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19:20 29.10.2009
Tränenreicher Abschied: Ulla Schmidt ist traurig.
Tränenreicher Abschied: Ulla Schmidt ist traurig. Quelle: ddp
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VON CHRISTOPH SLANGEN
UND RASMUS BUCHSTEINER

BERLIN. Ulla Schmidt hat beim Abschied eine Träne im Auge, Peer Steinbrück einen überdimensionierten Rotstift für seinen Nachfolger Wolfgang Schäuble dabei. Trauer, Wehmut, politische Testamente im Kurzformat, aber auch Scherze und symbolische Geschenke gabs gestern in den Bundesministerien.

Stabwechsel in Berlin: Alte Minister gehen, neue kommen, mancher wechselt einfach nur von einem Ressort ins andere. Und jeder präsentiert sich auf seine Weise den neugierigen Mitarbeitern. FDP-Mann Philipp Rösler, als neuer Gesundheitsminister der Shootingstar des Kabinetts, gibt sich am Morgen im Atrium des Bundesgesundheitsministeriums ganz natürlich: „Ich gelte eigentlich als pflegeleicht.“

Kein „Big Bang“

Schmidt bekennt, es sei „der schwerste Tag“ in ihren fast neun Ministerjahren. Die Gesundheitsministerin mit der längsten Amtszeit warnt vor Lobbyisten – und vor der Hoffnung auf die eine Gesundheitsreform, die alle Probleme löst. „Es gibt nicht den Big Bang im Gesundheitswesen.“

Auf Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung wartet nach seiner Amtsübernahme von Olaf Scholz sofort der erste Einsatz an der Arbeitsmarktfront: Er präsentiert die Arbeitsmarktzahlen für den Monat Oktober – ein Einstand nach Maß, denn Jung kann auf eine erfreuliche Entwicklung verweisen (siehe Seite 2). Der Mann mit dem wohl schwersten Job im neuen Kabinett – Finanzminister Wolfgang Schäuble –stimmt seine neuen Mitarbeiter auf die Arbeit ein: „Wir müssen unmittelbar handeln.“ In der Führungsspitze des Hauses greift Schäuble erst einmal auf Staatssekretäre seines SPD-Vorgängers zurück. „Ich bin ein Mensch, der allen vertraut“, sagt er vor den Ministerialen, die sich in der großen Halle im ersten Stock drängen.

Wink mit Zaunpfahl

Peer Steinbrück gibt sich cool: Amtswechsel seien normal, also sei „keine Demut angesagt, keine Larmoyanz“. Doch Seitenhiebe auf die schwarz-gelben Finanzpläne kann er sich nicht verkneifen: Und so war der gut einen Meter lange Rotstift aus Plastik, den er seinem Nachfolger als Geschenk reichte, ein Wink mit dem Zaunpfahl: Ohne Sparen wirds nichts.

Mit „einer ganz dicken Träne“ in einem Auge gehe er, gesteht CSU-Mann Karl-Theodor zu Guttenberg. Volles Haus hier in der Aula des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an der Berliner Scharnhorststraße bei der Personalversammlung zum Staffelwechsel. Abschied von Kurzzeitminister zu Guttenberg – nach acht Monaten im Amt. FDP-Nachfolger Rainer Brüderle ist schon am ersten Tag voll in seinem Element. „Noch schöner wäre es gewesen, wenn Sie Opel schon abgewickelt hätten“, frotzelt der 64-Jährige. Flapsige Bemerkungen, die bei den Opel-Beschäftigten sicher weniger gut ankommen dürften.