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Deutschland/Welt Straßenblockade mit Schafen und Ziegen im Wendland
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Straßenblockade mit Schafen und Ziegen im Wendland
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16:27 09.11.2010
Mit den Blockaden sollen unter anderem Verbindungswege für die Polizei abgeschnitten werden.
Mit den Blockaden sollen unter anderem Verbindungswege für die Polizei abgeschnitten werden. Quelle: dpa
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Der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll hat am Montag das Wendland erreicht und sollte noch in der Nacht auf seine letzte und zugleich schwierigste Etappe gehen. Rund 3000 Menschen blockierten die Zufahrt zum Zwischenlager Gorleben, wo der Abfall aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague aufbewahrt werden soll. Die Demonstranten wollten dort auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ausharren - so lange, bis die Polizei ihre Sitzblockade räumt.

Auch an anderen Orten versperrten Bauern mit Treckern das letzte Teilstück, das der Atommüllbehälter auf Tiefladern zurücklegen sollte. Auch 1200 Schafe und 500 Ziegen wurden auf die Transportstrecke getrieben. Viele Demonstranten waren nach tagelangen Protestaktionen zwar am Rande ihrer Kräfte. Sie wollten aber weitermachen, bis der Transport das Zwischenlager erreicht. Auch die Polizei mobilisierte nach Gewerkschaftsangaben ihre bundesweit letzten Reserven. 20.000 Beamte sind im Einsatz, um den Transport sicher ans Ziel zu bringen.

In der Nacht zu Montag war der Transport gut 30 Kilometer vor der letzten Zwischenstation, dem Verladebahnhof Dannenberg, von der größten Massenblockade aufgehalten worden, die es in der Geschichte des Wendlandes je gab: Mehr als 3500 Menschen stürmten die Bahngleise und schliefen dort teilweise auch. Die Polizei räumte die Strecke erst nach Stunden.

In Dannenberg angekommen konnte der am Freitag in La Hague auf die Reise geschickte Behälter planmäßig vom Zug auf Tieflader umgeladen werden. Um kurz nach 16.15 Uhr war der fünfte von insgesamt elf Behältern verladen - pro Stück wird mit etwa einer Stunde Umladezeit kalkuliert.

Bei den Auseinandersetzungen entlang der Bahnstrecke gab es nach Angaben der Kampagne „Castor Schottern“ fast 1000 Verletzte auf Seiten der Demonstranten, darunter auch mindestens eine Schwerverletzte. Die Polizei machte bislang keine eigenen Angaben zur Zahl der Verletzten.

Schon vor der Ankunft im Zwischenlager Gorleben war klar, dass der Transport diesmal länger dauern würde als alle elf seit 1995. Auch deswegen ging der politische Streit über die Atompolitik in Berlin am Montag unvermindert heftig weiter. „Wer längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschließt, darf sich nicht über längere Laufzeiten für Castor-Transporte wundern“, sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.

In Berlin wies SPD-Chef Sigmar Gabriel der Bundesregierung die Schuld an den verschärften Auseinandersetzungen zu. Die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke habe die Proteste wieder explosionsartig steigen lassen, sagte frühere SPD-Umweltminister. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, die Bundesregierung müsse diese Entscheidung zurücknehmen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigte den Transport erneut. Die Entsorgung von Abfällen aus Kernenergie sei notwendig und ohne Alternative. Atomkraftgegner forderten Röttgen auf, umgehend nach Gorleben zu kommen. Dies lehnte der Minister aber ab. Er versprach einen Besuch vor Weihnachten.

dpa

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