcht vor neuer Gewalt zog die Polizei hunderte weitere Sicherheitskräfte in Jerusalem zusammen. Bis Freitag soll erhöhte Alarmbereitschaft gelten.

Hintergrund der Unruhen sind Befürchtungen der Palästinenser, rechtsgerichtete Israelis könnten auf den Tempelberg in Jerusalem vordringen, um dort den Grundstein für einen neuen jüdischen Tempel zu legen. Muslime verehren den Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom als Haram al-Scharif (Edles Heiligtum). Er steht nach jüdischer Überlieferung auf den Überresten des im Jahre 70 zerstörten zweiten jüdischen Tempels. Polizeisprecher Rosenfeld betonte am Dienstag, weder jüdische Gruppen noch Touristen dürften gegenwärtig die umkämpfte heilige Stätte besuchen. „Auf den Tempelberg dürfen nur muslimische Gläubige, die älter als 50 Jahre alt sind.“

Am Montagabend war im jüdischen Viertel Jerusalems nahe dem Tempelberg eine alte Synagoge wieder eingeweiht worden. Palästinenser legten dies als Beweis für israelische Pläne zur Ausweitung der Kontrolle in Jerusalems Altstadt und weitere Bedrohung des Tempelbergs aus. In Jordanien demonstrierten am Dienstag mehrere hundert Menschen gegen die Einweihung der Churva-Synagoge. Das jüdische Viertel ist Teil der Altstadt, die Israel 1967 erobert hatte.

Unklar war am Dienstag, wann US-Vermittler Mitchell seine geplante Nahost-Reise nun antreten wird. Das Büro des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres teilte mit, man sei von der US- Botschaft über die Absage informiert worden. Ein für Dienstag geplantes Treffen zwischen Mitchell und Peres werde daher nicht stattfinden. Mitchell sollte bei indirekten Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln. Ein Sprecher der US- Botschaft in Tel Aviv teilte diplomatisch mit, Ursache des Aufschubs sei nicht der jüngste Siedlungsstreit, sondern es gebe „logistische Gründe“.

Die USA hatten Israels Pläne, in Ramat Schlomo im Nordosten Jerusalems 1600 neue Wohnungen zu bauen, heftig kritisiert. Die Aktion „habe das Vertrauen und die Zuversicht für den Friedensprozess und die amerikanischen Interessen untergraben“, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley am Montag in Washington.

Nach israelischen Medienberichten hat US-Außenministerin Hillary Clinton dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mehrere Forderungen unterbreitet, darunter einen Stopp des Bauprojekts in Ramat Schlomo. Die USA warteten auf eine offizielle Antwort der israelischen Regierung, sagte Crowley.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton setzte am Dienstag ihre Nahostreise fort und traf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Assad forderte eine eindeutigere Haltung der Europäischen Union im Nahostkonflikt. Anschließend reiste Ashton in den Libanon weiter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einen Richtungswechsel von Israel. Die Situation im weitgehend abgeriegelten Gazastreifen sei außerordentlich besorgniserregend, sagte Ban am Dienstag im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. „Sie ermutigt Schmuggler und gibt Extremisten Auftrieb.“ Weil er über die Entwicklung „zutiefst frustriert“ sei, werde er nach den Gesprächen des Nahostquartetts - UN, USA, EU und Russland - am Freitag in Moskau in den Nahen Osten reisen. „Es ist Zeit für einen Richtungswechsel“, sagte er.

dpa