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Deutschland/Welt Seehofer will von Sarkozy lernen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Seehofer will von Sarkozy lernen
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18:39 23.07.2009
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) posiert vor dem Eiffelturm. Im Mittelpunkt seiner Reise standen Fragen der Europapolitik und der bilateralen Beziehungen. Quelle: Joerg Koch/ddp
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Die einzigen Fotos der beiden gab es im Sitzen, einander gegenüber am Tisch. Der französische Staatspräsident vermied es, sich neben den 1,94-Meter-Riesen Seehofer zu stellen. Hinter den verschlossenen Türen im Elysée-Palast habe eine „ungewöhnlich freundliche Atmosphäre“ geherrscht, berichtete Seehofer. „Ich hab für die französische Lebensart sehr viel Sympathie“, bekannte er artig.

Doch gleich beim ersten Thema erwischte Sarkozy seinen Gast kalt. Der Staatspräsident äußerte sein Unbehagen über das Ende der Atomtechnik-Partnerschaft von Siemens und Areva. Seehofer gab später zu, dass er dieses Thema „nur so im Übergang“ mitbekommen habe. Das sei schließlich vor seiner Zeit an der Spitze des Freistaats passiert. Doch er rettete sich mit der Zusage, mit Siemens-Vorstandschef Peter Löscher darüber sprechen zu wollen. Er habe Sarkozy aber „nichts zugesagt“, betonte der Ministerpräsident.

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Mehr spontane Einigkeit gab es bei der EU-Agrarpolitik. Staatspräsident Sarkozy habe gesagt, den Milchbauern müssten „vernünftige Preise garantiert“ werden, wenn man die Subventionen zurückfahren wolle. Hier dürften nicht nur die Marktkräfte walten, habe Sarkozy gewarnt. Dies sei schon im Finanzwesen schief gelaufen. Dieser Fehler dürfe sich nicht in der Landwirtschaft wiederholen, waren sich Seehofer und Sarkozy einig.

Für den CSU-Chef kann bereits die Tatsache, dass sich der Staatspräsident überhaupt Zeit für ihn nahm, als Erfolg gelten. Schließlich - und das sieht auch wohl der Ministerpräsident selbst ganz nüchtern so - ist Seehofer im Vergleich zum Präsidenten der Grande Nation doch lediglich eine regionale Größe. Seehofer setzt aber mit solchen Besuchen - wenngleich mit geringerem Impetus - die einst von Franz Josef Strauß begonnene Strategie einer bayerischen Nebenaußenpolitik fort.

Immerhin kennt man sich jetzt. Das könnte sich für Seehofer künftig als nützlich erweisen. Nun gehe es darum, diese Beziehungen „Schritt für Schritt persönlich mehr aufzubauen“, sagte Seehofer. Als Präsent brachte er schon mal - neben dem obligatorischen Löwen aus Nymphenburger Porzellan - „Schokolade und Süßigkeiten“ mit, „weil bekannt ist, dass es dafür eine Vorliebe gibt“. Und er lud Sarkozy zum Gegenbesuch im Freistaat ein, was der Staatspräsident gewohnt selbstsicher mit den Worten „Vorsicht! Ich nehme die Einladung an!“ beantwortete.

Wobei für Sarkozy der Freistaat und die CSU wirklich keine Unbekannten sind. Vor einem Jahr fand im niederbayerischen Straubing die Tagung des deutsch-französischen Ministerrats statt. Und 2005 war Sarkozy zu Gast in der Bergidylle von Wildbad Kreuth bei der CSU-Klausurtagung.

Vor allem mit Seehofers Vorvorgänger an der Spitze von CSU und Staatsregierung, Edmund Stoiber, hat Sarkozy immer wieder Kontakt gehalten. Daran erinnerte am Donnerstag auch Seehofer. Aber die bayerisch-französischen Beziehungen gingen historisch noch viel tiefer. Ohne Napoleon Bonaparte würde es Bayern in der heutigen Form wohl gar nicht geben, sagte der Ministerpräsident: „Wir müssen den Franzosen in alle Ewigkeit dankbar sein.“

ddp