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Deutschland/Welt US-Tarnkappenbomber am Persischen Golf
Nachrichten Politik Deutschland/Welt US-Tarnkappenbomber am Persischen Golf
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11:08 30.04.2012
Von Stefan Koch
US-Präsident Obama erhöht mit zunehmender Luftpräsenz den Druck auf den Iran. Quelle: dpa
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Washington

Die Luftflotte, zu der auch Tarnkappenbomber des Typs F 22 zählen, soll in Al Dafra Position beziehen - nur 300 Kilometer Luftlinie vom iranischen Territorium entfernt. Zusammen mit den Marineverbänden besitzen die USA damit eine bemerkenswerte Truppenstärke in der Krisenregion.
Wie die Zeitschrift „Aviation Week" berichtet, wird der Luftwaffenverband nahe der iranischen Grenze mit der modernsten Technik ausgestattet, über die das amerikanische Militär zurzeit verfügt. Die F-22-Maschine - „Raptor", Greifvogel genannt - kostet pro Stück umgerechnet etwa 140 Millionen Euro. Bemerkenswert ist auch, dass mehrere Tankflugzeuge die Armada ergänzen, um das potentielle Einsatzgebiet der Maschinen deutlich zu erhöhen. In den vergangenen Wochen hatten Militärexperten mehrfach darauf hingewiesen, dass der israelischen Armee ohne die Unterstützung der US Air Force ein Angriff auf die iranischen Atomforschungsanlagen kaum möglich wäre.

Walter Pincus, ein anerkannter politischer Beobachter in Washington, schrieb am Wochenende in der „Washington Post", dass Präsident Barack Obama mit dieser Truppenverlegung den Druck auf die Regierung von Mahmud Ahmadinedschad kräftig erhöht. Obama hatte zwar in der Vergangenheit bereits betont, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen". Nun aber könne das Weiße Haus tatsächlich innerhalb kürzester Zeit einen Angriff starten. Das Militär steht offenbar bereit: „Wenn sich der Iran mit uns messen will, unsere Einheiten stehen bereit", sagte Robert Brooks, Kommandeur der Massachusetts Air National Guard, bei der Abschiedszeremonie für die Soldaten. Tatsächlich wurden aus Brooks' Verband bereits im März Bomber vom Typ F 15 und mehrere Hubschrauber auf den Stützpunkt Al Dafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten gebracht.

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Dagegen sendete Washington auf diplomatischer Ebene an diesem Wochenende geradezu gegenteilige Signale: Um einen größeren Verhandlungsspielraum zu gewinnen, will die US-Regierung Teheran das zivile Atomprogramm offenbar ausdrücklich zugestehen. Uran-Anreicherungen von fünf Prozent sollen - unter strenger internationaler Aufsicht - in Zukunft möglich sein. Strickt untersagt bleiben soll allerdings die höhere Anreicherung, die zum Atombombenbau notwendig wäre.

Offiziell wird die Bedeutung des Truppenaufmarschs am Persischen Golf heruntergespielt. Dem US-Sender „ABC News" sagte John Dorrian, ein Sprecher der Luftwaffe, dass es sich um einen gewöhnlichen Einsatz handeln würde. Konkrete Angaben zur Anzahl der Bomber, die mittlerweile nahe dem Iran stationiert sind, lehnte der Oberstleutnant allerdings ab.

Wie unterschiedlich die Bedrohung durch das iranische Atomforschungsprogramm eingeschätzt wird, zeigt sich in diesen Tagen nicht zuletzt in Jerusalem. Juval Diskin, israelischer Geheimdienstchef von 2005 bis 2011, warf der Regierung von Benjamin Netanjahu in der Irankrise schweres Versagen vor. Der Ministerpräsident und Verteidigungsminister Ehud Barak würden durch ihre „Kriegsrhetorik" den Iran zum beschleunigten Bombenbauen erst provozieren. Bisher sei das Mullah-Regime noch weit von einsatzfähigen Kernwaffen entfernt, so Diskin.

Am 23. Mai sollen die Atomgespräche zwischen dem Iran und der sogenannten Fünfergruppe - bestehend aus den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, in Bagdad fortgesetzt werden.