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Deutschland/Welt Südafrikas Farmer fürchten nach Mord an Neonazi um ihr Leben
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Südafrikas Farmer fürchten nach Mord an Neonazi um ihr Leben
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20:42 05.04.2010
„Retter des burischen Volkes“: Neonazi Eugene Terre Blanche. Quelle: afp
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Viel hatte man von Eugene Terre Blanche jüngst nicht mehr vernommen. Es war still geworden um den burischen Rechtsextremisten, dessen rassistische Afrikaner Weerstandsbewegung (AWB) Anfang der neunziger Jahre die Abschaffung der Apartheid gewaltsam verhindern wollte. Seine Farm in der Nähe von Ventersdorp, 200 Kilometer westlich von Johannesburg, soll der frühere Polizist, der nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe wegen Misshandlung eines schwarzen Farmarbeiters angeblich zum bekennenden Christen konvertierte, zuletzt nur noch selten verlassen haben. Am Sonnabend ist der 69-Jährige ermordet worden. Die brutale Tat hat dem selbst ernannten Retter des burischen Volkes noch einmal jene Aufmerksamkeit beschert, die er zeit seines Leben suchte.

Offenbar war Terre Blache am Sonnabend gegen 18 Uhr mit zwei Farmarbeitern über die Höhe ihres Lohns in Streit geraten und von den 16 und 21 Jahren alten Schwarzen daraufhin mit einer Machete bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet worden. Die beiden Täter stellten sich nach der Tat und werden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt.

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Während Präsident Jacob Zuma in einer Fernsehansprache die Nation zur Ruhe aufrief, war die Empörung in rechten Kreisen hoch. Dies überrascht nicht: Seit Langem schürt vor allem die Jugendliga von Zumas regierendem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) den Rassenhass am Kap. Als Triebfeder agiert dabei ihr 29-jähriger Präsident Julius Malema, ein Populist ohne Schulbildung, dem Zuma noch im vergangenen Jahr zur allgemeinen Bestürzung bescheinigt hatte, das Zeug zum künftigen Führer des ANC zu haben. Seit dem Machtantritt Zumas vor einem Jahr ist Malema zum Idol der desillusionierten schwarzen Jugend geworden – und singt bei seinen Auftritten regelmäßig den populären alten ANC-Kampfsong „Tötet den Farmer, tötet den Buren“ („Kill the farmer, kill the boer“). Ironischerweise war ihm das erst im vorigen Monat gerichtlich erneut untersagt worden, ohne dass er dem Urteil Folge geleistet hätte.

Dabei gibt es nach Ansicht der liberalen Demokratischen Allianz wenig Zweifel, dass der Song „ein Klima schafft, in dem Gewalt als angemessene Antwort auf gesellschaftliche Probleme“ angesehen wird. Jede Wochen sterben durchschnittlich zwei Farmer bei Überfällen auf ihre Höfe. Seit 1991 ist es zu rund 10 000 Angriffen gekommen, bei denen fast 2000 Landwirte umkamen – weit mehr als im benachbarten Simbabwe. Keine andere Berufsgruppe lebt in Südafrika gefährlicher, klagen Standesvertreter in der Provinz Nordwest, in der auch Terre Blanche erschlagen wurde.

Mit jedem Mord wächst das Gefühl, den Angreifern angesichts der Untätigkeit der Regierung schutzlos ausgeliefert zu sein. Dabei sind alle Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um Angriffe von Diebesbanden handelt – und nicht um eine konzertierte Aktion zur Vertreibung von weißen Farmern.

Aber die Folgen sind verheerend: Seit 1994 ist die Zahl der kommerziellen Farmer von 62 000 auf 40 000 gesunken. 2009 musste Südafrika erstmals kurzfristig Lebensmittel importieren. Chris van Zyl, Sicherheitsbeauftragter der Transvaal Agricultural Union, fürchtet, dass weitere 20 000 Farmer auswandern werden. Die Nahrungssicherheit in Südafrika könnte dann dauerhaft gefährdet sein.

Wolfgang Drechsler