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Deutschland/Welt Übersicht ist der größte Mangel der Bundeswehr
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05:30 31.01.2019
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit einem der neuen Nachtsichtgeräte der Bundeswehr. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin

Es sollte ein besonderer Tag sein, dieser Januartag vor zwei Wochen. Die Verteidigungsministerin hatte sich extra aufgemacht in eine Kaserne. Nachtsichtbrillen wurden übergeben, 132 Stück. „Ein guter Tag für die Truppe“, sagte Ursula von der Leyen und blickte durch eines der fernglasähnlichen Geräte.

Die Bundeswehr hat also schon einen guten Tag, wenn es 132 Nachtsichtbrillen mehr gibt. Eigentlich ganz praktisch, zumindest wenn man kurz außer Acht lässt, dass noch mehrere Tausend fehlen.

Tatsächlich ist es offenbar so, dass der größte Mangel in der Bundeswehr die Übersicht ist. Das hat lange Tradition. Aber Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die angetreten war mit dem Versuch, den Laden aufzuräumen, ist mittlerweile selbst mitten drin im Nebel.

Der Bundeswehr geht es eigentlich so gut wie lange nicht

Die Affären um die explodierenden Kosten des Schulschiffs Gorch Fock und um die externen Berater des Ministeriums, in denen das Warnlämpchen im Ministerbüro offenbar erst sehr spät anging, machen das deutlich.

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Dabei geht es der Bundeswehr eigentlich so gut wie lange nicht. Zumindest ist mal wieder Geld da. Der Verteidigungshaushalt ist mit 43,2 Milliarden Euro auf einem Rekordniveau. Die Koalition hat festgelegt, dass Etatüberschüsse vor allem auch in die Bundeswehr fließen sollen.

Aber das viele Geld hat einen Grund: Die Bundeswehr soll mehr leisten als bisher, vor allem in der Bündnisverteidigung der Nato.

Mangelnde Flexibilität und eine Überdosis Bürokratie

Die Truppe wird also wieder aufgebaut. Aber Nachwuchsgewinnung in Zeiten von Fachkräftemangel ist schwer. Ein Fünftel der Dienststellen ist unbesetzt. Aber selbst wenn alle Soldaten da wären: U-Boote fahren nicht, Hubschrauber fliegen nicht.

Soldaten kaufen sich Gehörschutz oder Sprechgeräte selber, weil das Warten auf den Dienstherrn zu lange dauert. Eine Resterampe ist die Truppe deswegen noch lange nicht, gravierend sind die Mängel dennoch.

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Und der Hauptgrund dafür ist ganz offenkundig mangelnde Flexibilität und eine Überdosis Bürokratie. Die Bundeswehr ist ein Irrgarten der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten.

Doppelstrukturen können gut sein für die Kontrolle. Aber in der Bundeswehr geschieht offenbar häufig genau das Gegenteil: Blockade.

Attraktiv wird die Bundeswehr auf diese Weise nicht

Von der Leyen hat zwar versucht, die endlosen Verschiebereien von Rüstungsprojekten nicht mehr hinzunehmen wie Naturereignisse. Aber dass Handschuhe schneller bestellt werden können als Panzer, scheint sich noch nicht als Erkenntnis durchgesetzt zu haben.

Viel ist aus dem Schwung also bislang nicht geworden. Im Gegenteil: Mit von der Leyens Heer an externen Beratern bekam das Ministerium noch eine weitere Schicht, mit wieder ganz eigenen Interessen.

Attraktiver für neue Bewerber wird die Bundeswehr auf diese Weise nicht. Und Forderungen nach mehr Geld muss zumindest mit Skepsis begegnet werden, solange die Bundeswehr von Verantwortlichen verwaltet wird, von denen nicht klar ist, ob sie den Bedarf richtig einschätzen können.

Von Daniela Vates/RND

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