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Deutschland/Welt Taylor weist vor Sierra-Leone-Sondertribunal alle Vorwürfe zurück
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Taylor weist vor Sierra-Leone-Sondertribunal alle Vorwürfe zurück
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14:33 14.07.2009
Dem Ex-Präsidenten Liberias, Charles Taylor, werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Punkten vorgeworfen, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten. Quelle: afp
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Vor dem Haager Sondertribunal für Sierra Leone wies Taylor am Dienstag Vorwürfe zurück, er habe die Rebellen der RUF im Bürgerkrieg in Sierra Leone mit Waffen versorgt und dafür Diamanten erhalten. „Kein Mensch glaubt, dass ich (...) mit der RUF gehandelt und Diamanten für Waffen oder Diamanten für irgendetwas sonst angenommen habe“, sagte der 61-Jährige auf entsprechende Fragen seines Verteidigers Courtenay Griffiths.

Griffiths, der einen Zeugen der Anklage zitierte, fragte Taylor, ob dieser von den Rebellen „Mayonnaise-Gläser voller Diamanten“ in Empfang genommen habe. Taylor erwiderte, er habe weder „Mayonnaise-Gläser noch Kaffee-Gläser noch Diamanten-Gläser“ bekommen: „Das ist eine Lüge, eine teuflische Lüge“, sagte der frühere Staatschef, der seit Januar 2008 in den Niederlanden vor Gericht steht. Er habe der RUF keinerlei militärische Hilfe geleistet. Zur Misshandlung und Verstümmelung zahlreicher Zivilisten in Sierra Leone durch die Rebellen sagte er, es sei unmöglich, dass er Derartiges jemals angeordnet habe.

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Der Anklage zufolge führte Taylor während des Bürgerkriegs in Sierra Leone unter der Hand die RUF an. Er soll den Rebellen Waffen und Munition geliefert und im Gegenzug Zugang zu den Bodenschätzen des Nachbarlandes - vor allem Diamanten und Edelholz - bekommen haben. Taylor werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Punkten vorgeworfen, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten. Im Bürgerkrieg in Sierra Leone von 1991 bis 2001 starben rund 120.000 Menschen, Tausende wurden verstümmelt. 1997 wurde Taylor zum Präsidenten Liberias gewählt.

Taylor ist der erste Zeuge, den die Verteidigung in den Zeugenstand ruft. Der Prozess gegen ihn wurde im Februar ausgesetzt, nachdem die Anklage den letzten ihrer 91 Zeugen aufgerufen hatte. Im Zeugenstand erschien Taylor im dunkelgrauen Anzug mit weißem Hemd und goldenen Manschettenknöpfen. Er stellte sich vor als „Dakpenah Doktor Charles Ghankay Taylor, 21. Präsident der Republik Liberia“ und fügte hinzu, „sein Leben lang“ für das gekämpft zu haben, was er „für richtig und im Interesse der Gerechtigkeit“ gehalten habe. Unter Eid kündigte er an, vor Gericht „nichts als die Wahrheit“ zu sagen. Mit einem Urteil im Taylor-Prozess wird Mitte 2010 gerechnet.