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Deutschland/Welt So skrupellos tricksen Vermieter die Mietpreisbremse aus
Nachrichten Politik Deutschland/Welt So skrupellos tricksen Vermieter die Mietpreisbremse aus
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15:46 31.07.2019
Viele Menschen in Deutschland haben Probleme bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsräumen zu finden. Quelle: imago/Schöning
Berlin

Trotz der im Jahr 2015 eingeführten Mietpreisbremse sorgen die hohen Preise für Mietwohnungen für Unmut bei Menschen, die auf der Suche nach einer Bleibe sind. Vor allem möblierte Wohnungen werden in den beliebten deutschen Großstädten häufig zu exorbitant hohen Preisen inseriert. Angebote wie 830 Euro Kaltmiete für 25 Quadratmeter in Berlin (Friedenau) oder 940 Euro Kaltmiete für 36 Quadratmeter in Hamburg (Winterhude) finden sich massenhaft auf immowelt, immobilienscout und anderen Portalen.

Der Trick: Immer mehr Vermieter bieten ihre Wohnung möbliert an. Nach einer Auswertung des Frankfurter Mieterschutzvereins wird in der Mainmetropole mittlerweile jede zweite Wohnung mit Möbeln vermietet – für die dann teuere Aufschläge kassiert werden. „Das ist absoluter Wucher. Allein die Tatsache, dass es solche Angebote gibt, zeigt, wie schlecht der Mensch ist. Dazu hat die Politik in den letzten 20 bis 30 Jahren viel falsch gemacht“, sagt Mieterschutzbund-Geschäftsführer Claus Otto Deese.

Mieterschutzbund empfiehlt Wiener Modell

So unterliege eine vollständig möblierte Wohnung zwar der Mietpreisbremse, Vermieter dürften für die zusätzliche Ausstattung jedoch einen Aufschlag auf den Mietzins verlangen. In der Regel entspricht dieser rund zwei Prozent des Zeitwerts der Möbel. Dieser Aufschlag muss aber nicht explizit genannt werden, so dass es für die Mieter nur schwer nachvollziehbar ist, wie sich der Gesamtmietzins zusammensetzt und wie hoch der Wert der Möbel tatsächlich ist.

Reese nimmt daher die Regierung in die Pflicht und fordert ein Eingreifen der Politiker: „Es muss klar sein, dass Bauen allein nichts bringt. Das Problem ist nicht, dass wir nicht zu wenige Wohnungen haben, sondern die Verteilung der Wohnungen. Der Markt wird sich in den Ballungszentren nicht von allein regulieren. Wenn nicht bald etwas getan wird, dann bewegen wir uns immer weiter in auf die Verhältnisse zu, wie wir sie in London oder in Mexiko vorfinden.“

Die Regierung will mit dagegen mit dem Bau von neuen Wohnungen die steigenden Preise eindämmen. Laut Koalitionsvertrag sollen rund 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 entstehen. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, verweist Deese hingegen auf das Modell der österreichischen Hauptstadt Wien. Dort sind rund zwei Drittel der Wohnungen sozial gebunden und vom Kapitalmarkt abgekoppelt. „Dann können sich auch Normalverdiener eine bezahlbare Wohnung in Zentrumsnähe leisten. Dieses Modell halte ich für zukunftsorientiert und auch in unseren Städten umsetzbar“, so Deese.

Haus und Grund widerspricht Mieterschutzbund

Der Eigentümerverband Haus und Grund sieht derweil eine Beruhigung des Mietwohnungsmarktes und beruft sich dabei auf den kürzlich veröffentlichen F+B-Wohn-Index Deutschland. „Dieser belegt, dass die Neuvertragsmieten bundesweit stagnieren und der Anstieg der Bestandsmieten immer schwächer wird. In Deutschlandweit liegt der Anstieg der Mieten deutlich unter der aktuellen Inflationsrate von 1,6 Prozent.

Das dokumentieren auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes“, erklärt Verbandssprecherin Eva Neumann. Den Vorschlag von Deese, sich das Modell von Wien zum Vorbild zu nehmen, hält der Eigentümerverband für falsch. „Im Ergebnis kann man im selben Haus den alleinstehenden Anwalt antreffen, der 1,50 Euro pro Quadratmeter zahlt, und die Familie mit zwei Kindern, die 12 Euro pro Quadratmeter berappt.“ In Wien stünden sich demnach „Familien und Zugezogene dem privilegierten „Mietadel“ gegenüber“. „Ein solches System ist aus unserer Sicht ganz und gar nicht fördernswert“, so Neumann.

54,5 Prozent der deutschen Bevölkerung wohnt laut der Unternehmensberatung Deloitte zur Miete - so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Zum 1. Juni 2015 wurde die Mietpreisbremse in Deutschland eingeführt. Sie besagt, dass bei Wiedervermietung in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt die Miete höchsten zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Die Vergleichsmiete kann dem einfachen oder qualifizierten Mietspiegel entnommen werden.

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Von Jan Jüttner/RND

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