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Deutschland/Welt Trauer um tote Bundeswehrsoldaten in Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Trauer um tote Bundeswehrsoldaten in Afghanistan
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15:23 18.04.2010
1500 Soldaten erweisen den vier im Kampf gestorbenen Deutschen die letzte Ehre. Quelle: dpa
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„Von ihnen nehmen wir nun Abschied als wäre es ein Stück von uns“, sagte der Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker vor den Särgen der am Donnerstag gestorbenen Soldaten.

Wieker warnte vor einer Fortsetzung der innenpolitischen Debatte in Deutschland über den Sinn und die Dauer des Afghanistan-Einsatzes. Die Taliban betrachteten es als „strategisches Spiel“, den Rückhalt der Bundeswehrsoldaten in der Heimat und die politische Entschlossenheit von Regierung und Parlament zu beeinträchtigen.

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Der Gegner wolle „eine öffentliche Debatte in Deutschland, deren Dramaturgie er durch Zeit, Ort und Wahl der Mittel“ bestimmen könne. „Aber das dürfen und das werden wir nicht zulassen, um unserer Sicherheit und der afghanischen Bevölkerung Willen“, sagte Wieker. In Deutschland waren nach den jüngsten Todesnachrichten aus Afghanistan in der Opposition die Forderungen nach einem schnellstmöglichen Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch lauter geworden. Seit dem Einsatzbeginn 2001 starben in Afghanistan bereits 43 deutsche Soldaten.

Der Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger, bekräftigte bei der Trauerfeier den Willen der Truppe zur Fortsetzung des Einsatzes. „Es bleibt dabei: Wir geben nicht klein bei. Wir werden weiter kämpfen. Und wir werden gewinnen.“ Die tödlichen Anschläge der radikalislamischen Taliban auf die Bundeswehr seien von „schamlosen, feigen Männern“ verübt worden. Der Feind fordere die Welt mit seiner auf Hass und Abneigung gegründeten Ideologie heraus. „Wir stehen hier an der Frontlinie zur Abwehr dieser Bedrohung“, sagte Leidenberger.

Am Donnerstag waren in der nordafghanischen Provinz Baghlan insgesamt vier Bundeswehrsoldaten durch die Explosion einer Sprengfalle sowie durch Raketenbeschuss getötet worden. Alle vier Toten stammen aus Süddeutschland. Dabei handelt es sich um einen 33- jährigen Oberstabsarzt aus Ulm (Baden-Württemberg) sowie einen 38-jährigen Major aus Weiden und zwei 24 und 32 Jahre alte Soldaten aus Ingolstadt (Bayern).

Die Särge sollten nach der Trauerfeier zum Stützpunkt Termes in Usbekistan geflogen werden. Wann von dort aus der Rücktransport nach Deutschland starten kann, ist wegen des geltenden Flugverbots in Europa weiter unklar.

Bei den Anschlägen vom Donnerstag wurden fünf weitere Bundeswehrsoldaten zum Teil schwer verletzt. Die Verwundeten waren am Freitag nach Istanbul ausgeflogen worden, wo sie in einem US- Militärkrankenhaus behandelt werden. Zwei Schwerverletzte sind noch nicht transportfähig. Ihr Gesundheitszustand sei aber weiter stabil, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Sonntag in Berlin.

dpa

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Weil das Flugzeug mit Bundeswehrsoldaten wegen schlechten Wetters nicht vom Feldlager Kundus zum ISAF-Hauptquartier für Nordafghanistan in Masar-i-Scharif starten konnte, wurde die Trauerfeier für die vier getöteten Soldaten auf Sonntagnachmittag verschoben.

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