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Deutschland/Welt Sollen Autofahrer zum Gesundheitstest?
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Sollen Autofahrer zum Gesundheitstest?
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15:55 12.04.2012
Senior am Steuer: Kein besonderes Unfallrisiko bei über 65-Jährigen? Quelle: dpa
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Berlin

Wegen zunehmender Sehprobleme im Alter hat Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) verpflichtende Gesundheitstests für alle Autofahrer angeregt. Neumann sprach sich in der „Bild“-Zeitung dafür aus, dass sich Autofahrer spätestens alle 15 Jahre ärztlich auf ihre Fahrtauglichkeit untersuchen lassen. Auch die Grünen dringen seit Jahren auf eine Art „Senioren-TÜV“.

Die Bundesregierung, der ADAC und die Gewerkschaft der Polizei setzen dagegen auf freiwillige Maßnahmen. “Ältere Verkehrsteilnehmer dürfen nicht diskriminiert werden. Entscheidend für die Fahrtüchtigkeit ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der „Bild“.

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Neumann verwies darauf, dass ab 2013 EU-weit der Führerschein jeweils nur noch für 15 Jahre gilt. Der SPD-Politiker betonte: „Bei der Verlängerung von Führerscheinen darf es keinen Automatismus mehr geben. Der Bundesverkehrsminister sollte die Chance nutzen, parallel zur Einführung der 15-jährigen Befristung von Führerscheinen auch regelmäßige Gesundheitstests zur Pflicht zu machen.“

Der Hamburger Innensenator stützt sich bei seiner Forderung auf neue Zahlen, die aber nur Hamburg betreffen. Danach haben Senioren ab 65 Jahren mit 61,6 Prozent dort den höchsten Verursacheranteil am Unfallgeschehen. Unterstützung erhielt er vom verkehrspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn. Er forderte in der Zeitschrift „AutoBild“, den Gesundheits-Check schon jetzt vorzuschreiben, wenn der Führerschein älter als 15 Jahre ist: „Die eigene Fahrtauglichkeit falsch einzuschätzen ist keine Altersfrage.“

Der ADAC und die Gewerkschaft der Polizei halten dagegen nichts von verpflichtenden Gesundheitstests. „Eine Verpflichtung zum Gesundheitscheck lehnen wir ab“, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel der Nachrichtenagentur dpa. „Das kommt einer Diffamierung gleich.“ Die Statistiken böten dafür auch keinen Anlass, sagte Hölzel. Autofahrer über 65 seien nur bei 13 Prozent aller Unfälle der Verursacher, sie hätten aber einen Bevölkerungsanteil von rund 20 Prozent. Erst jenseits von 80 Jahren würde das Problem akuter. Hier komme es darauf an, dass sich der Fahrer selbst hinterfragt und das familiäre Umfeld auf entsprechende Überprüfungen dringe.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, sagte der dpa: „Es wäre natürlich schön, wenn man sich ab einem bestimmen Alter auf freiwilliger Basis einem Sehtest oder einer anderen gesundheitlichen Überprüfung unterziehen würde. Aber es generell vorzuschreiben, ist aus meiner Sicht nicht erforderlich.“

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der verunglückten Senioren im Verkehr von 41 943 (2005) auf 40 502 (2010) um rund neun Prozent zurückgegangen. Der Anteil von Senioren als Verursacher stieg hingegen von 10,8 Prozent (2005) auf 12,8 Prozent (2010) - allerdings steigt auch die Zahl alter Autofahrer.

dpa